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Man hat nie wieder etwas von ihr gehört

Stolpersteine sollen an Karl Faber und seine Ehefrau erinnern Man hat nie wieder etwas von ihr gehört

Für Dr. Karl Faber und dessen Ehefrau Ellen sollen am Mittwoch, 28. Januar 2015, in Bad Eilsen Stolpersteine gesetzt werden.

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 Gunter Demnig verlegt 2011 Stolpersteine in Bückeburg.

Quelle: Archiv

Von Thomas Meinecke

Bad Eilsen. Mit diesem Kunstprojekt erinnert der Kölner Künstler Gunter Demnig an Opfer der NS-Zeit, indem er vor deren letzten selbst gewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing in den Bürgersteig einlässt. Für diese Aktion sucht der Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins Eilsen, Fritz Winkelhake, nach Sponsoren.

Bei den von ihm geführten historischen Rundgängen in Bad Eilsen berührt Winkelhake immer auch die Dr.-Faber-Straße. Der Halt am Eckgrundstück Julianenstraße/Dr.-Faber-Straße errege ihn auch nach Jahrzehnten immer noch so sehr, dass er dort beim Vortrag „wohl ziemlich laut“ werde. Es geht an besagter Stelle um das Schicksal des Bad Eilser Badearztes Karl Faber und dessen ursprünglich jüdische, jedoch bereits 1922 christlich getaufte Ehefrau Ellen, geborene Hinrichsen, aus Lübeck.

Winkelhake: „Die Clique von hiesigen Nationalsozialisten, die auch bereits am 5. März 1933 den damaligen Bürgermeister Söhlke mit einem ultimativen Brief und Macht demonstrierenden Fackelzug zum Rücktritt zwangen, wollte auch Faber und Ehefrau Ellen aus ihrem Ort heraus und ihr Bad Eilsen judenfrei haben.“

Was genau alles angestellt worden sei, um das Ehepaar Faber aus seiner Villa zu vertreiben, sei heute nicht mehr genau herauszufinden. Zeitzeugen hätten von infamen Belästigungen aller Art erzählt, auch davon, dass mehrmals die Fensterscheiben der Faber-Villa eingeworfen worden seien, berichtet Winkelhake.

Am 4. März 1940 hätte der Gemeinderat auch über das „für NS-Mitglieder unzumutbare Paar“ Faber diskutiert und entschieden, die Eheleute hätten Bad Eilsen aus „Sicherheitsgründen“ zu verlassen. Trotz aller Demütigungen, Anfeindungen und Drohungen sei Faber in Bad Eilsen geblieben. Daraufhin hätten die Nazis in Bad Eilsen nach anderen Wegen gesucht: Per Notdienstverordnung seien Faber und seine Gattin nach Lindhorst versetzt worden.

Auch dort bemühte man sich nun mit allen Mitteln, möglichst schnell dieses unerwünschte Paar loszuwerden. Man intervenierte beim NS-Kreisleiter, und dieser wandte sich an den Gauärzteführer, den Parteigenossen Dr. Fenner in Münster. Das Schreiben des hiesigen Oberabschnittsleiters Campe vom 22. Juli 1943 ist erhalten. Es befindet sich in den Akten des Landesarchivs in Bückeburg und vermittelt einen Eindruck von der heute nicht nachzuempfindenden Hetze, denen sich das Ehepaar ausgesetzt sah.

Schließlich erreichte die Fabers Anfang September 1944 die polizeiliche Anweisung für Ellen Faber zum Abtransport nach Bielefeld. Dort war in den vierziger Jahren eine Sammelstelle für jüdische Bürger aus Schaumburg-Lippe, Westfalen und Lippe zur Deportation in die Vernichtungslager der Nazis.

Am 8. Dezember 1944 wurde die 63-Jährige von Bielefeld ins Gefängnis nach Magdeburg überführt. Aus Berlin erreichte Faber Ende Januar 1945 noch eine Postkarte mit Grüßen und dem Bericht, die Fahrt solle weiter nach Osten führen – ins Konzentrationslager Auschwitz. Man hörte nie wieder etwas von ihr.

Sponsoren und Spender können sich an Winkelhake unter Telefon (05722) 4513 oder per E-Mail an fritz.winkelhake@yahoo.de wenden.

„Eine schollt nich löben“:

Dr. Karl Faber war ein bekannter Bückeburger. Karl Meier erzählt in seinem plattdeutschen Buch „Eine scholl’t nich löben“ gleich zwei Geschichten über Faber. Die erste behandelt sein Wirken als Kurarzt in Bad Eilsen und seine Schwierigkeiten, sein zündunwilliges Motorrad in Gang zu bringen, mit dem er in den Kurort gelangen wollte.

Eine zweite Episode aus dem Buch Karl Meiers beschreibt Dr. Faber als einen leidenschaftlichen Angler, der oft genug beim Angelsport an der Aue angetroffen werden konnte. Meiers 162-seitiges Buch ist 1984 im Selbstverlag erschienen und nur noch in Antiquariaten erhältlich. thm

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