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Bad Eilsen Chemischer Pflanzenschutz als Frage der Moral
Schaumburg Eilsen Bad Eilsen Chemischer Pflanzenschutz als Frage der Moral
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20:30 05.02.2019
RLB-Vorstandsmitglied Marco Gottschalk (Mitte) präsentiert die Bilanz für das Geschäftsjahr 2017/2018. Quelle: wk
Bad Eilsen

Das berichtete Marco Gottschalk, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der An- und Verkaufsgenossenschaft, bei deren Generalversammlung im Bad Eilser Palais im Park. Von diesem Überschuss werden auf Beschluss der Versammlung circa 1,937 Millionen Euro den Rücklagen zugeführt und knapp 229.000 Euro als Dividende (sieben Prozent) an die Mitglieder ausgeschüttet. Am Stichtag 30. Juni 2018 gehörten der Raiffeisen-Landbund eG 2097 Genossenschaftsmitglieder an, die insgesamt 3847 Anteile zu je 1000 Euro gezeichnet hatten.

„Was für ein Jahr liegt hinter uns. Hitze und Trockenheit in einer Dimension, wie wir sie bislang noch nicht erlebt haben“, resümierte Gottschalk. Dies habe die Landwirtschaft vor große Herausforderungen gestellt und den Agrarhandel maßgeblich beeinflusst. Dabei habe sich das schwierige Marktumfeld bereits im Herbst 2017 mit schlechten Aussaatbedingungen abgezeichnet. Aufgrund regional sehr deutlicher Ertragsrückgänge beim Getreide und der zum Teil dramatischen „Grundfuttersituation“ sei dies dann noch verschärft worden, so Gottschalk. Die Stimmungslage in der Branche habe sich dadurch weiter eingetrübt.

An Herausforderungen, mit denen sich die Landwirtschaft außerdem konfrontiert sieht, nannte Gottschalk unter anderem die Auswirkungen der seit Juni 2017 geltenden neuen Düngeverordnung, die Gülleproblematik, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und geringere Tierbestände mit entsprechend geringerer Nachfrage nach Tierfutter.

Gesamtumsatz von 329,6 Millionen

Gleichwohl habe man dank eines breiten Portfolios in den unterschiedlichen Geschäftsbereichen profitieren und ein „gutes Ergebnis“ erzielen können, betonte Gottschalk. Den Gesamtumsatz des Konzerns bezifferte er auf rund 329,6 Millionen Euro; davon entfallen circa 198,5 Millionen Euro auf die Raiffeisen-Landbund eG und der Rest auf deren diverse Beteiligungen.

Andreas Rath, ebenfalls geschäftsführendes RLB-Vorstandsmitglied, sprach das Thema der gesellschaftlichen Akzeptanz von Pflanzenschutzmaßnahmen an: „In Deutschland gehört es heute anscheinend zum guten Ton, gegen etwas zu sein – sei es gegen den Energieträger Kohle, Dieselfahrzeuge, Ferkelkastration, Stromtrassen oder gegen Pflanzenschutz“, sagte er. Doch an einem „Gunststandort wie Deutschland mit seiner hohen Kaufkraft“ könne man es sich moralisch nicht leisten, den chemischen Pflanzenschutz abzulehnen.

Denn würde sich Deutschland mit einer extensiven Landwirtschaft schmücken, würde dies wegen der dann erforderlichen höheren Importe „indirekt global Fläche verbrauchen, die den Menschen mit geringerer Kaufkraft genommen würde“. „Unsere weiße Weste würden wir also auf Kosten anderer tragen“, betonte er. Das vorrangige Ziel müsse daher sein, in Sachen Pflanzenschutz „Ökonomie, Ökologie und gesellschaftliche Verantwortung unter einen Hut zu bringen“.

Bei der Generalversammlung wurden Friedrich-Wilhelm Bartels (Vornhagen), Arndt Nottmeier (Meißen) und Wilhelm Wiebke (Bierde) als Mitglieder des Aufsichtsrats wiedergewählt.Helmut Tönsfeuerborn (Verl), Werner Bremer (Groß-Hegesdorf), Hartmut Lührmann (Volmerdingsen) und Dirk Rodenbeck (Gelldorf) kandidierten dagegen nicht noch einmal. Ausgeschieden ist zudem der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Werner Bremer. Ihm wurde für sein 25-jähriges ehrenamtliches Engagement die silberne Ehrennadel des Genossenschaftsverbandes verliehen.

Von Michael Werk