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Bad Eilsen Hofmeister-Promenade wird umbenannt
Schaumburg Eilsen Bad Eilsen Hofmeister-Promenade wird umbenannt
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17:10 02.10.2017
„Promenade“ ohne Hofmeister: Der Rat stimmte knapp für eine Umbenennung. Quelle: wk
BAD EILSEN

Grund hierfür ist die unrühmliche Vergangenheit des früheren CDU-Bürgermeisters Heinrich Hofmeister, dem die kleine Flaniermeile seit den siebziger Jahren gewidmet ist. Der Lokalpolitiker hatte sich nämlich nicht nur Kraft seines Amtes um den Kurort Bad Eilsen verdient gemacht, sondern war während des Dritten Reiches Mitglied der NSDAP gewesen. Zudem hatte Hofmeister schon vor der Machtergreifung Adolf Hitlers eine antisemitische Haltung an den Tag gelegt, indem er als Hotelier seine eigenen Gästehäuser als „Judenreine Häuser!“ beworben hatte.

 Ins Rollen gebracht worden war die dem Ratsbeschluss vorausgegangene, intensive Debatte über dieses Thema wie berichtet von Horst Honebein, der vor einiger Zeit auf eben diese Zwiespältigkeit in der Person Hofmeisters hingewiesen hatte.

 Das Thema „Heinrich-Hofmeister-Promenade“ habe man seit fast zwei Jahren auf dem Tisch, nachdem Honebein die Bad Eilser CDU auf dieses Problem aufmerksam gemacht habe, sagte Rolf Prasuhn, erster Stellvertretender Bürgermeister und Vorsitzender des CDU-Stadtverbands Eilsen, bei der Gemeinderatssitzung. Seitdem seien mit der SPD mehrere gemeinsame Fraktionssitzungen abgehalten worden, bei denen man hierüber diskutiert habe.

 Außerdem sei eine öffentliche Versammlung ausgerichtet worden, im Rahmen derer Friedrich Winkelhake (Vorsitzender des örtlichen Heimat- und Kulturvereins) Hofmeister sehr differenziert dargestellt habe. In Abwägung des Für und Wider schlug Prasuhn vor, ein deutlich sichtbares Schild an der „Heinrich-Hofmeister-Promenade“ aufzustellen, mittels dem sowohl über die Nazi-Vergangenheit Hofmeisters als auch über dessen Verdienste als Bürgermeister informiert wird.

 „Die Verdienste von Heinrich Hofmeister sind nicht zu bestreiten, aber kein Grund, den Namen beizubehalten“, erwiderte Hans-Jürgen Winkelhake, zweiter stellvertretender Bürgermeister (SPD). Ohnehin sei die SPD von Anfang an dagegen gewesen, die „Promenade“ in „Heinrich-Hofmeister-Promenade“ umzubenennen, unterstrich Winkelhake. Dies könne man in einem Sitzungsprotokoll aus den Siebziegern nachlesen.

 „Ich habe was gegen Nazis“, betonte Ratsmitglied Willi Dreves (CDU). Die Darstellung Hofmeisters durch Winkelhake habe ihn jedoch dergestalt „nachdenklich gemacht“, dass er „wohl glauben“ wolle, dass sich Hofmeister später geändert habe. Daher sei er, Dreves, bereit, Hofmeister zu verzeihen. Und überhaupt: „Ich meine, die Verdienste sind vielleicht doch größer als seine Nachteile.“

 Hofmeister habe die „NS-Zeit zu seinen Gunsten sehr stark genutzt“, konterte Winkelhake. Und was dieser damals sonst noch gemacht habe, wisse man nicht. Er selbst nehme Hofmeister jedenfalls nicht ab, dass er geläutert worden sei. Im Gegenteil: „Ich sehe das als reinen Opportunismus!“

 Das CDU-Ratsmitglied Michael Schroeteler meinte daraufhin, dass das von der CDU-Ratsfraktion vorgeschlagene Info-Schild auch eine Art „Stolperstein“ wäre, der einen Anlass böte, „über Geschichte zu sprechen“. Nach dieser kontrovers geführten Diskussion folgten gleich zwei Abstimmungen im Rat.

 Bei der ersten ging es um den Antrag der Christdemokraten, der „Heinrich-Hofmeister-Promenade“ ihren Namen zu lassen und dort das die Person Heinrich Hofmeister erläuternde Zusatzschild auszustellen. Sechs Ja-Stimmen der CDU standen sieben Nein-Stimmen der SPD gegenüber, womit dieser Antrag abgelehnt war.

 Bei der zweiten Abstimmung ging es allein um die Umbenennung der „Heinrich-Hofmeister-Promenade“. Erwartungsgemäß votierten die Sozialdemokraten mit ihrer Einstimmenmehrheit dafür, der Straße wieder ihren alten Namen „Promenade“ zu geben.