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Nachtwächter Dietmar Ostermeier unterhält mit Anekdoten aus alter Zeit

Langeweile kommt hier nie auf Nachtwächter Dietmar Ostermeier unterhält mit Anekdoten aus alter Zeit

Er wurde, obwohl er eine überaus wichtige Aufgabe erfüllte, im gleichen Atemzug mit einem Henker und einem Abdecker genannt und zählte daher zu den unehrlichen Berufen. Kein Wunder, dass er in der Regel auch in bescheidenen Verhältnissen lebte.

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Nachtwächter Dietmar Ostermeier begrüßt vor dem Fürstenhof seine vielen Gäste.

Quelle: möh

Bad Eilsen (möh). Die Rede ist vom Nachtwächter. Aus Brauchtumspflege packt ein solcher im Kurort Bad Eilsen einmal pro Monat seine Sachen und macht einen Rundgang. Und das nicht allein.

 Jedes Mal, wenn am zweiten Dienstag im Monat Dietmar Ostermeier seine Runde dreht, wird er von 35 bis 40 Kurgästen begleitet, die nach eineinhalb Stunden mit ihren Erlebnissen zufrieden sind. Schließlich erfährt nicht jeder aus erster Hand, welche Aufgaben ein Nachtwächter hatte. Zudem versteht es Ostermeier, mit seinen Geschichtchen und Anekdoten die Zuhörer zu fesseln.

 Pünktlich erscheint der heimische Nachtwächter in der typischen Kluft – ausgerüstet mit einer Hellebarde, einer Laterne und einem Signalhorn – am Fürstenhof. Bis die Wanderung dann beginnt, stellt sich Ostermeier, der diese Rolle im Jahre 2013 von Alfred Schneider übernommen hat, in der typischen altertümlichen Sprache vor und erklärt die Aufgabe eines nächtlichen Wächters, der vor allem Lumpen und Ganoven aus den Stadt- oder Gemeindemauern heraushalten soll. „Gerade in Bad Eilsen“, so Ostermeier, „ist es immer überaus schwierig, da die bedrohliche Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen nicht sehr weit ist und Feinde und Diebe immer wieder versuchen, in den bekannten Kurort zu kommen.“

 Gleichermaßen achte er bei seinem Rundgang darauf, dass die Bürger ihre offenen Feuerstellen und auch die Kerzen gelöscht hätten, damit kein Brand entstehen könne. Schnell, so der Nachtwächter, würden die Flammen von einem Haus, das in der Regel nur aus Stroh und Lehm bestanden habe, auf das andere übergreifen und eventuell das ganze Dorf in Schutt und Asche legen. Daher schaue er in jedes Fenster. „Früher“, so Ostermeier, „hat jeder Bürger unter seinem Bett einen ledernen Eimer gehabt, um bei Feuer schnellstens helfen zu können.“

 Station macht Ostermeier bei seinem Rundgang durch die Gemeinde in der evangelischen Christuskirche, die an diesem Abend eigens geöffnet bleibt. Er erzählt die Geschichte der Kirche und weist seine Gäste auch auf die Gottesdienstzeiten hin. Gleich neben dem Gotteshaus steht das Fachwerkgebäude, in dem die Eilser Sparlade, die Vorläuferin der Sparkasse, vor mehr als 100 Jahren gegründet wurde. Sein Augenmerk richtet der Nachtwächter auch auf die alte Gärtnerei und die ehemalige Remise. Dann geht es langsam wieder zurück in den Kurpark und zum Fürstenhof.

 Nachtwächter Ostermeier versteht es, in den 90 Minuten die Lebenssituation eines Nachtwächters mit vielen Daten und Fakten zu verdeutlichen, ohne dass Langeweile aufkommt, wie die Teilnehmer an dem Rundgang immer wieder betonen.

 Im Prinzip hat der Kurort sogar zwei Nachtwächter. Ostermeier übernimmt diese Rolle in „geraden“ Monaten. In „ungeraden“ Monaten führt sein Kollege Wolfram Hesseling durch die Gemeinde. Im Sommer beginnt der Rundgang um 19.30 Uhr, im Winter um 18.30 Uhr am Fürstenhof. Die Kurgäste genießen diesen Spaß umsonst, interessierte Eilser müssen einen kleinen finanziellen Beitrag zahlen.

 Übrigens: Ein Nachtwächter überprüfte zudem das ordnungsgemäße Verschließen der Haustüren und sagte auch die Stunden an. Ferner hatte er das Recht, verdächtige Personen, die nachts unterwegs waren, anzuhalten, zu befragen und notfalls zu verhaften. In der Weserstadt Rinteln steht sogar ein Nachtwächterdenkmal.

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