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Nach Flutwelle: Schaden geht in die Millionen

Bad Eilsen/Hannover / Georg-Wilhelm-Haus Nach Flutwelle: Schaden geht in die Millionen

Den 29. Juni 2011 wird Joachim Binczik nicht so schnell vergessen: „Wir hatten damals Starkregen, der – punktuell – fast nur den Badeort betroffen hat“, erinnert der Chef der Steuerakademie Niedersachsen.

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Blick in Richtung Badezimmerdecke.

Quelle: tw

Bad Eilsen/Hannover. Eine Flutwelle sei damals von beiden Seiten der Bahnhofstraße herabgerauscht. „Das Wasser hat sich am tiefsten Punkt des Ortes gesammelt – nämlich zwischen den u-förmigen beiden Flügeln des Georg-Wilhelm-Hauses. Nun hat das Land die Quittung für den Wolkenbruch, der geschafft hat, was selbst den zahlreichen Aue-Hochwassern bislang nicht gelungen ist: Er hat in dem Denkmalobjekt einen Riesenschaden angerichtet. Das und der Missstand, dass Bausünden beim Feuerschutz aus den achtziger Jahren erst jetzt entdeckt wurden, hat die Kalkulation, hat aber auch den Zeitplan der Behörde aus dem Gleichgewicht gebracht; beides führt dazu, dass sich der Umbau des Georg-Wilhelm-Hauses um bis zu 1,5 auf etwa 4,5 Millionen Euro verteuern wird.

 Immerhin wird das Land dennoch nicht davon abrücken, das Gebäude wie geplant für seine Zwecke herzurichten: „Ich bin zuversichtlich, dass alle Hemmnisse schnell beseitigt werden und wir dann zügig mit dem Umbau des Gebäudes für die Zwecke der Steuerakademie beginnen können“, hatte Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring bei seinem letzten Besuch erklärt.

 Die Hemmnisse: Dem Leiter der Steuerakademie zufolge staute sich das Wasser am 29. Juni etwa einen halben Meter hoch an der Außenfassade. Es drang unter den Türen durch, vor allem aber auch durch eine falsch, weil zu tief angebrachte Entlüftungsöffnung im Mauerwerk, die in den Heizungsraum des Georg-Wilhelm-Hauses führt. Binczik: „Die Fußböden im Erdgeschoss wurden komplett durchfeuchtet. Anschließend kroch das Wasser dann hinter den Textiltapeten hoch.“ Alle ambitionierten Versuche, das Gebäude mit aufwendiger Technik zu trocknen, hätten nichts als Kosten gebracht.

 Nach den jüngsten Untersuchungen des Staatshochbauamtes ist auch die unter dem Estrich liegende Dämmfaserplatte in Mitleidenschaft gezogen worden. Es bestand die Gefahr der Schimmelbildung; Schimmel, der hinter den Textiltapeten bereits zutage trat. „Als Konsequenz aus dem Wasserschaden“, sagt Binczik, „haben wir sämtliche Tapeten runter reißen, die Fußböden und -beläge bis auf den Betongrund heraus nehmen und den Putz an den Wänden bis in eine Höhe von etwa einem Meter abschlagen lassen.“ Kosten bislang: rund 200000 Euro. Versichert sind die landeseigenen Immobilien nicht.

 Erschwerend stellte sich bei den Untersuchungen heraus, dass bei einer Renovierung des Georg-Wilhelm-Hauses in den achtziger Jahren unter LVA-Regie der als Brandschutz dienende Lehm im Zuge des Verlegens von Wasserrohren aus den Decken entfernt worden war – vor allem im Bereich der damals eingebauten Bäder. Der Lehm sei durch eine Art Glaswolle ersetzt worden – was weder damals noch heute feuerhemmend gewesen sei. „Vor allem dieser jetzt fehlende Brandschutz, der teuer nachgerüstet werden muss, geht ins Geld“, so der Akademieleiter.

 Um die Kosten dennoch in den Griff zu kriegen, wird es Mitte April ein Gespräch zwischen den diversen Behörden geben, bei dem in Sachen Umbau Einsparpotenziale ausgelotet werden sollen. Wenngleich: „Viel“, schätzt Binczik, „wird wohl nicht mehr gehen.“ Schon jetzt verzichte die Steuerakademie auf den Ausbau von zwölf Zimmern im zweiten Obergeschoss. Durch ihre Dachschrägen haben sie nur kleine Fenster – zu klein, als dass sie die für Wohnzwecke nötige Helligkeit hätten. Denkbar sei allenfalls, dass die Behörde die Parkplätze, die im Zuge des Umbaus zusätzlich angelegt werden, nur mit einem Mindestaufwand herrichte.

 Doch wie auch immer. Fakt ist, dass sich der für das Frühjahr geplante Beginn des Umbaus durch den Wasserschaden und die Brandschutzproblematik deutlich verzögern wird – um wie viele Monate, das weiß auch der Chef der Steuerakademie derzeit noch nicht. Nur soviel: „Für uns ist es wichtig, dass die 60 Zimmer und vier Hörsäle sowie die Gruppenräume im Georg-Wilhelm-Haus bis August 2013 zur Verfügung stehen.“ Dann nämlich erwarten die Bad Eilser deutlich mehr Anwärter als derzeit. Dazu kommen Teilnehmer von Fortbildungen, welche die Steuerakademie für alle unter dem Dach der Oberfinanzdirektion vereinten Behörden anbietet.

 Wie berichtet hatte das Land das Gebäude Ende März 2011 von der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig Hannover für die Steuerakademie erworben; über den Kaufpreis war Stillschweigen verabredet worden. Niedersachsen wollte sich den Umbau ursprünglich ungefähr zwei, zuletzt drei Millionen Euro kosten lassen und das Georg-Wilhelm-Haus in allen drei Geschossen – dem Erdgeschoss und den zwei oberen Etagen – nutzen; am wichtigsten für den Betrieb ist aber das Erdgeschoss. Kleine Zimmer sollen dort durch Durchbrüche zu größeren Einheiten für den Lehrbetrieb erweitert werden. Beherbergen soll das Erdgeschoss zudem sämtliche Funktionsräume. Der Haupteingang wird im Inneren vergrößert und mit Sitzgruppen zu einer Art Empfangshalle umgebaut. Der das Bild störende Leichtmetallvorbau könnte wegfallen.

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