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Bad Eilsen Cornelia Zoels in der Brunnenklinik
Schaumburg Eilsen Bad Eilsen Cornelia Zoels in der Brunnenklinik
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00:17 01.05.2016
Cornelia Zoels bei der Vorlesung in der Brunnenklinik. Quelle: sig
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Bad Eilsen

Die Buchautorin stammt jedoch nicht aus dem Schaumburger Land, sondern aus der früheren DDR, genauer gesagt: aus Brandenburg.

 Sie ist unter besonderen Umständen zu einer Zeitzeugin geworden, die die einst viel gepriesenen Vorzüge des real existierenden Sozialismus der DDR-Prägung am eigenen Leib kennenlernte. Deshalb hat sie ihre Erfahrungen in einem Buch mit dem Titel „Hinter der bunten Mauer“ zusammengefasst. Weil ihre Eltern einen Ausreiseantrag gestellt hatten, bekamen gleich alle Familienmitglieder den Zorn der Regierung zu spüren.

 Die Kinder von „Dissidenten“ konnten in der Regel den Zugang zu einem Studium vergessen. Besonders dann, wenn Vater und Mutter bei Nacht und Nebel die Grenze überqueren wollten, dabei gefasst und hinter Gitter gebracht wurden. Die Kinder wussten von der geplanten Flucht nichts.

 Zoels schildert in ihrem Buch, was die Verhaftung der Eltern für sie für Folgen hatte. Das Bespitzeln durch die „Hunde“, wie sie die Stasi-Mitarbeiter nannte, gehörte künftig zu ihrem Alltag, zumal sie die nächsten Jahre in einem Heim verbringen musste.

 Dazu hatte sie noch ein zusätzliches Problem: Sie wusste die angeblichen Segnungen des SED-Staates nicht ausreichend zu schätzen. Deshalb war sie auch nicht bereit, Parteimitglied zu werden. Dieses Verhalten hinderte sie daran, ein Studium aufzunehmen, um zum Beispiel Lehrerin zu werden. Die Nachteile bekam sie immer wieder zu spüren. Was sie erlebte, bis die „bunte Mauer“ fiel und die DDR ihr Ende fand, das hat Zoels in ihrem Erstlingswerk verarbeitet.

 Sie machte das recht realistisch und ohne Überhöhung oder Verniedlichung in die eine oder andere Richtung. Die Republikflucht der Eltern, die von der deutschen Regierung eines Tages freigekauft wurden, ließ eben an der Gesinnungstreue aller Familienmitglieder zweifeln.

 Verständlich, dass auch Cornelia Zoels das Ende der DDR und der damit verbundenen Unfreiheit und Bespitzelung als eine neue Chance für ihr Leben begriff. Aber sie gehörte nicht zu denen, die schon in der ersten Nacht, als die Grenze geöffnet wurde, das Weite suchte.

 Kontakt zu den Eltern, die ihre Kinder allein zurückgelassen hatten, gibt es nicht mehr. Die Autorin lebt jetzt in Obernkirchen und ist in der Landeshauptstadt in der Jugendarbeit tätig. Diesen neuen Erfahrungen will sie ihr zweites Buch widmen, das in Vorbereitung ist.

 Bei der Diskussion, die sich in der Brunnenklinik an die Lesung anschloss, meinte eine Zuhörerin aus dem Osten, ihre Familie habe die Einschränkungen nicht so tief gehend empfunden, wie sie im Buch geschildert werden.

 Zoels machte aber deutlich, dass bei der sogenannten „Republikflucht“ die DDR kein Pardon kannte. Das sei schließlich der Hauptgrund für das Ausbluten dieses Staates gewesen. Die Autorin bekommt übrigens immer häufiger die Chance, in Schulen, vor allem Gymnasien, zu lesen und Fragen zu dieser Zeit zu beantworten – eine sehr anschauliche und sehr persönliche Aufklärungsarbeit zur Geschichte der deutschen Teilung. sig

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