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Neues Pflegegesetz: Viel Licht, aber auch Schatten

Tagespflege erhält mehr Bedeutung Neues Pflegegesetz: Viel Licht, aber auch Schatten

Mike Krüger ist seit ein paar Wochen neuer Geschäftsführer des Diakonie-Pflegedienstes Schaumburg im evangelischen Gemeindehaus in Bad Eilsen. Krüger erläuterte Besuchern das Pflegestärkungsgesetz II, das ab 2017 die Einstufung von drei Pflegestufen auf fünf Pflegegrade und auch neue Pflegesätze beinhaltet.

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„Tür-an-Tür“-Chefin Ulrike van Gemmern und Mike Krüger, Geschäftsführer des Diakonie-Pflegedienstes Schaumburg.

Quelle: möh

BAD EILSEN. Vorteile haben vor allem Menschen, die an Demenz erkrankt sind und die bisher eigentlich nicht so recht erfasst wurden. Benachteiligt werden durch das neue Gesetz die kranken Menschen, denen die Pflegegrade eins und zwei zugestanden werden und die stationär in einem Heim leben. Der Grund: Der Gesetzgeber möchte diese Menschen aus Kostengründen in der Familie beziehungsweise in der Tagespflege untergebracht und gepflegt sehen. Die Heime sollten sich nur um die Grade drei, vier und fünf kümmern müssen.

Der Experte blickte an diesem Abend auch in die Zukunft, denn die Pflegestärkungsgesetze III und IV seien bereits in der Vorbereitung. Ulrike van Gemmern, verantwortlich für die Aktion „Tür an Tür“ und auch Veranstalterin des Vortragsabends, freute sich über die vielen Besuchern. Das Thema „Pflegestärkungsgesetz II“ sorge für viele Neuerungen, und die betroffenen Familien hätten noch viele unbeantwortete Fragen. Um wenigstens für etwas Aufklärung zu sorgen, habe sie Krüger als Referent eingeladen.

Ein großer Schritt nach vorne

Der Diplom-Pflegewirt, der selbst aktiv in der Pflege gearbeitet hat, bezeichnete das Gesetz als einen großen Schritt nach vorn, da vor allem die an Demenz erkrankten Menschen besser erfasst und eingeordnet würden. Bei der Umstellung von drei Pflegestufen auf fünf Pflegegrade habe der Gesetzgeber einen Bestandsschutz eingearbeitet, sodass kein kranker Mensch zurückgestuft werden könne.

Bisher seien, so der Experte, die Kranken nach dem Kriterium „Was kann er noch?“ eingestuft worden. Künftig werde erfasst, was der Mensch nicht mehr könne. Entscheidend sei der Blick hin auf die realen Fähigkeiten und weg von den Defiziten, wie es offiziell genannt werde. Als Beispiel führte Krüger einen Dementen an, der sich zwar die Haare kämmen könnte, aber nicht mehr wisse, wozu der Kamm diene. In Zukunft heiße es, dieser Kranke könne sich die Haare kämmen, auch wenn er es in seinem Leben nicht mehr müsse. Gleichsam würde ein kranker Mensch, der keine Treppen mehr steigen könne, entsprechend besser eingestuft, auch wenn er in einer Wohnung ohne Treppen lebt.

Pflegegrade werden ermittelt

Im neuen Gesetz stehen sechs Bereiche, die dann aber unterschiedlich benotet werden. Dabei handelt es sich um Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung (dazu gehört auch die Körperpflege), Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen oder Belastungen und Gestaltung des Alltagslebens sowie sozialer Kontakte. Die Pflegegrade werden ermittelt, indem die Punktwerte der einzelnen Kriterien ausgerechnet werden.

Krüger erläuterte, dass die neuen Pflegegrade meistens eine deutliche Leistungserhöhung mit sich bringen und dass die Tagespflege in Zukunft wesentlich mehr Bedeutung habe.

Der Gesetzgeber möchte die Patienten so lange wie möglich in der Familie beziehungsweise Tagespflege halten, denn dies sei für ihn die günstigste Lösung. In einigen Fällen (vor allem in der stationären Pflege) müssten die Angehörigen aber auch mehr Geld in die Hand nehmen, wenn eine vernünftige Betreuung des Kranken gewährleistet sein solle. Die Pflegekasse sei schließlich nur eine Art Teilkaskoversicherung. Er riet den Angehörigen, sich an Pflegeberater der Wohlfahrtsverbände zu wenden. Diese könnten den Angehörigen weiterhelfen. Entsprechende Broschüren seien beim Bundesgesundheitsministerium zu bestellen. Krüger machte deutlich, dass man alle Leistungen bei seiner Krankenkasse beantragen müsse. „Die Kassen kommen keinesfalls vorbei und bringen das Geld mit.“ möh

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