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Nach maximal sechs Monaten ist die Klinik platt

Bad Eilsen / Abriss-Pläne Nach maximal sechs Monaten ist die Klinik platt

In den Abriss der früheren Weserberglandklinik kommt Bewegung – wenn auch zunächst nur auf dem Papier: „Sobald wir die Besitzurkunde in Händen halten, werde ich beim Bauordnungsamt des Landkreises Abbruchantrag stellen, wenn der überhaupt nötig ist“, sagt Michael Gabbert. „Damit, dass wir Besitzer werden, rechne ich in Kürze“, so der bei der „Müller Sand- und Kiesgruben GmbH & Co. KG“ beschäftigte Diplomingenieur.

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Wildes Grün erobert die Ex-Klink: Im Spätsommer/Herbst soll beidem der Garaus gemacht werden. © tw

Bad Eilsen (tw). Wie berichtet, hatte Gerhard Müller, Chef der gleichnamigen Firma für Grundstückshandel mit Sitz in Porta Westfalica, das an der Wilhelm-Busch-Straße gelegene Leerstandsobjekt am 10. Mai 2011 vor dem Insolvenzgericht Bückeburg für 122.000 Euro ersteigert.

„An der Herminenstraße hat der Verteilungstermin inzwischen stattgefunden. Das Gericht schreibt die Immobilie gerade um, überweist das Geld“, erklärt Müller auf Anfrage der Redaktion. Er will mit dem Abriss der Ruine im Spätsommer oder Herbst beginnen und die künftige Freifläche dann weiterverkaufen. „Für das Grundstück“, sagt Müller, „gibt es bereits mehrere Interessenten.“ Derzeit zeichne sich eine Nachnutzung für altengerechtes und/oder -betreutes Wohnen ab – „an den Bau eines Altenheimes ist dagegen nicht gedacht“, so Müller.

Derweil bespricht sein Diplomingenieur mit Bad Eilsens Gemeindedirektorin Svenja Edler bereits die Grobplanung des Abbruchs: „Los geht’s, sobald es in Sachen Kiesbetrieb ruhiger wird“, sagt Gabbert. Diese Strategie habe in den zurückliegenden Jahren dazu geführt, dass die Fahrer auch in der tendenziell „schlechten Jahreszeit“ Beschäftigung gehabt hätten und die Firma nie habe Kurzarbeit machen müssen.

Mit dem Entkernen des Komplexes will „Müller“ externe Spezialisten beauftragen; das, was die an Wertstoffen aus der Klinikruine holen, wird dann vor Ort in Containern sortiert. „Den eigentlichen Abriss sowie die Rodungen und das Abfahren des Bauschutts übernehmen wir dann selbst“, sagt der Diplomingenieur.

Sein Chef Gerhard Müller hatte bei der Zwangsversteigerung vor dem Insolvenzgericht Bückeburg in einem fast bis zur letzten Minute spannenden Bieterduell gegen die Logemann Gewerbeimmobilien GmbH & Co KG bis zum Zuschlag mitgeboten. Der rechnet sich für den Grundstückshändler, weil er den Abriss in Eigenregie übernimmt – und so die Kosten vergleichsweise gering halten kann: Kosten, die das Gutachten auf 206.000 Euro taxiert, wenn diese Arbeiten fremd vergeben werden würden.

Beim Abriss sollen zwei bis drei Bagger zum Einsatz kommen. „Müller“ verfügt über eine eigene Tiefbauabteilung und einen eigenen Fahrzeugpark, zu dem auch Radlader und lasergesteuerte Raupen gehören. Der Familienbetrieb, der sich seit mehr als 60 Jahren am Markt behauptet und oft als Subunternehmen bei Großprojekten tätig ist, beschäftigt mehr als 20 Mitarbeiter; er hat auch die Lizenz zur Erschließung von Baugrundstücken.

Die 18.750 Kubikmeter Bauschutt, die laut Gutachten während des Abbruchs der Weserberglandklinik anfallen werden, sollen voraussichtlich nicht auf der Baustelle, sondern auf dem Betriebsgelände in Feldheim recycelt werden. In Sachen Entkernung schätzt der Müller-Fachmann die Zahl der dafür notwendigen Containerfahrten auf „etwa drei bis vier am Tag“. Was nun wirklich nicht ins Gewicht falle. Deutlich mehr Fahrten werden es erst, wenn der eigentliche Abriss läuft.

Gabbert nennt eine Zahl von in der Spitze etwa drei bis vier Lkw pro Stunde. „Je öfter wir fahren, desto schneller sind wir fertig“, sagt der Diplomingenieur. Gleichwohl will die Firma Müller alles daran setzen, den Baustellen-Stress mit seinem Lärm und Staub für die Anwohner so gering als möglich zu halten.

Deswegen möchte Müller für die Fahrten eine Ausnahmegenehmigung, die es möglich macht, die Wilhelm-Busch-Straße vom Rottfeld aus zu befahren; sie ist im Kreuzungsbereich eine kurze Strecke lang Einbahnstraße. Entscheiden muss das zwar der Landkreis, aber Edler glaubt nicht, dass es mit einer Genehmigung Probleme geben wird. Denn die An- und Abfahrten wären so deutlich kürzer, als wenn die Lkw über die Friedrichstraße und die Ringstraße rollen müssen.

Was die Gesamtdauer der Arbeiten angeht, rechnet Gabbert mit „vier bis fünf Monaten, maximal einem halben Jahr“. Böse Überraschungen in Form von Altlasten seien im Untergrund nicht zu erwarten. Am Ende soll das 8316 Quadratmeter große Bad Eilser Filetstück nicht nur plan sein – die Firma Müller will auch noch Rasen drauf säen. Oft mähen wird man den indes wohl kaum müssen. Einmal von der Klinikruine befreit, bieten sich beste Chancen, das Gelände weiter zu veräußern, denn: „Es ist zentrumsnah und dennoch ruhig gelegen; ein Lebensmittelmarkt befindet sich ebenso in der Nähe wie der Kurpark und ein Gesundheitszentrum samt Ärzten und Apotheke; und es ist unverbaubar“, schwärmt Gabbert.

Bleibt nachzutragen: Bereits in wenigen Tagen will die Firma Müller auf Bitten von Edler an der Wilhelm-Busch-Straße das wilde Klinik-Grün zurückschneiden, das als Strauch und Busch inzwischen auf den Bürgersteig drängt. Der Vorbesitzer hatte seit Jahren nichts gemacht.

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