Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Nach Tod der Tante Ärger mit Testamentsvollstrecker

Bad Eilsen / Prozess Nach Tod der Tante Ärger mit Testamentsvollstrecker

„Der Ärger spottet jeder Beschreibung!“ Arndt-Rüdiger von Schewe ist sauer. Der Berliner versucht, den Nachlass seiner Tante zu regeln – und das schon seit Jahren. Auf der einen Seite ist das Verfahren durch komplizierte Erbschaftsverhältnisse schon verzwickt genug – auf der anderen Seite stellt von Schewe aber auch die Qualifikation des Testamentsvollstreckers in Frage.

Voriger Artikel
Pastor Hinz gestorben
Nächster Artikel
Quartett findet durch Malerei zusammen

Bad Eilsen (kk). Auch aufs Bückeburger Amtsgericht ist von Schewe nicht gut zu sprechen; das hat den Testamentsvollstrecker nämlich eingesetzt. Außerdem war das Gericht als Betreuungsstelle zuständig, als von Schewes Tante ihr letztes Lebensjahr in einem Eilser Pflegeheim verbringen musste. Und auch die Betreuung sei trotz wiederholter Intervention seinerseits alles andere als glatt verlaufen.

Doch der Reihe nach: Von Schewe hatte nach eigenem Bekunden immer ein gutes Verhältnis zu seiner Tante. Die alte Dame lebte mit ihrer Schwester als pensionierte Lehrerin in Bad Eilsen, wurde regelmäßig von ihrem Neffen und seiner Familie besucht. Von Schewe hatte einen Schlüssel zum Haus der Dame, an dem er seit Ende der siebziger Jahre einen kleinen Besitzanteil hielt.

Die Lage veränderte sich schlagartig, als die Tante an einer Demenz erkranke und in ein Eilser Pflegeheim musste. Sie hatte einen guten Bekannten, den auch von Schewe von klein auf kennt, als ehrenamtlichen Betreuer eingesetzt. Dieser wurde vom Amtsgericht bestätigt.

Mit dem Betreuer, einem Nienburger, hatte von Schewe aber immer wieder Meinungsverschiedenheiten. Ihm wurde untersagt, bei Besuchen seiner Tante weiter in deren (nicht bewohntem) Haus zu übernachten. Er sollte seine Schlüssel abgeben, obwohl ihm von der Tante ausdrücklich Schlüsselgewalt eingeräumt worden war. Sogar Haufriedensbruch warf der Betreuer von Schewe über einen Rechtsanwalt vor.

Auch ging der Betreuer nach Auffassung des Neffen fahrlässig mit dem Vermögen der Tante um. Ihr Auto, ein alter Mercedes, wurde nicht abgemeldet, enorme Kosten liefen hierfür auf. Gleiches galt für Kabelanschluss, Notruftelefon oder die Tageszeitung, erinnert sich der Neffe.

Hinweise an die Betreuungsstelle beim Amtsgericht wurden nach von Schewes Angaben mit der Bemerkung abgetan, er könne ja gegen den Betreuer klagen. Das hatte der Berliner mit seinem Bückeburger Anwalt Oliver Theiß geplant – nach dem Tod der Tante kam es nicht mehr dazu. Doch dazu später.

Die Lage spitzte sich noch einmal zu, als Instandsetzungsarbeiten am Haus unterblieben und die Schwester der Tante im April 2009 verstarb. Um deren Erbe zu regeln, verlangte der Neffe vom Betreuer eine Inventarliste. Diese wurde ihm verweigert.

Im Dezember 2009 verstarb dann auch von Schewes Tante. Bis heute ist deren Erbschaft nicht endgültig geregelt. Da beide Tanten keine Kinder hatten, sind Arndt-Rüdiger von Schewe und ein weiterer Verwandter, mit dem er allerdings über Kreuz liegt, Haupterben. Noch zu Lebzeiten hatte die Tante ihren Betreuer als Testamentsvollstrecker eingesetzt. Doch der lehnte die Aufgabe ab.

So trat eine zweite Verfügung der Tante in Kraft: Der Amtsgerichtsdirektor möge einen Nachlassverwalter bestellen. So übernahm ein Rintelner Fachanwalt die Aufgabe.

Doch an der Nachlassverwaltung hat von Schewe einiges auszusetzen: Steuererklärungen seien erst auf seine Erinnerung hin abgegeben worden. Obwohl Fachmann, habe der Anwalt die Bedeutung dieser Maßnahme nicht erkannt. Doch die Rückerstattungen würden ihm recht geben, so der Erbe. Auch Wartungsarbeiten am Haus seien nicht in Auftrag gegeben worden. Es sei unnötig viel geheizt worden, der Winterdienst zeitweise nicht geregelt gewesen. Unstimmigkeiten habe es auch bei der Abrechnung der Beerdigung der Tante gegeben. Auch als es an den Verkauf des Hauses gegangen sei, habe der Nachlassverwalter nicht überzeugt.

Der Neffe intervenierte immer wieder. „Doch ich gelte jetzt bei den Behörden als Querulant“, stellt er enttäuscht über die schleppende Abwicklung fest. Dabei gehe es ihm weder ums Geld noch um Einfluss. „Ich bin nur sensibel, wenn was nicht korrekt abläuft“, so der Berliner.

Eigentlich sei es auch nicht seine Art, solche privaten Streitigkeiten öffentlich auszutragen. Er hoffe aber, dass andere Betroffene durch seinen Fall sensibilisiert würden, die Behörden „aufwachten“ und bei der Auswahl von Betreuern und Nachlassverwaltern sorgfältiger vorgingen. Zeit und Nerven habe ihn der Fall genug gekostet, mehrere Aktenordner fülle inzwischen allein der Schriftverkehr. Und darüber könne auch die Aussicht auf (das immer noch ausstehende Erbe) nichts ändern.

Sein Tipp für alle Betroffenen in ähnlichen Fällen: Genau hinschauen und nicht allein auf die Fachkenntnis und das Engagement von Behörden, Betreuern und Nachlassvollstreckern setzen. Motto: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Eine gute Tradition findet regelmäßig ihre Fortsetzung – die „Aktion Weihnachtshilfe“. In der Vorweihnachtszeit rufen die Schaumburger Nachrichten unter dem Motto „Schaumburger helfen Schaumburgern“ jedes Jahr zu Spenden für bedürftige Menschen im Landkreis auf. mehr

Schaumburg