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Erinnern an eine Jüdin, die Christin war

Stolpersteine in Bad Eilsen verlegt Erinnern an eine Jüdin, die Christin war

Als Ellen Hinrichsen 1922 den Arzt Karl Faber heiratet, nimmt sie mit dessen Nachnamen auch den christlichen Glauben an. Während der Nazizeit gibt es in Bad Eilsen keine Juden.

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Die Hausgehilfin (rechts) der Familie mit der Mutter Ellen Fabers.

Quelle: thm

Bad Eilsen. Es gibt Ellen Faber. Den Nazis gilt sie in deren barbarischer Lesart als Jüdin, weil sie jüdische Eltern hat. Das reicht, um sie nach Auschwitz zu schicken. Sie kommt nie wieder. Seit gestern erinnern zwei „Stolpersteine“ des Aktionskünstlers Gunter Demnig an Ellen Faber und an ihren Mann, den Badearzt Dr. Karl Faber, der vergeblich versucht hat, seine Liebste zu retten.

 Nicht auszudenken, was wohl aus Ellen Faber geworden wäre, wenn nicht der von Nazis dominierte Gemeinderat alles daran gesetzt hätte, die Familie Faber aus Bad Eilsen zu vertreiben. Fritz Winkelhake vom Heimat- und Kulturverein regt das damalige Geschehen noch heute auf: „Die meisten Juden aus Gemischtehen sind erst in den letzten Kriegsmonaten in das ,Vorzeigelager‘ Theresienstadt verlegt worden – die allermeisten haben überlebt.“

 Aus Berlin erreichte Karl Faber im Januar 1945 noch eine Postkarte mit Grüßen von Ellen und der Nachricht, die Fahrt solle weiter nach Osten führen. Wo genau Ellen Fabers Lebensweg endet, ist unbekannt, vermutlich in Auschwitz.

 Karl Faber starb voller Kummer und sehr krank 1951 im Rodenberger Krankenhaus. Von dessen Erben erwarb der Unternehmer Ulrich Dieckmann die Villa in den späten siebziger Jahren. Bei der Renovierung des Gebäudes wurde ein gemauerter Tresor entdeckt. Darin befanden sich außer Orden des hoch dekorierten Veteranen aus dem Ersten Weltkrieg auch Akten und Dokumente, die ursprünglich der Familie Faber gehört haben und von ihr vor unbefugtem Zugriff durch Einmauern verborgen wurden. Zu diesen Unterlagen gehören auch etliche Hetzbriefe, die der Familie von anderen Bürgern – auch aus Eilsen – zugesandt worden waren. Diese Zeugnisse der damaligen Zeit werden heute im Landesarchiv Niedersachsen verwahrt.

 Die Stolperstein-Aktion ist eine Idee des Kölner Künstlers Gunter Demnig (68). Er erinnert so an Opfer der NS-Zeit, indem er vor deren letzten selbst gewählten Wohnort Gedenktafeln – sie sehen aus wie Pflastersteine aus Messing – in den Gehweg einlässt. Solche Steine liegen heute in mehr als 1000 Orten Deutschlands und in vielen Ländern Europas. Vor wenigen Tagen erst hat Demnig seinen 50000. Stein verlegt – in Turin. thm

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