Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 4 ° Regen

Navigation:
Politiker wollen den Kickern Licht anmachen

Ahnsen/Heeßen / Fußballstadion Politiker wollen den Kickern Licht anmachen

Die 227 vom Fußball begeisterten Eilser, die beim TSV Ahnsen gegen das Leder treten, dürfen hoffen: Die Chancen stehen gut, dass sie auf dem Sportplatz in Heeßen schon bald bei Flutlicht kicken können, denn: Der Bauausschuss der Samtgemeinde hat sich durch Jugendleiter Dirk Ebeling von der Notwendigkeit überzeugen lassen, die vom Verein beantragte Anlage zu installieren.

Voriger Artikel
Das ist der Klub, mit dem der Rat nicht rechnete
Nächster Artikel
Modernes Licht setzt Mehrzweckhaus in Szene

Der Sportplatz in Heeßen. Im Gespräch sind – zunächst – zwei Flutlichtmasten am Spielfeldrand.

Quelle: tw

Ahnsen/Heeßen. Die Abgeordneten empfehlen dem Rat einstimmig, zunächst 70000 Euro im aktuellen Etat bereitzustellen. Der Rat tagt am Donnerstag, 22. März, um 19 Uhr im „Heeßer Krug“ und sagt dann endgültig hopp oder top.

 Derzeit geht der Bauausschuss davon aus, dass die Gesamtkosten für eine Flutlichtanlage etwa 100000 Euro betragen werden. Angesichts der angespannten Haushaltslage erwägen die Politiker, zunächst eine kleine Lösung mit nur zwei Masten umzusetzen. Im Gespräch ist auch, dass sich die fünf Mitgliedsgemeinden an der Finanzierung beteiligen – und dass der TSV Ahnsen Spenden einwirbt. Denn eines ist schon jetzt deutlich: Das Projekt Flutlichtanlage wird angesichts der zahlreichen Untersuchungen sowie des vom Landkreis Schaumburg geforderten Gutachtens zu den Lichtimmissionen eine ganz große Nummer. Diese bedarf obendrein noch eines Bauantrags.

 „Wir haben aktuell zwölf Mannschaften im Spielbetrieb“, berichtet Ebeling. Sie verteilen sich auf acht Jugend- und vier Herrenmannschaften – wobei jedes Jahr eine weitere Jugendmannschaft dazu kommt. Konkret stehen derzeit 140 Kindern und Jugendlichen 87 Erwachsene gegenüber. Nur ein Drittel der Spieler kommt aus Ahnsen selbst, der größere Rest kommt aus der Samtgemeinde. Ebeling erinnert daran, dass die Nutzungszeiten des Sportplatzes in Ahnsen angesichts des Clinchs mit einem Nachbarn und den Ergebnissen des Mediationsverfahrens stark eingeschränkt sind. „Wir dürfen den Platz montags bis freitags nur noch von 17 bis 22 Uhr nutzen“, so der Jugendwart; sonnabends und sonntags werden die Spielzeiten vom Niedersächsischen Fußballverband (NFV) vorgegeben. Die Kernspielzeit für den Nachwuchs liege jedoch nur zwischen 17 und 19 Uhr; danach gehen nur noch die Herren auf den Rasen.

 Im Schnitt hat der TSV eine wöchentliche Platznutzung von 28 Stunden ermittelt. Multipliziert mit 36 Wochen ergeben sich 1000 Stunden Nutzungsdauer. Demgegenüber werde der Ausweichsportplatz in Heeßen nur neun bis zehn Stunden die Woche bespielt. Multipliziert mit 24 Wochen macht das 200 Stunden. Ebeling: „Unser Problem ist, den Trainings- und Spielbetrieb in den Herbst- und Wintermonaten aufrecht zu erhalten.“ Der Trainingsbetrieb laufe zwischen Oktober/November und April notgedungen auf Sparflamme. Denn der Ahnser Platz müsse für den Spielbetrieb geschont werden. Würde der Trainingsbetrieb dagegen so aufrecht erhalten, wie es eigentlich vernünftig sei, „dann ist der Platz nur noch Matsch“, so der Jugendleiter. Im Gegensatz zu manch anderem Verein sei der TSV leider nicht in der glücklichen Lage, nebenan noch einen B-Platz zu haben.

 Dabei gilt: „Nach einer Empfehlung des NFV sollte ein Rasenplatz mit nicht mehr als 400 bis 800 Stunden belegt werden, um noch im bespielbaren Zustand zu sein“, erinnert Ebeling. Da liege der TSV Ahnsen schon jetzt um 40 Prozent drüber. Zwar solle der Rasen dankenswerterweise saniert werden, nur: Wenn die Fußballer in der nasskalten Jahreszeit weiter trainieren wie bisher, sei das Grün nach nur einem Jahr vermutlich wieder hin. Ohne eine Ausweichfläche wie diejenige in Heeßen gehe es also nicht – und eben auf dieser fehle in den Wintermonaten ab 17 Uhr das Tageslicht.

 „Unser Ziel ist es, die Nutzungszeiten gleichmäßig auf beide Sportplätze zu verteilen“, betont der Jugendleiter. Wobei Ahnsen der Spiel- und damit A-Platz bleibe.

 Was die Kosten einer Flutlichtanlage betrifft, ist im Rathaus bereits im Februar 2011 ein Angebot der Bückeburger Firma Mews Elektrotechnik über Lieferung und Montage eingegangen. „Demnach ist mit Bruttokosten von 60415 Euro zu rechnen“, erinnert Bernd Schöneman. Der Samtgemeindebürgermeister: „Dazu kommen noch die Kosten für die Erdarbeiten und Fundamente – macht nochmals 2000 Euro für jeden der 16 Meter hohen Masten.“

 Nicht in diesen Summen mit drin sind die Kosten, die das Gutachten zu den Lichtimmissionen, die Windlastberechnungen sowie die Boden-/Fundamentuntersuchungen verursachen. „Last, but not least müssen wir auch an den Hochwasserschutz denken“, betont der Stadthäger Planer Helmut Göbel. In jedem Fall sei ein Bauantrag und als dessen Konsequenz eine Baugenehmigung nötig. Wie der Samtgemeindebürgermeister bereits in Erfahrung gebracht hat, wird der Landkreis Schaumburg die Besitzer der an den Sportplatz angrenzenden Nachbargrundstücke an dem Genehmigungsverfahren beteiligen.

 Angesichts der erwarteten Gesamtkosten von etwa 100000 Euro sagt Gerhard Hasse (Gruppe CDU/Hasse): „Wir wollen den TSV natürlich nicht im Regen stehen lassen, haben aber nur ein begrenztes Budget – zumal die Gemeinde Heeßen“, so der Unabhängige verschmitzt, „ja auch noch keinen Autohof –und damit nicht viel Gewerbesteuereinnahmen hat.“ Ob denn die Jugendlichen nicht schon vor 17 Uhr trainieren können – wenn’s noch hell ist? „Nein“, macht der Jugendleiter deutlich. Früher gebe es keinen Trainer, sei der Nachwuchs aber auch selbst oftmals schulisch noch gebunden.

 Die Kosten indes schrecken auch Schönemann. Er fragt, ob eine Zahl von sechs Flutlichtmasten für den Sportplatz Heeßen wirklich nötig ist. „Für den Trainingsbetrieb reichen vier Masten aus“, entgegnet Ebeling. Für den Trainingsbetrieb wohlgemerkt, für den Spielbetrieb nicht. Der Vorschlag, den schließlich Heinz-Hardy Hoffmann (Bündnis 90/Die Grünen) macht, stößt im Bauausschuss auf viel Gegenliebe. Er lautet: „Zunächst nur zwei Flutlichtmasten diagonal versetzt aufstellen, die dafür aber schon kurzfristig.“ Der Rest könne später dazu kommen, wenn die Haushaltslage weniger angespannt ist. Für Ebeling ist das ein guter Kompromiss, mit dem die Fußballer leben könnten. Hoffmanns Gruppenkollege Robert Martin (SPD) plädiert dafür, in den Etat als einen ersten Schritt zunächst Geld für „mögliche Flutlichtmasten“ einzustellen. Unabhängig davon regt Wilhelm Dreves (CDU) an, dass der TSV Ahnsen in der Samtgemeinde eine Spendenaktion für eine Flutlichtanlage in Heeßen initiiert.

 Am Ende scheint den Politikern klar zu sein, dass sie gar keine andere Möglichkeit haben, als den Kickern in Heeßen Licht anzumachen. Denn: „Wir müssen den Auflagen der Mediation vor dem Verwaltungsgericht Hannover Rechnung tragen“, beschwört Jürgen Schmökel (SPD) die Ratskollegen. „Der Sportplatz-Nachbar steht am Zaun, notiert jede Bewegung auf dem Platz akribisch.“ Darum weiß auch Fraktionskollege Klaus Hartmann, Bürgermeister in Ahnsen: „Sobald es ihm zu viel wird, läuft der Mann wieder zum Anwalt.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Schaumburg