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Der Ball muss rollen

Unterwegs mit Greenkeeper Benjamin Bothmann Der Ball muss rollen

„Ich wünsche ein schönes Spiel!“ Die Vorfreude ist groß, als sich die Golfer auf den Weg zum Abschlag machen. Es verspricht tatsächlich ein schöner Vormittag auf dem Golfplatz Am Harrl zu werden: Das Wetter ist wirklich gut, und die Anlage ist in einem Top-Zustand.

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Benjamin Bothmann

Quelle: kk

Eilsen. Doch es ist eine ganze Menge Arbeit und viel Aufmerksamkeit für kleinste Details nötig, damit die Golfer optimale Bedingungen vorfinden. Ein Blick hinter die Kulissen.

 Benjamin Bothmann und seine beiden Kollegen sind in der Saison früh auf den Beinen: Ab 6 Uhr in der Frühe sind sie auf dem Golfplatz unterhalb des Harrls zwischen Bückeburg und Eilsen unterwegs, um die neun Bahnen und die zahlreichen anderen Einrichtungen des Klubs in Schuss zu halten – Stunden bevor die ersten Golfer auf dem Platz eintreffen. Bothmann ist „Head Greenkeeper“, Chef der Hüter des „heiligen“ Golf-Rasens. Wichtiges Hilfsmittel: professionelle Rasenmäher in unterschiedlichen Größen und Ausführungen vom kleinen Handmäher bis zum großen Aufsitzgerät.

 „Mähen – das kann doch jeder“, mag der eine oder andere Hobbygärtner mit 100 Quadratmetern vermooster Wiese lästern. Von wegen: Die professionelle Pflege eines Golfplatzes hat mit dem gelegentlichen Mähen im Hausgarten so viel zu tun wie die Zubereitung eines Menüs in der Pommes-Bude mit der im Sterne-Restaurant. Die Greenkeeper sind täglich auf dem Platz unterwegs, auch sonnabends und sonntags. Denn: „Gras wächst immer, da wird man nie fertig“, sagt Bothmann lächelnd. Und es muss auf dem Platz auf fünf unterschiedlichen Längen gehalten werden – je nachdem, wie intensiv die Flächen gespielt werden und wie dicht sie sich am Loch, dem Ziel der jeweiligen Bahn, befinden. Dabei wird dem Green, der besonders kurz geschnittenen Rasenfläche, auf der sich die Fahne und das Loch befinden, besondere Aufmerksamkeit gewidmet.

 Dort ist der Rasen besonders dicht und millimeterkurz. Streicht man als Laie mit der Hand darüber, erinnert das ein bisschen an – man mag es kaum aussprechen – Kunstrasen aus Plastik. Doch Bothmann ist über diesen Vergleich keineswegs empört. Im Gegenteil, er fasst ihn als Kompliment auf. Denn der Golfball muss dort rollen – und das soll er kurz vor dem Loch besonders gut. Es gelte, faire Bedingungen für alle Spieler zu schaffen. Außerdem muss der Rasen auf den Greens besonders strapazierfähig sein.

 Doch mit Mähen allein ist es nicht getan. Voraussetzung fürs Gedeihen ist ein ausgewogener Nährstoff- und Wasserhaushalt des Bodens. Das setzt regelmäßige Analysen voraus, doch noch wichtiger ist genaues Beobachten. Erfahrung ist bei der Entscheidung, wann gedüngt oder gewässert werden muss, durch nichts zu ersetzen.

 Mancher Hobbygärtner wird vor Neid erblassen, wenn er sieht, wie unkrautfrei die intensiv gepflegten Rasenflächen hier sind. „Und das alles ohne chemische Pflanzenschutzmittel“, versichert Bothmann. Glyphosat ist für ihn kein Thema. „Das kann man auch rein biologisch hinkriegen“, sagt der „Rasenflüsterer“.

 Auf ihren Runden über den Platz gilt die Aufmerksamkeit der Greenkeeper nicht nur dem Rasen. Regelmäßig müssen die Bunker – künstliche, mit Sand gefüllte Hindernisse – geharkt werden. Verloren gegangene Bälle werden eingesammelt, liegengebliebene Schläger gesichert. Zwischendurch müssen die Geräte gewartet, die Messer der Mäher nachgeschliffen werden. Dabei hilft eine Teilzeitkraft in der Werkstatt. Und dann sind da noch die ganz normalen Hausmeistertätigkeiten im Klubhaus: Hier muss die Sicherung des Druckluftkompressors für die Reinigung der Golfschuhe ausgetauscht, da eine klemmende Spindtür gängig gemacht werden.

 Schauplatzwechsel – vom Platz ins Vereinsheim, ins Büro von Volker Kipp. Der Klub-Präsident beantwortet am Telefon gerade die Frage nach der Bespielbarkeit des Platzes – es hat in den vergangenen Wochen ein paar heftige Schauer gegeben. Bei der guten Pflege kein Problem. Ein Golfer schaut kurz herein: „Ich habe meinen Achter irgendwo liegen gelassen!“ Kipp kann helfen: Der verlorene Schläger findet sich unter den Fundstücken der vergangenen Tage, die Bothmann und seine Kollegen eingesammelt haben. „So kann man Mitglieder glücklich machen“, sagt Kipp lächelnd.

 570 sind es inzwischen, Tendenz weiter steigend. Damit steigt auch der Pflegeaufwand für den Platz, doch auch die Einnahmen des Klubs nehmen zu und sichern einen umfassenden Service. Und das bei durchaus erschwinglichen Mitgliedsbeiträgen, so Kipp, schließlich wird Golf hier als Breitensport und nicht als elitäre Freizeitbeschäftigung einiger Superreicher begriffen.

 Jetzt in der Saison sieht Kipp seine Hauptaufgabe in der „Feinabstimmung“, darin, einen reibungslosen Spielbetrieb zu ermöglichen, aber auch darin, „Schnuppergolfer“ zu betreuen oder Sponsoren zu finden. Und für jeden, der hereinschaut, ein nettes Wort zu haben.

 Die Weichen für eine erfolgreiche Saison wurden dagegen schon im Winter gestellt, als die Pläne für Spielbetrieb und Turniere aber auch für die Platzpflege aufgestellt wurden. Da wurden Dünger bestellt, das Budget auf Machbarkeit und Unwägbarkeiten abgeklopft.

 Langeweile kommt gar nicht erst auf. Und dann sagt auch Kipp: „Das Gras wächst immer, damit wird man nie fertig.“

Von Karsten Klaus

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