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„Carpe Diem“: Das Restaurant ist dicht

Geschlossen „Carpe Diem“: Das Restaurant ist dicht

Die Nachricht klebt – mit dünnem blauen Kulistrich auf einem weißen Blatt im DIN-A4-Papier geschrieben – im Eingang. Es ist nur ein Wort, was da steht: „Geschlossen“.

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 Die Speisekarte ist abgehängt, das „Carpe Diem“ geschlossen.

Quelle: tw

Bad Eilsen. Nach nicht mal einem Jahr ist das „Carpe Diem“ (Restaurant, Bar, Saalbetrieb, Biergarten und Catering) an der Bückeburger Straße in Bad Eilsen bereits wieder Geschichte. „Es hat sich nicht getragen“, sagte Pächter Pascal Hartmann gestern auf Anfrage der Redaktion. Hartmann, der sich im Detail nicht weiter äußern wollte, hatte das Lokal im „Haus des Gastes“ im März 2014 zusammen mit Christian Zude übernommen. Bad Eilsens Gemeindedirektorin Svenja Edler spricht mit Blick auf das abermalige Aus eines Gastronomiebetriebs von einer „Katastrophe“.

Die Betreiber, so Edler, hätten die Gemeinde darum gebeten, den über fünf Jahre laufenden Pachtvertrag vorzeitig aufzulösen; dem soll Ende Februar entsprochen werden. Immerhin: „Die Pacht“, so die Gemeindedirektorin, „ist bis jetzt bezahlt worden. Außenstände gibt es nicht.“ Eine Insolvenz des als GbR geführten Geschäfts liege nicht vor. Die Pacht selbst soll sich in „normaler Höhe“ bewegt haben.

Aus allen Wolken gefallen sei die Gemeinde allerdings nicht, als sie die Nachricht hörte. Dass sich der Betrieb des „Carpe Diem“ nicht rechnet, habe sich abgezeichnet, meint Edler. Zwar sei das Essen von den Gästen überwiegend als gut empfunden worden, seien die anfangs als zu klein angesehenen Portionen schon bald größer geworden, aber: „Die Ansprache der Gäste“, so die Gemeindedirektorin, „hat offensichtlich nicht funktioniert.“ Der Saal des Restaurants sei gut ausgelastet gewesen, ergo müsse das Problem im Tagesgeschäft entstanden sein.

Dabei hatten die Pächter noch bis Ende März Großes geplant: Für den 27. Februar wurde ein Wildbüfett, für den 13. März ein Pastabüfett und für den 27. März ein Schmorbratenbüfett auf der Tafel im Eingangsbereich beworben. Auch das ist nun Geschichte. Die Speisekarten des „Carpe Diem“ sind abgehängt, die Internetpräsenz abgeschaltet.

Dabei hatte sich die Gemeinde im Frühjahr 2014 bei ihrem Zuschlag für das Duo mitnichten auf Abenteurer eingelassen. Denn trotz ihrer Jugend haben die Pächter langjährige Erfahrungen in der gehobenen Gastronomie. Beide haben eine Ausbildung als Hotelfachmann in Vier- respektive Fünf-Sterne-Hotels absolviert, dann auch in Betrieben dieser Kategorien gearbeitet und sich schließlich noch zum Hotelbetriebswirt respektive Betriebswirt IWW fortgebildet.

Schade: Weil die von bis zu sechs Klubs genutzte Kegelbahn im Keller nur durch das Restaurant zu erreichen ist, muss auch sie geschlossen bleiben, wie Edler bedauert. Die Bahn war nach vier Jahren der Stilllegung erst im September 2014 runderneuert worden; die Gemeinde Bad Eilsen hatte sich die Attraktivitätssteigerung 5000 Euro kosten lassen.

Wie geht’s jetzt weiter? Die Verwaltung wird wohl oder übel in den sauren Apfel beißen – und „über den Getränkehändler und auf allen anderen Kanälen“ nach einem neuen Pächter suchen; dem dann Dritten nach der Sanierung der Gemeindeimmobilie Immobilie für die Zwecke des damaligen Restaurant „Schulz“. Ihr schwebt abermals ein Format wie das des „Carpe Diem“ vor – deutsche und/oder mediterrane Küche, „nichts in Richtung Chinese“, wie Edler sagt. Doch eine Neuvermietung dürfte diesmal kaum einfacher werden. Wobei gilt: Je länger der aktuelle Leerstand dauert, desto mehr leidet der Ruf des Standorts im Allgemeinen und des Objekts im Besonderen.

Zur Erinnerung: Der Eröffnung des „Carpe Diem“ im März 2014 war ein mehr als zweijähriger Leerstand des Lokals vorausgegangen. Denn im Dezember 2011 hatte Vorgängerin Susanne Schulze ihr Restaurant „Schulz“ überraschend geschlossen; sie hatte erst im April 2011 eröffnet. Vorgänger des „Schulz“ im „Haus des Gastes“ war das Restaurant „Nautilus“. Die Familie Eiben hatte es 25 Jahre als Pächter betrieben, bis es Anfang Oktober 2009 geschlossen wurde. „Die Energiekosten fressen uns auf. Ich würde den kommenden Winter nicht mehr überstehen“, erklärte Eiben damals.

Die Gemeinde reagierte prompt. Eine Renovierung des 1948 gebauten „Hauses des Gastes“ stand ohnehin an; in diese Renovierung wurde die Umgestaltung des Gastronomiebereiches als zweiter Bauabschnitt einbezogen. Die Gesamtkosten der Sanierung des Objekts hatten die Gemeindekasse am Ende mit etwa 800000 Euro belastet. Dafür hatte sich Bad Eilsen verschuldet – „erstmals seit Menschengedenken“, wie es damals hieß. Ein großer Teil dieses Betrages war auf Maßnahmen zur Energieeinsparung, eine neue Lüftungsanlage, den Austausch der kompletten Elektrik sowie auf den Brandschutz entfallen.  tw

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