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Bad Eilsen Für ein friedliches Miteinander
Schaumburg Eilsen Bad Eilsen Für ein friedliches Miteinander
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00:18 23.09.2017
Sie leiten gemeinsam die Jüdische Gemeinde in Schaumburg: Marina Jalowaja (links) und Ludmilla Nekrassova. Quelle: sig
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Bad Eilsen

Zwischen dem kleinen Staat im Nahen Osten und dem Schaumburger Land bestanden in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg besondere Beziehungen durch Friedrich Winkelhake. Dieser richtete als Vorsitzender des Kreisjugendringes und als Chef des Christlichen Vereins junger Menschen (CVJM) in Bad Eilsen zahlreiche Fahrten nach Israel aus. Natürlich gab es dann auch Gegenbesuche. In Bückeburg bestand eine solche Partnerschaft zwischen dem VfL und einer israelischen Basketballmannschaft aus Tel Aviv.

Das Bemühen um die Aussöhnung mit diesem geschundenen Volk hat den Bad Eilser Pädagogen nie losgelassen. Und es hat den Anschein, dass er mit dem jüngsten Treffen in der Gemeinde der Christuskirche einen neuen Anstoß gegeben hat. Etliche Teilnehmer bekundeten nämlich prompt ihr Interesse an einem gemeinsamen Besuch von Israel.

Austausch im Zeichen der Versöhnung

Ganz im Zeichen der Versöhnung stand auch der Festgottesdienst, der dem Zusammensein vorausging. Er erinnerte an den ersten Austausch zwischen Bad Eilsen und Israel vor 50 Jahren im Schaumburger Land zum Zeitpunkt des jüdischen Neujahrsfestes. Juden in aller Welt feiern dieses Ereignis immer erst im siebten Monat eines Jahres. Die Kollekte war diesmal für den Eine-Welt-Laden in Stadthagen bestimmt.

Nach dem gemeinsamen Mittagsmahl scheute sich Winkelhake bei der Zusammenkunft im Gemeindesaal nicht, auch seine Sorgen wegen der religiösen Fanatiker anzusprechen, die es in Israel gibt. Der heutige Staat stehe konträr zu dem, was Judentum eigentlich ausmache. Er erinnerte an das Wirken des CVJM in Bad Eilsen und dessen Bemühen, neue menschenwürdige Beziehungen zu dem Volk aufzubauen, dem durch das NS-Regime so großes Leid zugefügt worden ist. Zudem betonte er die Notwendigkeit und die moralische Verantwortung, den Antisemitismus zu bekämpfen sowie sich dem Wirken von Neonazis entgegenzustellen. Auf diesem Feld erwartet er auch von der eigenen Kirche einen verstärkten Einsatz. Der inzwischen über 80-Jährige ist ein unermüdlicher Mahner an die Mitverantwortung aller Menschen für ein besseres und friedlicheres Miteinander.

Widerstand gegen Rechtsextremismus

Dafür setzen sich auch die beiden Frauen ein, die an der Spitze der Jüdischen Gemeinde in Schaumburg stehen. Die Vorsitzende Marina Jalowaja und deren Stellvertreterin Ludmilla Nekrassova kamen vor mehr als einem Jahrzehnt aus Russland ins Schaumburger Land. Hier übernahmen sie die Leitung der zunächst in Bückeburg und Bad Nenndorf entstehenden jüdischen Gemeinschaften. Daraus erwuchs eine kreisweit tätige Vereinigung, die sich nicht nur um den Zusammenhalt ihrer Mitglieder bemüht, sondern auch um den Widerstand gegen Rechtsextremimus. Als Beispiel nannten sie ihren Kampf gegen die Absicht der Neonazis, Bad Nenndorf zu einer Art Wallfahrtsort für die „unverbesserlichen braunen Gestalten“ zu machen. Es sei auch ihrem Einsatz zu verdanken, dass dieser Plan bisher nicht verwirklicht werden konnte.

Jüdisches Leben in Schaumburg heute

Die beiden Frauen berichteten aus ihrem kirchlichen Leben und über das Bewahren ihrer traditionellen Feste und Feiertage. Ausgiebig gingen sie auf diese Ereignisse und die Art ein, wie die im Schaumburger Land lebenden Juden sie gemeinsam begehen.

Dabei spielen unter anderem auch Musik und Tanz sowie das Angebot von Früchten und Gemüse eine Rolle. Ihre Ausführungen wurden ergänzt von den musikalischen Darbietungen des Pianisten Moritz Brauer und des Klarinettisten Sven Schnee, dem Dirigenten des Blasorchesters „Bückeburger Jäger“. Zum Abschluss spielten sie die israelische Nationalhymne, mit der die Veranstaltung ausklang. sig

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