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Bad Eilsen Lärm am Rehazentrum: Tempo 30 eine Lösung?
Schaumburg Eilsen Bad Eilsen Lärm am Rehazentrum: Tempo 30 eine Lösung?
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00:20 29.09.2018
Von der Bückeburger Straße geht auch bei Nacht störender Lärm für viele Patienten aus. Quelle: wk
Bad Eilsen

Das überaus warme Wetter der vergangenen Sommermonate hat ein Problem aufkochen lassen, mit dem sich das Rehazentrum Bad Eilsen schon seit Langem konfrontiert sieht: den von der Bückeburger Straße ausgehenden Verkehrslärm.

Beschwerden häufen sich

Betroffen sind davon jene Kurgäste, die in den zur Durchgangsstraße hin gelegenen Patientenzimmern des „Brunnenhofes“ und des „Quellenhofes“ untergebracht sind. Beide Gebäude gehören zum Rehazentrum.

In diesem Sommer sei es häufiger vorgekommen, dass sich Patienten über den Straßenlärm beschwert haben, sagt Uwe Polnau, der Ärztliche Direktor des Rehazentrums.

Denn wegen der sehr warmen Witterung hätten die Kurgäste umso mehr das verständliche Bedürfnis gehabt, bei offenem Fenster zu schlafen, wodurch sie die Geräuschkulisse aber umso stärker wahrgenommen hätten. Als störend empfunden werde der Verkehrslärm insbesondere von Menschen, die privat in einer ruhigen Wohngegend leben; weniger dagegen von Menschen, die aus einer Stadt kommen.

Wobei das Problem nicht nur auf die warme Jahreszeit begrenzt sei, da mitunter auch in den kälteren Monaten bei offenem Fenster geschlafen werde.

"Mit Tempo 30 könnte man was erreichen"

Für das Rehazentrum Bad Eilsen stellt sich laut Polnau daher die Frage, ob sich der die Patienten nervende Straßenlärm durch verkehrsberuhigende Maßnahmen mindern lässt – so etwa durch eine Reduzierung der auf der Bückeburger Straße für Kraftfahrzeuge erlaubten Höchstgeschwindigkeit.

Dies auch in Anbetracht dessen, dass auf dieser Ortsdurchfahrt, auf der derzeit ein Tempolimit von 50 Stundenkilometern gilt, infolge des in Vehlen eröffneten neuen Klinikums ein erhöhtes Verkehrsaufkommen zu verzeichnen sei.

„Ich glaube schon, dass man mit Tempo 30 etwas erreichen könnte“, konkretisiert Polnau, der hier einen entsprechenden Handlungsbedarf sieht. Denn: „Jeder, der zur Reha fährt, hat ja auch einen gewissen Anspruch“, erklärt er. Und dazu gehöre auch, dass man zur Ruhe kommt und gut schlafen kann.

Verkehrslärm soll gemessen werden

Ergänzend merkt der Ärztliche Direktor an, dass man seitens des Rehazentrums bei der Zuordnung der Patientenzimmer schon darauf achte, Kurgäste, die bereits psychisch belastet sind, nicht in den zur Bückeburger Straße hin gelegenen Zimmern einzuquartieren.

Gegebenenfalls versuche man, Zimmer zu tauschen, wenn sich Rehapatienten über den Straßenlärm beklagen. „Aber das können wir nicht in der Breite machen“, so Polnau.

Um sich hinsichtlich der Quantifizierung des Verkehrslärms nicht nur im Ungefähren zu bewegen, werden im „Brunnenhof“ und im „Quellenhof“ demnächst Lärmemissionsmessungen durchgeführt, berichtet Elke Unland, Verwaltungsleiterin des Rehazentrums Bad Eilsen.

Angedacht sei, den Straßenlärm im Verlauf von 24 Stunden sowohl bei offenen als auch bei geschlossenen Fenstern zu messen.

Schallschutzfenster helfen nur bedingt

Abhängig von den Ergebnissen müsse man dann überlegen, ob es erforderlich ist, im „Brunnenhof“ spezielle Schallschutzfenster einbauen zu lassen. In der Planung sei eine derartige Investition bislang allerdings nicht.

Dazu ergänzt Dietmar Rösener, Technischer Leiter des Rehazentrums, dass im „Quellenhof“ bereits im Jahr 2007 Schallschutzfenster eingebaut worden sind: zur Straße hin solche der Schallschutzklasse 5 („zweithöchste Schallschutzklasse“), zum Innenhof hin Fenster der Schallschutzklasse 2. Allerdings nutzen diese Fenster nur dann etwas, wenn sie von den Kurgästen geschlossen gehalten werden.

von Michael Werk

Bürgermeisterin fordert verstärkte Verkehrskontrollen

Die vom Rehazentrum Bad Eilsen geschilderte Lärmproblematik kann Christel Bergmann, Bürgermeisterin des Kurortes, gut nachvollziehen: Der Straßenverkehr auf der Bückeburger Straße und damit auch der Verkehrslärm habe in der Tat zugenommen – „vor allem zu den Stoßzeiten“, sagt sie.

Außerdem werde die Durchgangsstraße mehr als früher von Lastwagen genutzt, deren Fahrer sich mitunter nicht an die für sie geltende Beschränkung halten: Nur in der Zeit von 7 bis 13 Uhr und von 15 bis 19 Uhr ist Lkw-Anliegerverkehr erlaubt. Und ebenfalls mehr geworden sei – bedingt durch das neue Klinikum in Vehlen – die Anzahl an Rettungswagen, die mit eingeschaltetem Martinshorn unterwegs sind.

Schlechte Chancen für Tempo 30

Die Chance, dass die Bückeburger Straße zu einer Tempo-30-Zone erklärt wird, hält Bergmann allerdings für äußerst gering, da es sich bei dieser Ortsdurchfahrt nicht um eine Gemeindestraße, sondern um eine Landesstraße handelt. Dabei sei es aber auch fraglich, ob solch eine Geschwindigkeitsreduzierung tatsächlich zu einer Minderung des Straßenlärms führen würde.

Erfolgversprechender wäre ihrer Meinung nach eine stärkere Überwachung des fließenden Verkehrs durch die Polizei, insbesondere mit dem Fokus auf Lastwagen. Darüber hinaus müsse man wohl mal das Gespräch mit dem Klinikum Schaumburg beziehungsweise den Rettungsdiensten suchen, um zu klären, ob es wirklich so oft (vor allem nachts) erforderlich sei, dass die Rettungswagen mit eingeschaltetem Martinshorn statt lediglich mit Blaulicht durch Bad Eilsen fahren.

Eine Minderung der Lärmbelastung ist laut Bergmann auch für die Anerkennung der Gemeinde Bad Eilsen als Kurort von Bedeutung. Denn Voraussetzung dafür ist neben vielen anderen Kriterien auch eine erholsame Ruhe. wk