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Notfallfahrten: Anwohner fürchten um ihre Nachtruhe

Ahnsen/Bad Eilsen / Klinikum Notfallfahrten: Anwohner fürchten um ihre Nachtruhe

Die Bürger, die an den Zufahrtsstraßen eines künftigen Klinikums Schaumburg leben sollen, sorgen sich darum, dass ihnen Notfallfahrten mit Blaulicht und Sirene den Schlaf rauben werden: Das ist eine und vielleicht die wichtigste Erkenntnis, die Markus Brockmann mit nach Hameln nimmt. Der Leiter des Geschäftsbereichs Hameln der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr: „Wir werden das Problem während des Planfeststellungsverfahrens aufarbeiten.“

Ahnsen/Bad Eilsen (tw). Zuvor haben Brockmann, Landkreis-Baudirektor Fritz Klebe und Landschaftsplaner Georg von Luckwald etwa 60 Betroffene im Restaurant „Schulz im Haus des Gastes“ über den Neubau der Erschließungsstraße informiert. Knapp 1,5 Kilometer lang, soll die künftige K73 die L451 und K11 verbinden und überörtliche Straßen entlasten.

Laut Luckwald ist zwar der Schichtbetrieb des Krankenhauses in das aktuelle Verkehrs- wie auch das Lärmgutachten eingeflossen, die Sirenenfahrten sind es aber nicht. „Mitten in der Nacht wird die Ruhe ein ums andere Mal zum Teufel sein“, fürchtet ein Anwohner. Indes: „Ob diese Fahrten als angenehm oder unangenehm empfunden werden, hängt davon ab, ob Sie im Rettungswagen liegen oder nicht“, entgegnet Klebe.

Ein anderer Bürger weiß, dass die Rettungswagen sowohl am Ortseingang als auch am -ausgang von Ahnsen Blaulicht und Sirene zuschalten. Was nach Dafürhalten eines anderen auch sinnvoll ist und sich daher nicht ändern wird, denn: „Ein Rettungswagenfahrer, der das nicht tut und einen Unfall verursacht, haftet persönlich für den Schaden.“ Klebe versucht ein Trostpflaster: „Alle Rettungsdienstwagen haben dezentrale Standorte und werden die auch künftig behalten. Sie starten also nicht alle am neuen Klinikum.“

Aber auch die Sorge, dass der Baustellenverkehr durch Bad Eilsen rollen wird, lässt die Anwohner nicht los. Doch: „Es wird solche Lkw-Fahrten nicht geben“, versichert von Luckwald mehrmals. Das wird ihm so nicht abgenommen. „Es gibt genug Fahrer, die sich bereits jetzt an das aktuelle Verbot nicht halten.“ Seine Entgegnung: „Dann muss die Polizei eben kontrollieren.“ Beruhigend wirkt erst die Ankündigung Brockmanns: „Wir werden die Firmen in den Ausschreibungsunterlagen auf das bestehende Durchfahrtsverbot hinweisen.“

Last, but not least regt sich Kritik mit Blick aufs Ganze: „Das Klinikum kriegt eine neue Kreisstraße – und aus“, so ein Bürger unter Beifall. Er vermisst die „vernünftige Ein- und Anbindung“ ins bestehende Straßennetz. Nadelöhre und das damit verbundene Risiko von Lkw-Begegnungsverkehr seien kaum bedacht. Insbesondere die Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre angelegte K11 könne in ihrem „katastrophalen Zustand“ das Mehr an Klinikumsverkehr nicht aufnehmen; ja, schon der Baustellenverkehr würde ihr „den Rest geben“. Von Luckwald widerspricht – und stellt im Übrigen eine Optimierung der Ampelsteuerung in Aussicht, für die das Geld bereits vorliege. Brockmann verspricht derweil, die „K11-Problematik“ an den Landkreis Schaumburg heranzutragen. Was den Straßenlärm betreffe, bestehe zwar angesichts der gutachterlich gemessenen und hochgerechneten Werte kein Anspruch auf Schallschutz. „Sollte sich aber später herausstellen, dass die Prognosen daneben liegen, wird der Anspruch auf diesen Schutz neu überprüft“, sagt Brockmann. Dazu sei die Behörde gesetzlich verpflichtet.

Doch zurück zur K73 und damit zur geplanten Erschließungsstraße, deren Baubeginn für den Mai 2012 terminiert ist und die inklusive Grunderwerb, Brücken- und Kreiselbau etwa fünf Millionen Euro kosten soll. Warum sie denn als „Kreisstraße bei Obernkirchen“ apostrophiert wird, obwohl sie doch „zu 80 Prozent über Ahnser Gebiet verlaufen soll“, wie im Publikum angemerkt wird, wollen die Bürger wissen. „Ein Arbeitstitel“, winkt von Luckwald ab. Er erläutert die Kriterien, die zu eben diesem und keinem anderen Straßenverlauf geführt hätten. Demnach habe die Erschließungsstraße möglichst weit weg vom Ahnser Ortsrand liegen sollen. Felder, die sie tangiert, solle sie möglichst nicht mittig zerschneiden; alten Baumbestand müsse sie verschonen und dabei bereits versiegelte Flächen nutzen.

Der Landschaftsplaner: „Die Anbindung der 6,50 Meter breiten K73 an die L451 wird über einen einfachen T-Anschlusspunkt erfolgen, sie ist unproblematisch.“ Für eine Anbindung an die K11 sei ein T-Anschluss sogar „dreimal ausreichend“. Dennoch habe sich der Landkreis dort für einen Kreisel entschieden; das sei die sicherste, wenn auch teuerste Lösung, wobei die Gaststätte eine Privatanbindung bekomme.
Die K73 wird im Talgrund der Bückeburger Aue auf einem bis zu 2,50 Meter hohen Damm und an ihrem tiefsten Punkt in einem bis zu 3,20 Meter tiefen Einschnitt verlaufen. Entlang der neuen Kreisstraße soll einseitig ein Geh- und Radweg angelegt werden, der zwei, wegen der „Bedeutung des Naherholungsverkehrs“ streckenweise aber auch 2,50 Meter Breite haben soll. Für die Begrünung sollen wechselseitige Pflanzstreifen mit Baumreihen sorgen, deren Exemplare im Abstand von 20 Metern zueinander stehen werden.

Ein sechs Meter breites Hochwasserentlastungsbauwerk soll Schutz vor Starkregen bieten, das Regenwasser von der Straßenoberfläche in eine großräumige Rückhaltemulde hinter dem Krankenhaus abgeleitet werden. Im Übrigen bringe der Straßenbau nicht zuletzt dank der geplanten die Aue querenden Dreifeldbrücke „keine zusätzliche Hochwassergefahr für Ahnsen“. Im Gegenteil. Für ein Gebäude an der Auestraße, das, weil damals nur grob taxiert worden sei, nicht, bei der aktuellen Detailmessung aber sehr wohl im Hochwassergebiet liegt, soll sich die Situation im Zuge des Baus sogar entspannen.

„Die alten Eichen, die gegenüber der Zufahrt zum Klinikum stehen, bleiben bis auf eine erhalten“, verspricht der Landschaftsplaner. Auch der bestehende Hochspannungsmast sei von der Planung für die K73 nicht betroffen. Verlegt werden müssten lediglich einige Leitungen im Bereich – etwa eine zehn KV- und eine Trinkwasser-Leitung.

Indes: Den „Landschaftsschutz Schaumburg“, jetzt mit Vereinsstatus, stellt das Gehörte nicht zufrieden. „Wir setzen uns mit den Anwälten zusammen, bereiten nun die Klage vor“, sagt Sprecher Thomas Knickmeier am Ende der Versammlung.

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