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„Ich habe gekämpft, es ging um die Existenz“

Bad Eilsen / Eiscafé „Ich habe gekämpft, es ging um die Existenz“

Fast bis zur letzten Sekunde steht die Sache für Sebastiano Scala auf des Messers Schneide. Dann, nach einem bis zum Schluss offenen Bieterduell, verkündet Rechtspflegerin Katja Raschke das Ende der 30-minütigen Zwangsversteigerung – und den Zuschlag für den Pächter des Eiscafés „Alte Post“. Der 47-Jährige, in Neapel geboren, hatte sich in Saal 3033 der Bückeburger Herminenstraße mit seinem letzten Gebot von 85 500 Euro gegen eine Mitbewerberin aus Bielefeld durchgesetzt. Insgesamt 13 Mal hatten die Konkurrenten nachgelegt.

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Pächter Sebastiano Scala, hier mit Tochter Denise (15), hat das Eiscafé „Alte Post“ ersteigert.

Quelle: tw

Bad Eilsen/Bückeburg (tw). „Ich habe heute richtig gekämpft. Am Ende liefen mir fast die Tränen runter, denn meine Existenz hängt an dem Eiscafé“, sagt Scala nach dem Erfolg vorm Zwangsversteigerungsgericht gegenüber dieser Zeitung. Der Pächter: „Jetzt werde ich in Bad Eilsen weiter Eis verkaufen – und zwar bis zu meiner Rente. Denn hier fühle ich mich wohl.“

„Eismann“ in Eilsen ist Scala bereits seit elf Jahren; ab 1999 zuerst an der Friedrichstraße, seit 2003 dann in der „Alten Post“, Bückeburger Straße 7. „Meine verstorbene Frau und ich hatten drei Standorte zur Auswahl – wir haben uns ganz bewusst für Bad Eilsen entschieden, weil es hier sehr ruhig ist.“ Darum, das große Geld zu verdienen, sei es ihnen ohnehin nicht gegangen. „Wir wollten nur unsere zwei Kinder vernünftig großziehen und ein normales Leben führen“, so Scala. Die Sparkasse Schaumburg habe ihm den Einstieg an der Bückeburger Straße weiland voll finanziert – und ihm auch jetzt das Geld für den Erwerb der Immobilie vorgestreckt.

Errichtet wurde das Gebäude 1967; dabei wurde es zum Teil um respektive auf eine um die Jahrhundertwende angelegte Garage gebaut. Der Umbau der Post zur Eisdiele, die eine Nutzfläche von 140 Quadratmetern hat, erfolgte 2002. „Ich habe meine Pacht immer bezahlt“, sagt Scala, der das Eiscafé jetzt gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin und seiner Tochter Giovanna (15) führt. Dass am 24. Juni 2010 ein erster Versteigerungsvermerk eingetragen wurde, geht somit nicht auf das „Konto“ des gelernten Hotelfachmanns.

Bis dato letzter Eigentümer des Objekts war Sven Hagemann aus Hannover. Ein Gutachten gibt den Verkehrswert des 1754 Quadratmeter großen Objekts mit 94 000 Euro an. Die Zwangsversteigerung kommt auf Antrag der Sparkasse Schaumburg zustande. Es geht um über 280 000 Euro Grundschuld zuzüglich 18 Prozent Zinsen, die seit 1. Januar 2007 angefallen sind.

Knapp 20 Minuten lässt sich die junge Frau aus Bielefeld im Gerichtssaal Zeit, ehe sie um 10.57 Uhr ein erstes Gebot für das Eiscafé abgibt: 50 000 Euro. Die Sicherheitsleistung ist bereits durch Überweisung auf das Gerichtskonto erfolgt. Von da an geht’s fast im Minutentakt höher. Scala steigt mit 66 000 Euro ein, die Bielefelderin erhöht prompt auf 70 000. 71 000 Euro sagt der Pächter, 75 000 die Bielefelderin. Daraufhin bietet Scala 76 000 Euro; seine Mitbewerberin legt noch mal 1000 Euro drauf. „79 000 Euro“, kontert der Pächter, „80 000“, die junge Frau. Scala erhöht auf 81 000 Euro, die Bielefelderin auf 82 000.

Inzwischen ist das Ende der Bietzeit nahe. Als die Rechtspflegerin letztmalig zur Abgabe von Geboten auffordert, hat der Pächter mit 82 500 Euro die Nase vorn. Seine Konkurrentin verlässt den Saal, will sich besprechen. Die Situation droht chaotisch zu werden, die Rechtspflegerin wird energisch: „Sie sollten jetzt wirklich reinkommen – sonst verkünde ich den Schluss.“ Im vorletzten Moment wirft die Bielefelderin ein Gebot von 85 000 Euro in den Raum, im Letzten sagt Scala „85 500“ – und hat um 11.11 Uhr den Zuschlag.

„Ich freue mich sehr, dass die Eisdiele in Bad Eilsen erhalten bleibt“, erklärt Christel Bergmann unmittelbar nach dem Gerichtstermin. Wie etwa ein Dutzend andere Zuschauer auch, hat die Bad Eilser Bürgermeisterin das Bieterduell von den Zuschauerreihen verfolgt. Bergmann: „Herr Scala ist sehr fleißig und im Badeort sehr beliebt.“

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