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Faszinierender Blick in den Berg

Bad Eilsen / Heimat- und Kulturverein Faszinierender Blick in den Berg

Bad Eilsen. Ein erfolgreiches Jahr wirkt motivierend. Das gilt auch für den Vorstand des Eilser Heimat- und Kulturvereins. 2009 konnte er wieder zahlreiche Nischen besetzen und seinen Teil zur Vielfalt des kulturellen und heimathistorischen Angebotes in der Samtgemeinde beitragen. Im neuen Jahr will er ein besonderes Projekt anpacken.

Der Vorsitzende Friedrich Winkelhake nimmt den seit annähernd 600 Jahren bestehenden Bergbau im Schaumburger Land zum Anlass, um sich mit Stollen zu befassen, in denen während des Zweiten Weltkrieges aber keineswegs nur Kohlen abgebaut wurden. In Ahnsen zum Beispiel gab es unter der Erde mehrere Räume, in denen auf Befehl von Hermann Göring ein Konstruktionsbereich der Focke-Wulf-Werke untergebracht war. Der Flugzeugbauer befasste sich im beschlagnahmten Kurort unter anderem mit der Entwicklung neuer Jagdflugzeuge. In einem ausgemauerten Saal befanden sich im Harrl-Stollen zu diesem Zweck Großkopierer.

Der Heimat- und Kulturverein möchte deshalb diesen Stollen für Besucher zugänglich machen und sie dort über die wechselvolle Geschichte und Nutzung informieren. Experten des Kohlenbergbaues aus dem Schaumburger Land würden bei der Zusammenstellung der Historie helfen, soweit es den Abbau der „schwarzen Diamanten“ betrifft, die anfänglich im Bereich des Bückeberges sogar über Tage oder nur wenige Meter darunter gewonnen werden konnten.

Nicht verschwiegen werden soll, dass in unterirdischen Anlagen in Kleinenbremen und an der Porta Kriegsgefangene und Häftlinge, darunter rund 1000 jüdischen Frauen, zur Munitionsherstellung und für andere kriegswichtige Produktionen zusammengezogen worden sind. Dort befand sich auch eine Außenstelle des Konzentrationslagers Neuengamme.

Friedrich Winkelhake: „Unter dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal wurde in vier Stockwerken gearbeitet und unter dem Fernsehturm sogar in sieben unter einander liegenden Stollen. Es gab sogar eine unterirdische Raffinerie, in der Spezialöle für Flugzeuge hergestellt wurden.“

Der Kulturvereinschef verfügt über zahlreiche Bilder, Zeichnungen, Karten und Presseberichte, die das dokumentieren. Sie sollen in eine Ausstellung integriert werden, die man nach Möglichkeit in einem eigens dafür herzurichtenden Raum neben dem Stolleneingang in Ahnsen zeigen möchte. Der müsste allerdings erst noch geschaffen werden. Unter der Erde ist es nämlich deutlich zu feucht. Möchte man den Stollen für Besichtigungen und Führungen wenigstens teilweise dauerhaft zugänglich machen, müssten Schlamm und Wasser beseitigt werden.

Die Unterstützung der heimischen Bergbau-Experten benötigt der Heimat- und Kulturverein für den Teil der geplanten Ausstellung, der sich ausschließlich mit der Kohlegewinnung im Schaumburger Land befassen soll. Gezeigt werden sollen auch die Gerätschaften, die unter der Erde zum Einsatz kamen. Schienen für die Loren sind noch vorhanden.

Dabei käme viel Arbeit auf den Verein zu, sollte die Planung in die Tat umgesetzt werden. Doch ohne finanzielle Förderung wird sich nur wenig realisieren lassen. Aber der Gedanke daran, dass dort gleich mehrere Kapitel Heimatgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart dargestellt werden könnten, ist faszinierend. sig

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