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Kurort erlebt die „schrillste Nacht des Jahres“

Bad Eilsen / Travestieshow Kurort erlebt die „schrillste Nacht des Jahres“

Wenn man der französischen Herkunft des Wortes Travestie nachgeht, dann hat das eigentlich nur etwas mit Verkleiden zu tun. Nicht mehr und nicht weniger. Das gehört nun einmal zum Geschäft der Schauspieler – und diese beherrschten einst ohne weibliche Konkurrenz die Bühnen. Vielleicht ist deshalb die heutige Form der Travestie nichts anderes als eine Renaissance antiker Normalität.

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Tiefe Männerstimmen überzeugen.

Quelle: sig

Bad Eilsen (sig). Demnach könnte man/Mann sich das angestrengte Rätselraten sparen, ob sich vielleicht noch doch eine Frau unter den glitzernden, engen oder auch wallenden Röcken verbirgt. Die Kunst der Transvestiten besteht nämlich zu einem nicht unwesentlichen Teil darin, zumindest vom Kopf bis zum Busen so viel Weiblichkeit wie möglich vorzutäuschen. Dazu gehört zum Beispiel, aufreizende Hüftschwünge zu machen, eine feminine Stimme nachzuahmen, mit dem Kunststoffbusen viel „Holz vor der Hütte“ vorzugaukeln und sich auch sicher in Stöckelschuhen zu bewegen.

Das sind die Eilser vom „Transenstadel“ des „Fräuleins“ Luise gewöhnt, der am Sonnabend einen weiteren Auftritt im Kursaal hatte. Aber diese vorgetäuschten Damen beherrschen doch einiges mehr: Dampfplaudern können nahezu alle, eindeutige und zuweilen sogar recht deftige Aussagen sowie rhetorische Griffe unter die Gürtellinie sind ihnen alles andere als fremd, und einige von ihnen können sogar wirklich singen. So eine kräftige Männerstimme, unterstützt von einer guten Übertragungsanlage und von einem fachmännisch getimten und geregelten Sound – das kann die Frauen schon von den Sitzen holen.

Die musikalische Auswahl – das muss man „Luises Transenstadel“ lassen – ist nicht von schlechten Eltern. Da sind zündende Melodien und Hits, die zum Mitsingen, Summen und auch Schunkeln einladen. So artikuliert sich der „Zauber der Travestie“ auf einem wirklich vorzeigbaren Niveau. Die Titel „Lass die Sonne in dein Herz“, „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ von Rudi Carrel und Udo Jürgens Musical-Leitmelodie „Ich war noch niemals in New York“ machen selbst müde Männer munter.

Ansonsten sollten die Männer bei diesen Gastspielen keine Betroffenheit zeigen. Sie kommen in der „schrillsten Nacht des Jahres“ naturgemäß schlecht weg. Sehr zur Freude der überwiegend weiblichen Zuschauer stellt man sie häufig so dar, als seien sie von Lüsternheit geprägte Wesen, die immer nur schnell „zur Sache kommen wollen“ und keine Ahnung haben von dem, „was sich Frauen so insgeheim wünschen“.

„Wissen Sie eigentlich, wann für die Frauen die schönste Zeit des Lebens beginnt?“, fragte ein Transvestit. Es folgte die nicht mehr so ganz unbekannte Antwort: „Wenn der Mann tot ist und die Kinder aus dem Haus sind.“ Wenn Männer den „Transenstadel“ in der ersten Reihe genießen wollten, wurden sie als „pervers“ abgestempelt, obwohl das doch viel eher mit Leichtsinn zu tun hat. Die „unversehrte Jungfrau“ Luise sucht sich da nämlich gern ihre Opfer, die nicht immer so ganz ungeschoren davonkommen.

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