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Ahnsen Emotionale Reise in die Vergangenheit
Schaumburg Eilsen Ahnsen Emotionale Reise in die Vergangenheit
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19:16 31.07.2018
Bei der Besichtigung des Harrlstollens kommen bei Ursula Küppers schlimme Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg hoch. Mit auf dem Bild: Daniel Schmidt, der neue Inhaber der Anlage. Quelle: wk
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Aus Angst vor den Luftangriffen der Alliierten versteckten sie sich in dem ehemaligen Kohlebergwerk, in dem der Flugzeughersteller Focke-Wulf eine Lichtpauserei betrieben und Flugzeugmodelle gebaut hatte. Für diesen militärischen Zweck waren in dem Stollensystem große, mit Ziegelsteinen ausgebaute Räume geschaffen worden.

Knapp zwei Wochen lang hatten sie sich im Harrlstollen versteckt. Dann waren die Engländer da und besetzten den Kurort Bad Eilsen. Ursula Küppers, damals 13 Jahre alt, und die anderen verängstigten Menschen verließen die Untertageanlage wieder, denn Luftangriffe waren nun nicht mehr zu befürchten.

Jetzt, mehr als 70 Jahre nach diesem Erlebnis, ist Küppers zum ersten Mal wieder im Harrlstollen gewesen: Im Rahmen einer Besichtigungstour, die Daniel Schmidt, der neue Eigentümer des Stollens, extra für die Bad Eilserin ermöglicht hat. Mit dabei waren ihr Sohn Stefan Küppers mit Ehefrau und Tochter sowie ein paar von Schmidts freiwilligen Helfern, die ihm bei der Sanierung der Anlage helfen (der Harrlstollen soll ein Besucherbergwerk werden).

Ausgestattet mit Bergmannshelm und Grubenlampe betrat Ursula Küppers nun also erstmals wieder die nur spärlich beleuchtete unterirdische Anlage. Als sie den großen, feucht-kalten Raum erreichte, in dem sie als Kind tagelang auf dem Boden geschlafen hatte, kam die Erinnerung mit Wucht in ihr hoch: „Oh Gott“, entfuhr es der Seniorin beim Betreten des Raumes leise, und Tränen traten ihr in die Augen.

„Wenn Sie hier so weit drin sind, und dann sagt einer: Die Engländer kommen gleich und werfen Flammenwerfer hier rein. Können Sie sich vorstellen, was das für ein Gefühl ist“, fragte sie Schmidt. Es sei „furchtbar“ gewesen.

Im weiteren Gespräch legte sich ihre Ergriffenheit, und Küppers fand zu ihrer fröhlichen Art zurück. Zudem wollte sie auch wissen, wie es heute in dem noch tiefer im Berg gelegenen Teil des Harrlstollens aussieht. Den Bereich durfte sich die Bad Eilserin ebenfalls ausgiebig anschauen. Dabei erzählte sie noch einiges von damals, war aber durchaus auch zu kleinen Scherzen aufgelegt. Lediglich in den nicht mit Ziegelsteinen ausgebauten hinteren Stollengang, dessen Boden uneben und dessen Decke mit einer massiven Holzkonstruktion gesichert ist, mochte sie nicht hineingehen.

Als Küppers mit Schmidt und den anderen Begleitern wieder im Freien war, wurde sie erneut nachdenklich: „Dass ich hier noch mal drin war, das kann ich mir gar nicht vorstellen – schrecklich“, meinte die Zeitzeugin. „Man hatte ja immer Angst gehabt“, beschrieb sie die damalige Situation. Und die Angst sei erst verschwunden „als wir wieder rauskamen, in die Sonne“. Wie sie die jetzige Besichtigung empfunden hat? „Einen kleinen Moment war das schon komisch, da hat es mich schon berührt, aber dann ging es“, verriet Küppers.

„Diese Erfahrungsberichte mitnehmen zu dürfen, das ist schon ein Privileg“, zeigte sich Schmidt dankbar für die Schilderungen der Bad Eilserin. Ergänzend merkte er an, dass es das Ziel sei, mit dem geplanten Besucherbergwerk „das, was hier passiert ist, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen“.wk