Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Erotik mit Spulwurm

Literarischer Abend Erotik mit Spulwurm

Der deutsche Schriftsteller Hanns-Heinz Ewers (1871-1943) hat im Mittelpunkt eines literarischen Abends gestanden, zu dem der Heimat- und Kulturverein Eilsen in das „Haus des Gastes“ eingeladen hatte. Als Referent fungierte der promovierte Philosoph Sven Broemsel (Berlin), der sich seinen Lebensunterhalt außer als Publizist sowie Herausgeber von Ewers’schen Erzählungen und Märchen auch als Schauspieler und Gaukler verdient.

Voriger Artikel
Pächter gesucht
Nächster Artikel
„Das ist eine Gefährdung“

Nach der Lesung unterhält Sven Broemsel sein Publikum noch mit einer Fackel-Jonglage.

Quelle: wk

BAD EILSEN. In gewisser Weise so wie Ewers seinerzeit, der sich nicht nur dem Schreiben von Romanen, Reiseberichten und lyrischen Werken hingegeben hatte, sondern ebenfalls als Gaukler (und Kabarettist) durch die Lande gezogen war. Obwohl als Schriftsteller sehr erfolgreich, sei Ewers damals „von der sogenannten Hochkultur“, zu der etwa der Literat Kurt Tucholsky gezählt habe, „immer verspottet“ worden, berichtete Broemsel. Was aber eben auch dem „maßlosen Erfolg“ Ewers‘ geschuldet gewesen sei. Sprich: Neid spielte dabei eine große Rolle.

„Alraune“ bislang in 23 Sprachen übersetzt

So habe sich der von Ewers verfasste Roman „Alraune“ allein in Deutschland rund eine halbe Million mal verkauft – „nur zu dessen Lebzeiten“, so der Referent. Bis heute seien von diesem Roman hierzulande circa zwei Millionen Exemplare über den Tresen gegangen. Überdies sei der Roman „Alraune“ bislang in 23 Sprachen übersetzt, fünfmal verfilmt und viele Male als Theaterstück aufgeführt worden. Betrachtet man das Gesamtwerk, dann fasziniert Ewers als Autor laut Broemsel dadurch, dass dieser in den Romanen und Erzählungen „das Entgrenzte mit der Realität verbindet“. Dabei reiche die Bandbreite der Lyrik „von feinsinnig-elegisch bis frech-derb-sinnlich“.

Bei seiner Lesung in Bad Eilsen präsentierte der Rezitator unter anderem die Gedichte „Andalusisch“ (poetisch), „Am Morgen“ (erotisch) und „Der Spulwurm“. Insbesondere Letzteres sorgte gerade wegen des derb-deftigen Textes, der von einem Darmparasiten und dessen menschlicher Wirtin („Prachtpopo“) handelt, für schallendes Lachen im Raum.

Bücher wurden verbrannt

Über Ewers berichtete Broemsel noch, dass sich dieser seinerzeit bewusst den Nationalsozialisten angebiedert habe, weil sich Ewers als „deutsch-national“ – „heute würde man auch sagen: national-konservativ“ – gesehen habe. Allerdings sei dies noch vor der Machtergreifung Adolf Hitlers gewesen. Da sich Ewers dann jedoch von den Nazis losgesagt und diese als „Pack und Dreck“ bezeichnet habe, seien 1933 auch dessen Bücher verbrannt worden. Zudem sei der Autor mit einem Schreib- und Veröffentlichungsverbot belegt worden. Später habe Ewers sich sogar zeitweise vor den Nazis verstecken müssen.

In diesem Zusammenhang hob Broemsel hervor, dass Ewers kein Antisemit war, sondern ein Leben lang jüdische Freunde gehabt und vielen Juden in Berlin zur Immigration verholfen habe.

Von Friedrich Winkelhake, dem Vorsitzenden des Heimat- und Kulturvereins Eilsen, war überdies zu erfahren, dass sich Ewers in den dreißiger Jahren im Sommer oftmals als Gast im Bad Eilser „Fürstenhof“ einquartiert hatte. Viele seiner Schriften würden daher inhaltlich diesen Kurort „berühren“. So habe Ewers beispielsweise „Spukgeschichten aus Ahnsen“ geschrieben.

Und in Bad Eilsen hatte der Erfolgsautor damals gemeinsam mit Kindern aus der Oberschicht, so Winkelhakes Recherchen, einen „Regenwurm-Club“ gegründet, in dem nur Mitglied sein konnte, wer einen lebendigen Regenwurm isst.

Im Anschluss an den literarischen Teil schlüpfte Broemsel in sein Alias, indem er – entsprechend kostümiert – den „Gaukler Wimsal“ spielte. Dabei trieb er ein bisschen Schabernack mit den Besuchern und zeigte auf der Terrasse des „Haus des Gastes“ eine Jonglagedarbietung mit vier brennenden Fackeln. Ob Ewers seinerzeit auch solche Künste gezeigt hatte, blieb indes offen. wk

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Eine gute Tradition findet regelmäßig ihre Fortsetzung – die „Aktion Weihnachtshilfe“. In der Vorweihnachtszeit rufen die Schaumburger Nachrichten unter dem Motto „Schaumburger helfen Schaumburgern“ jedes Jahr zu Spenden für bedürftige Menschen im Landkreis auf. mehr

Schaumburg