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„Bodenlose Schweinerei“

Baumfällung in Bad Eilsen „Bodenlose Schweinerei“

Empört bis – im übertragenen Sinne – sprachlos: So unterschiedlich haben sich Vertreter der lokalen Politik im Gespräch mit unserer Zeitung gezeigt, die wir um eine Stellungnahme zu der von Rolf Prasuhn veranlassten Baumfällung befragt haben.

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„Abwarten, was auf mich zukommt“

Auf dem der Gemeinde Bad Eilsen gehörenden Schlammteiche-Areal hat Vize-Bürgermeister Rolf Prasuhn (CDU) als Bauherr mehrere geschützte Laubbäume abholzen lassen.

Quelle: wk

BAD EILSEN. Wie berichtet, hat der 1. Stellvertretende Bürgermeister und CDU-Ratsherr der Gemeinde Bad Eilsen als Bauherr vor Kurzem fünf geschützte alte Laubbäume abholzen lassen – auf gemeindeeigenem Grund und Boden. Möglicherweise, weil sie einer „herrlichen Fernsicht“ im Wege standen. Mit dieser Eigenschaft werden jedenfalls die von ihm geplanten „exklusiven Eigentumswohnungen“, die er auf seinem direkt an das kommunale Schlammteich-Areal angrenzenden Baugrundstück errichten lassen will, in Immobilien-Exposés der Volksbank in Schaumburg beworben.

„Mir fehlen im Grunde die Worte, wie jemand, der Verantwortung in der Gemeinde hat, so was machen kann“, sagt Hans-Jürgen Winkelhake, Bad Eilsens 2. Stellvertretender Bürgermeister und SPD-Ratsmitglied. Eine „ganz schlimme Sache“ sei das. Mehr noch, er empfinde dies als eine „bodenlose Schweinerei“. Dabei könne sich Prasuhn auch nicht damit herausreden, dass er im Vorfeld mit der Gemeindedirektorin Svenja Edler über das Abholzen der Bäume gesprochen habe, betont Winkelhake. Denn Prasuhn wisse ja, dass es in Bad Eilsen eine Baumschutzsatzung gibt und dass bei allen Eingriffen in den Kurpark (zu dem auch die Schlammteiche gehören) die Untere Naturschutzbehörde und die Denkmalschutzbehörde involviert sind.

Über den Zaun gestiegen

Zudem habe Prasuhn vor zwei, drei Jahren bereits auf einem ihm gehörenden Grundstück an der Julianenstraße zwei große Bäume fällen lassen, wofür Prasuhn zuvor ganz offiziell einen Antrag gestellt habe – und ihm dann eine entsprechende Genehmigung erteilt worden sei. Prasuhn wisse also, wie so etwas zu laufen hat.

Und überhaupt: Wenn die jetzt von Prasuhn veranlasste Abholzung „offiziellen Charakter“ gehabt hätte, hätte sich dieser ja den Schlüssel für das zum Schlammteiche-Areal führende Tor holen können, statt dass über den Zaun gestiegen wird, um auf das gemeindeeigene Grundstück zu gelangen.

Da wegen der von Prasuhn jetzt veranlassten Baumfällung ein Strafverfahren eingeleitet worden ist (die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung), sollte Prasuhn sein Vize-Bürgermeister-Amt zumindest bis zum Abschluss des Verfahrens ruhen lassen, meint Winkelhake. Sollte Prasuhn wegen der Abholzung der fünf gemeindeeigenen Bäume zivilrechtlich und möglicherweise auch strafrechtlich belangt werden, wolle er dieses Thema dann als Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion auf die Tagesordnung bringen, so Winkelhake.

Erst Meinungen einholen, dann urteilen

Bedeckt hält sich dagegen Dagmar Söhlke, Sprecherin der CDU-Ratsfraktion. Sie wolle sich zunächst mit der Gemeindedirektorin unterhalten und „recherchieren, was da gelaufen ist“, erklärt sie. Erst danach werde sie sich eine Meinung zu diesem Fall erlauben. Söhlke geht jedenfalls davon aus, dass Prasuhn sich zuvor mit Edler „kurzgeschlossen“ hat und dass irgendetwas in jenem Verfahren „verkehrt gelaufen“ sei.

Ähnlich fiel die Stellungnahme von Frank Harmening, dem stellvertretenden Vorsitzenden des CDU-Samtgemeindeverbands Eilsen (Prasuhn ist Vorsitzender), aus: Er habe noch mit keinem der Beteiligten gesprochen, um sich ein eigenes Bild zu machen. Dies wolle er jedoch erst machen, bevor er diese Angelegenheit kommentiert. Unabhängig davon ist laut Harmening allerdings „unstrittig“, dass man keine Bäume fällen darf, ohne eine Genehmigung dafür zu haben. Das bedeutet: „Wenn es so sein sollte, dass die Bäume trotzdem gefällt wurden“, dann gehe dies „nicht an“.

Kurz und knapp äußert sich Harald Bokeloh, Schriftführer des SPD-Ortsvereins Eilsen (Bürgermeisterin Christel Bergmann ist Vize-Vorsitzende; das Amt des Vorsitzenden ist vakant): „Ich habe gar keine Meinung“, sagt er und ergänzt: „Ich muss erst mal mit allen Beteiligten gesprochen haben, bevor ich dazu einen Kommentar abgebe.“  wk

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