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Der Denkmalschutz gärtnert mit

Kurpark im Fokus Der Denkmalschutz gärtnert mit

„Wer offenen Auges im Kurschritt durch den Kurpark schlendert, sieht botanische Merkwürdigkeiten auf fast jedem Quadratmeter."

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Brandkrustenpilz: Bertram Meyer am Stumpf einer Winterlinde.

Quelle: kk

BAD EILSEN. Bad Eilsens bekannter Badearzt und Ehrenbürger Dr. Horst Merckens verstand es schon vor Jahrzehnten, Gäste und Einheimische für die Schönheit des Kurparks zu begeistern. Besonders der alte Baumbestand östlich der Aue trägt entscheidend zum besonderen Flair des Kurparks bei. Doch so viel von Menschenhand geschaffene Naturschönheit will auch gepflegt und erhalten werden. Ein Blick hinter die Kulissen.

Die Einmaligkeit des Kurparks hat auch die Denkmalschutzbehörde erkannt: Seit Jahren steht die Grünanlage unter Denkmalschutz. Das betrifft das Wegenetz mit seinem Alleenkreuz genauso wie den historischen Baumbestand. In der Praxis heißt das: „Wir versuchen, die Bäume durch pflegerische Maßnahmen so lange wie möglich am Leben zu erhalten“, sagt Bertram Meyer. Der Leiter des Bad Eilser Bauhofs und seine Kollegen haben deshalb ständig ein wachsames Auge auf die zum Teil mehr als 200 Jahre alten Baumriesen. Die sieben Vollzeitkräfte verbringen fast die Hälfte ihrer Arbeitszeit im Kurpark.

Auch Claudia Amelung ist regelmäßig im Kurort unterwegs. Der Rat der hannoverschen Baumsachverständigen ist zum Beispiel gefragt, wenn es um die Bekämpfung gefährlicher Pilzerkrankungen geht. So sind vor einiger Zeit einige Winterlinden an der Harrlallee der Motorsäge – oder treffender gesagt dem Brandkrustenpilz – zum Opfer gefallen.

Totholz wird entfernt

In diesem Jahr musste im Kurpark nach Meyers Angaben zum Glück noch kein Baum gefällt werden. Trotzdem ist an diesem Morgen im hinteren Teil des Landschaftsparks ein Hubsteiger ausgefahren worden. Aus Sicherheitsgründen ist der Bereich weiträumig abgesperrt. Auf der Arbeitsbühne in zwölf Meter Höhe hantiert einer von Meyers Kollegen mit der Motorsäge. „Wir entfernen heute Totholz“, erklärt Meyer. „Baumkosmetik“ sozusagen, nicht zuletzt um Unfälle durch herabstürzende Äste zu vermeiden. Solche Arbeiten übernehmen die Bauhofmitarbeiter in eigener Regie, einer ist auch als Baumkletterer ausgebildet.

Wenige Meter entfernt liegen unter einer alten Schwarznuss viele noch grüne Äste, die herausgeschnitten wurden. Doch der Eindruck täuscht: In sattem Grün leuchten die zahlreichen Misteln, die den Baum befallen hatten. Normalerweise „arrangiert“ sich der Schmarotzer mit seinem Wirt, doch manchmal ist zuviel eben zuviel.

Auf dem Arbeitsplan der Baumexperten stehen demnächst auch einige Linden am Hallenbad: Diese werden um vier Meter gekürzt. Aus der schon arg gerupften Krone einer Hängebuche ist vor Kurzem noch ein großer Ast herausgebrochen – sie wird wohl endgültig absterben und muss fallen, bevor sie zur Gefahr wird.

Meyer hat beobachtet, dass die klimatischen Veränderungen manchem Baum zu schaffen macht. Doch dieses Jahr habe mit viel Niederschlag im Frühling zumindest bei den Laubbäumen deutliche Entspannung gebracht – sie hätten bis zu 30 Prozent mehr Laubmasse entwickelt als üblich.

Rosarium erfordert einen besonderen Pflegeaufwand

Wenn es um das Wohlergehen alter Bäume geht, werden viele Menschen zu sensiblen Beobachtern. Doch andere Dinge werden einfach als Selbstverständlichkeit hingenommen: Dass zweimal in der Woche die Papierkörbe im Park geleert werden, würde wohl nur auffallen, wenn der Müll überquillt. Und dass die Wege keine Stolperfallen aufweisen, setzt regelmäßige Kontrollen und Unterhaltungsarbeiten voraus. Ein Kurpark ohne Ruhebänke? Undenkbar. Derzeit läuft ein Austauschprogramm, zehn neue werden jedes Jahr aufgestellt.

Besonderen Pflegeaufwand beansprucht das Rosarium. Fachgerechtes Zurückschneiden regt die Königin der Blumen zu neuer Blütenpracht an. Und wenn neue Stöcke gesetzt werden, gilt es, den Boden gleich mit auszutauschen – wegen der Nematodenbelastung. Während die Rosen viel Aufmerksamkeit einfordern, setzt man im übrigen Park eher auf pflegeleichte Beete. Stauden und Gräser haben dort die einjährigen Blütenpflanzen ersetzt, die entweder aufwendig in eigenen Glashäusern herangezogen oder aber teuer eingekauft werden müssen. Phlox und Lavendel statt Zinnien und Stiefmütterchen lautet das Motto. Schmetterlinge und Hummeln scheint das nicht zu stören: Diese bevölkern zurzeit in dichten Scharen die Blütenpracht.

Minigolfplatz und Musikmuschel benötigen Auffrischung

2004 hatte die Gemeinde Bad Eilsen zunächst Teile des Parks vom Rentenversicherungsträger übernommen, 2013 den gesamten Bereich. Gemeindedirektorin Svenja Edler nennt Zahlen: 155000 Euro Personalkosten, 38000 Euro Unterhaltungskosten und 10000 Euro für Geräte wollen Jahr für Jahr gestemmt werden. Und es gibt eine Reihe von Wünschen: Minigolfplatz und Musikmuschel hätten eine Auffrischung nötig.

Hinter den Kulissen muss sich die Gemeinde noch mit den Tücken des Verwaltungsrechts herumschlagen. Mitten im Park gebe es ein „herrenloses Grundstück“, berichtet Edler. Hintergrund: Die Gemeinde habe zwar den Park übernommen, nicht aber die hindurch führende Aue. Doch zuständig fühle sich dafür niemand – auch nicht die Landesliegenschaftsgesellschaft. Außerhalb des Kurparks sei nämlich das Land Eigentümer des Bachlaufs. Eine reine Formalie? Nicht unbedingt. Als jetzt Teile der Böschung erneuert werden mussten, ist die Gemeinde erst einmal auf den Kosten sitzen geblieben. Nach Lösungen wird noch gesucht….

Weiß man eine Oase der Ruhe wie den Kurpark noch zu schätzen, wenn man täglich darin arbeitet? Aber sicher – Bertram Meyer freut sich jeden Tag aufs Neue über seinen Arbeitsplatz. Lieblingsecken habe er keine, „jeder Bereich hat seinen Reiz“. Obwohl: „Wenn sich im Herbst das Laub des seltenen Eisenholzbaumes an der Tuffsteinquelle verfärbt, ist das schon ein besonderes Schauspiel.“ kk

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