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Mit „oben ohne“ gegen die Pillenflut

Kabarett im Palais im Park Mit „oben ohne“ gegen die Pillenflut

Irgendwo im Saal ertönte ihre Stimme. Die vorderen Reihen im Julianen-Theater bekamen Simone Fleck erst zu sehen, als sie die Bühne betrat. Offensichtlich viele Frauen hatten sich auf das Wiedersehen mit ihr gefreut. Die Männer hegten wohl besonderen Erwartungen an das neue Programm mit dem Titel „Nacktgeflüster“.

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Simone Fleck kokettiert mit den Unabänderlichkeiten des Lebens. 

Quelle: sig

Aber die Kabarettistin stand weder leicht gewandet noch hüllenlos vor ihrem Publikum. Allerdings enthüllend war schon einiges, was sie zum Besten gab. Simone Fleck ist eine attraktive Frau, schlank und rank, höchst beweglich und von mitreißendem Temperament.

 Natürlich kokettiert auch sie mit den Unabänderlichkeiten des Lebens. Dazu gehören die Fältchen und Grübchen, die sich so nach und nach einstellen und die der anfänglich total glatten Haut erst Charme und Ausstrahlung geben.

 Dass der morgendliche Blick in den Spiegel bei ihr kein Anlass zur Freude mehr sei und die Einstimmung auf den Tag trübe, lässt sich noch nicht nachvollziehen. Aber wann sind Frauen mit ihrem Äußeren schon einmal zufrieden? Oft bekomme man die vorab entschuldigende Aussage zu hören: „Ich werde auf Bildern immer so schlecht getroffen.“ Dass sich so manche Frau im höheren Lebensalter (wenn überhaupt) nicht mehr so gern auf einem FKK-Strand zeige, sei wohl vor allem die Folge der Schwerkraft und deshalb verständlich. „Irgendwann beginnen sie auch damit, mehr zu verhüllen als zu zeigen.“ Pädagogisch geschult wirft Fleck gern einen wachen, aber auch kritischen Blick auf die sich wandelnden Eigenheiten ihrer Artgenossinnen. Sie befasste sich bei ihrem Auftritt unter anderem mit den Ratschlägen „frisch geschlüpfter“ Psychologinnen, die nicht immer zum gewünschten Erfolg führen.

 Frei nach dem Titel des Bestseller-Films „Und ewig lockt das Weib“ würde man heute, so Fleck, formulieren können: „Und ewig lockt das Smartphone“, dem manche Männer mehr Aufmerksamkeit und Zuneigung schenken würden als der eigenen Frau.

 Fleck durchwanderte in wenigen Minuten diverse Stufen der Weiblichkeit. Bei ihr ist der Weg von der Luxusbiene mit entsprechenden Ansprüchen und aufreizendem Flair bis zur fast hexenhaften Erscheinung einer Greisin und wieder zurück zum Ausgangspunkt ein kurzer fließender Übergang.

 Die Kabarettistin hat für die Rolle der Oma Wally einige Augenblicke lang Mut zur Hässlichkeit. Mit gebücktem Rücken, Krückstock, schlotterndem Mantel und metallisch schepperndem Lachen scheint sie ihrem eigenen Körper – vorübergehend – zu entschlüpfen. Genauso müsse die Hexe von Hänsel und Gretel aussehen, ist der Zuschauer überzeugt.

 Aber Oma Wally ist noch von erstaunlicher Lebenslust erfüllt. Bei ihr geht es nicht um Kannibalismus, sondern sie macht sich bei Bedarf sogar noch oben frei, um mit der von ihr gegründeten „Femen“-Gruppe für besondere Forderungen der Seniorinnen zu demonstrieren. Zum Beispiel für einen gewaltfreien Pillenboykott. „Die Friedhöfe sind heute Abfallhalden der Pharmaindustrie“, ist sie überzeugt.

 Weniger besorgt, eher amüsiert oder gar neugierig klingt ihre Frage: „Wie viel entblößte Haut verträgt der Frührentner?“ Vielleicht hat das Alter ja auch noch seine schönen Seiten – selbst für Oma Wally.

 Fleck beherrscht dank ihrer Schlagfertigkeit absolut perfekt den Dialog mit dem Publikum, das jetzt zum Beispiel weiß, dass die Kabarettistin Pullover mit Rautenmuster eher als abtörnend empfindet. Das sollten zumindest diejenigen bedenken, die das nächste Mal wieder dabei sein wollen, wenn sie nach Bad Eilsen kommt. sig

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