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Ende nach mehr als 40 Jahren

Ahnser Gaststätte schließt Ende nach mehr als 40 Jahren

Nach 41 Jahren mit vielen Höhen und auch Tiefen ist endgültig Schluss. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge geben Angelika und Erich Borrmann das Landhaus an der Bahnhofstraße in Ahnsen ohne großes „Tamtam“ auf.

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Angelika und Erich Borrmann – hier hinter der Theke des Landhauses – sagen Adieu. möh

Ahnsen. Traurig sind sie über das Ende, denn die Arbeit in ihrer Gaststätte habe ihnen immer sehr viel Spaß gemacht. Auf der anderen Seite wollen sie aber endlich ihren Lebensabend genießen.

 Was sie in Zukunft so alles angehen wollen, wissen sie noch nicht so genau. Zeit wäre es vielleicht, so Angelika Borrmann, für einen Urlaub, auf den sie in den vergangenen 20 Jahren verzichtet hätten. Sie hatten lediglich die gute Ahnser Luft zum Regenerieren genossen. Dann wiederum überlegt die Neupensionärin, „wie verrückt“ Farbe zu kaufen, um ihr Haus nebst Wohnung komplett zu streichen. Ihr Mann bremst sie aber aus: „Es muss nur das saniert werden, was wirklich reparaturbedürftig ist.“

 Als der heute 78-jährige Erich und seine 65 Jahre alte Ehefrau Angelika im Januar 1974 das Landhaus in eigener Regie übernahmen, gab es im Dorf noch reichlich Konkurrenz, denn immerhin vier weitere Gaststätten buhlten um die Kundschaft. Und allen ging es damals wirtschaftlich gut. Angelika Borrmann erinnert sich, dass zu besten Zeiten morgens um 10 Uhr, wenn die Gaststätte öffnete, schon einige Rentner vor der Tür standen, um ihre „Einheiten“ trinken zu können. Und wenn das Landhaus nachmittags wieder seine Tür aufgemacht habe, habe die „Rentnertruppe“ schon wieder Durst gehabt. Erich Borrmann: „Wir haben immer viel Arbeit gehabt. Langeweile kannten wir auf keinen Fall.“ Seine Frau Angelika berichtet, dass zu Anfangszeiten sie und auch ihre Mutter in der Küche gearbeitet hätten, ohne große Pausen.

 Und das Landhaus habe auch regelrecht am Leben diverser Familien in der Gemeinde Anteil gehabt, denn es hätten dieselben Leute Konfirmation, Hochzeit und auch Silberhochzeit gefeiert. Wie viele runde und auch „normale“ Geburtstage sowie bestens besuchte Vereinsversammlungen bei ihnen ausgerichtet worden seien, können die Wirtsleute Borrmann rückwirkend nicht mehr ermitteln.

 Aber dann habe sich die Kneipenszene verändert. Viele Lokale machten dicht und auch die Borrmanns litten unter kräftig nachlassendem Umsatz. „Die Stammgäste“, so Angelika Borrmann, „sind weggestorben, und auch der Umsatz hat kräftig nachgelassen.“ So habe man vor ein paar Jahren schon diskutiert, ob es überhaupt noch Sinn mache, das Landhaus zu betreiben.

 „Da steht ein Pferd auf dem Flur“ heißt ein bekanntes Partylied. Im Landhaus stand aber kein Pferd, sondern plötzlich ein Motorrad vor der Theke. Angelika Borrmann: „Dieser Biker hatte keinen Unfall, sondern war so stolz auf sein neues Gefährt, dass er es uns unbedingt in der Kneipe vorführen musste.“

 In den 41 Jahren, in denen Erich und Angelika Borrmann für die Gaststätte verantwortlich zeichneten, „arbeiteten“ sie auch als „Beichtvater“ oder „-mutter“. Es habe viele Gäste gegeben, die mit privaten Problemen gekommen seien, Rat gesucht hätten oder „einfach jemanden brauchten, der ihnen zuhört“, erklärt Angelika Borrmann. „Sie wussten, dass wir mit unserem Wissen nicht um die Häuser ziehen.“

 Angelika Borrmann, geborene Koch, stammt aus der Landeshauptstadt. Sie kam zunächst 1966 aus Hannover nach Stadthagen, da ihre Eltern dort das „Schaumburger Eck“ übernommen hatten. Und zufällig stand diese Gaststätte genau gegenüber der Blindow-Schule, in der Erich Borrmann – er stammt aus Ostpreußen – seinen Maschinenbautechniker machte, nachdem er zwölf Dienstjahre bei der Marine abgeleistet hatte. Die beiden lernten sich kennen und lieben.

 Nach der Hochzeit übernahmen sie die Bewirtschaftung des Landhauses, die sie bis heute zur Zufriedenheit aller Gäste und auch der direkten Nachbarn erledigten. Darauf sind die Borrmanns besonders stolz, denn nie hat sich einer der Anlieger über Krawall oder Lärm beschwert.

 Das Landhaus schließt übergangslos seine Türen, die Werbung an Straße und Haus verschwindet. Aber die Boulebahn, die vor Jahren extra angelegt wurde, wird auf jeden Fall weiter genutzt. Die Gaststätte hat zwei eigene Hobbymannschaften, die weiter an den Turnieren in der Samtgemeinde teilnehmen. Ob der Name „Landhaus“ auf „Ex-Landhaus“ geändert wird, steht noch nicht fest. Klar ist aber, dass die beiden Teams einmal pro Woche auf der Bahn vor dem Landhaus trainieren. möh

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