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„Gefahren wie ein Henker“

Drängler vor Gericht „Gefahren wie ein Henker“

Wer Arbeitslosengeld II bekommt, kann keine großen Sprünge machen. Fast jede Ausgabe muss auf den Prüfstand. Am Auto hat ein Hartz-IV-Empfänger aus dem Rheinland nicht gespart. Er fuhr einen Luxuswagen. Motorleistung: bis zu 580 PS, mindestens aber 450 – je nach Modellreihe. Aus einer Anklage gegen ihn geht das nicht genau hervor.

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Quelle: Symbolfoto

Eilsen/Bückeburg. Fest steht: Besonnenheit gilt als erste Bürgerpflicht am Steuer eines solchen Fahrzeugs. Besonnen ist der 43-Jährige jedoch eher nicht. Gleich zweimal hatte er im Mai vergangenen Jahres auf der Autobahn 2 im Bereich der Samtgemeinde Eilsen andere Autofahrer bedrängt. Im Gespräch mit Polizisten, die ihn daraufhin aus dem Verkehr zogen, beschimpfte er die Opfer auch noch.

Nötigung und Beleidigung

Wegen zweifacher Nötigung sowie Beleidigung in Tateinheit mit Verleumdung hat das Bückeburger Amtsgericht gegen den Verkehrsrambo jetzt eine Geldstrafe von 3600 Euro verhängt, was in diesem Fall 120 Tagessätzen entspricht. Der Angeklagte sei „gefahren wie ein Henker“ und „charakterlich ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen“, stellte Richter Dirk von Behren fest. Deshalb kommt eine weitere Führerscheinsperre hinzu, diesmal drei Monate. Insgesamt wäre der Rheinländer den „Lappen“ damit 14 Monate los.

Gegen den 43-Jährigen sprechen mehr als ein Dutzend Vorstrafen, darunter mehrere einschlägige Taten. Vor einer Freiheitsstrafe bewahrte den Angeklagten nur ein Geständnis. „Sonst hätten Ihre Kinder Sie im Knast besuchen können“, machte Staatsanwalt Nils-Holger Dreißig dem Familienvater klar.

Wagen ausgebremst

„Was Sie gemacht haben, braucht auf der Autobahn kein Mensch.“ Eines dieser Kinder, eine fünfjährige Tochter, saß dabei mit im Auto – außerdem die Lebensgefährtin des Rasers sowie ein Kumpel, der inzwischen im Gefängnis sitzt. Zunächst fuhr der 43-Jährige so dicht auf ein anderes Auto auf, das mit Tempo 130 unterwegs war, dass dessen Fahrer das Kennzeichen im Rückspiegel nicht mehr erkennen konnte. Danach zog er rechts vorbei und setzte sich vor den Wagen, um diesen auszubremsen.

Kurze Zeit später wiederholte er das Spiel bei einem anderen Auto. In diesem Fall notierte sich das Opfer jedoch das Kennzeichen des Dränglers und rief die Polizei an. Im anschließenden Gespräch mit Polizisten schrie der Rheinländer: „Diese Ossis haben mich schon den ganzen Tag behindert.“ Gemeint waren Autofahrer aus Ostdeutschland, nicht die Beamten.

"Ich habe einen Fehler gemacht"

Vor Gericht entschuldigte sich der Angeklagte, der mittlerweile einen Job hat, bei seinen Opfern. „Ich habe einen Fehler gemacht, ich bin ein Mensch“, erklärte er, verbunden mit dem Versprechen: „Es wird nie wieder vorkommen.“

Eingestellt worden war ein Verfahren wegen Volksverhetzung. Der 43-Jährige soll nämlich zudem gesagt haben, dass man „so was wie die“ früher „verbrannt“ hätte. Angesichts der Strafe, die ihn erwartet, wäre eine zusätzliche Verurteilung in diesem Punkt der Anklage kaum ins Gewicht gefallen. ly

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