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Nützliches mit dem Schönen verbunden

Vor 90 Jahren Nützliches mit dem Schönen verbunden

„In dem so schön gelegenen Bad Eilsen ist im Laufe der letzten Monate eine so große Umgestaltung geschehen, dass der Besucher aus früheren Tagen sich zuerst schwer zurechtfinden kann“, war vor 90 Jahren in den heimischen Zeitungen zu lesen.

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Landesherr Fürst Adolf (1883-1936) zog innerhalb von gut zehn Jahren das millionenschwere Sanierungsprojekt „Das neue Bad Eilsen“ durch.

Quelle: pr

Bad Eilsen. Von Wilhelm Gerntrup

Der Park und seine Umgebung habe ein völlig anderes, zeitgemäßes Aussehen bekommen. Und auch auf dem „unteren Kurplatz“ habe sich viel getan. „Breit und massig legt sich das neue Kurhaus davor mit seinem Querbau, der außer einem großen Konzertsaal auch das neue Kurtheater enthält.“

Der beinahe schwärmerische, im April 1926 abgefasste Situationsbericht war nicht übertrieben. Die gut zehn Jahre zuvor in Angriff genommene Rundumsanierung des Bade- und Kurbetriebs hatte zu einer kompletten Neu- und Umgestaltung aller bisherigen baulichen und medizinischen Anlagen und Einrichtungen einschließlich des Parks, der Sportstätten und der sonstigen Freizeitangebote geführt. Die größtenteils noch aus der Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts stammenden (Fachwerk-)Gebäude waren abgerissen und durch moderne und repräsentativ gestaltete Neubauten ersetzt worden. Das Ziel war offensichtlich: Aus dem betulichen und in die Jahre gekommenen Treffpunkt fürs gut situierte Großbürgertum sollte ein mondänes, auf ein großstädtisches Jetset-Publikum ausgerichtetes Weltbad werden.

Neue Bahnverbindung nach Bückeburg

Mit dem 1918 errichteten „Fürstenhof“ stand bereits ein komfortables Hotel zur Verfügung. Und auch die Erreichbarkeit hatte sich deutlich gebessert. Zeitgleich mit dem Bau des „Fürstenhofes“ war eine neue Bahnverbindung von und nach Bückeburg eingerichtet worden. Damit war das neue Bad besser als zuvor an die große weite Welt angebunden. Der landauf, landab als „Eilser Minchen“ bekannte Schienenbus genoss schon bald eine Art Kultstatus.

Das rigorose Modernisierungskonzept gefiel nicht allen. Die Umgebung des kleinen Kurviertels war noch von Ackerbau und Viehzucht geprägt. Für das Gros der Alteingesessenen war vieles allzu fremd und ging viel zu schnell. „Werden die modernen Bauten nicht gerade das, was bisher Bad Eilsen so reizvoll machte, zerstören?“, gab die Lokalpresse die Sorgen und Bedenken der Einwohnerschaft wider. Andererseits kriegte man alles umsonst. Initiator und Geldgeber des Umbruchs war bekanntlich der Bückeburger Schlossherr Adolf II. zu Schaumburg-Lippe. Die Pläne stammten von dem renommierten Berliner Architekten Paul Baumgarten.

Kraftakt hat rund fünf Millionen Goldmark gekostet

Zwischenzeitliche Zweifel, ob Adolf das Vorhaben nach seiner Abdankung im Gefolge des Ersten Weltkriegs durchziehen werde, waren bald verflogen. Der Ex-Landesherr hielt an seinem Lieblingsprojekt fest. Laut „Teilungsvertrag“ mit dem neuen Freistaat Schaumburg-Lippe war das Badeareal in Familienbesitz geblieben. Und auch Geld hatte der Bauherr dank des ererbten Millionenvermögens genug. So gelang es, das Vorhaben trotz widriger Begleitumstände innerhalb von gut zehn Jahren durchzuziehen. Alles in allem soll der Kraftakt gut fünf Millionen Goldmark gekostet haben. Das sind in heutiger Währung an die 20 Millionen Euro.

Krönender Abschluss der Restarbeiten vor 90 Jahren war die Vollendung des weiträumigen, winkelförmigen Kurzentrums mit Kurhaus, Badehotel, Kursaal und Kurtheater. „Die Neuanlage, die in der unglaublich kurzen Zeit von einem Jahr vollendet worden ist, hat Bad Eilsen ein vollständig neues Aussehen gegeben“ schwärmte die örtliche Presse. Das Ganze sei ein Meisterwerk neuzeitlicher Architektur, nicht nur in seiner äußeren Gestalt, sondern auch im Innern seiner zahlreichen, so vielartigen Bestimmungen dienenden Räume. „Überall, wohin das Auge blickt, ist das Praktische und Nützliche mit dem Schönen verbunden. Das Genie des Architekten, des Professors Baumgarten, nach dessen Entwürfen auch der Fürstenhof geschaffen wurde, hat in Bad Eilsen eine architektonische Glanzleistung der Fachwelt erweckt und Bad Eilsen mit in die erste Reihe der deutschen Bäder gerückt.“

So viel Glanz und Gloria versöhnte auch die Kritiker

Zu einem kulturellen und gesellschaftlichen Highlight wurde die Eröffnung des im Juli fertiggestellten neuen Kurtheaters. Zur Premiere kam das hannoversche Opernhaus-Ensemble mit der Operette „Fledermaus“ an die Aue. Unter den Gästen der ausverkauften Vorstellung war auch Bauherr und Besitzer Fürst Adolf. Von Bückeburg aus fuhr ein Sonderzug. Für Kartenbesitzer aus Rinteln und Umgebung war ein Postbus gechartert worden.

So viel Glanz und Gloria versöhnte schließlich auch die Kritiker. Spätestens als „dann das große Badehotel in seinen schlichten und doch so hervorragend schönen architektonischen Formen erkennbar wurde, schwanden allmählich die Bedenken“, war in der Lokalzeitung zu lesen. „Und nachdem jetzt das ganze Bauprogramm mit der Vollendung des südlichen Flügelbaus zum Abschluss gekommen ist, herrscht nur ein Urteil: Das Wagnis – es war zweifellos ein Wagnis – ist geglückt; wie ein strahlender Phoenix ist das neue Eilsen aus dem alten erstanden, in der Gestaltung des Ganzen haben sich Vergangenheit und Gegenwart harmonisch verbunden.“ Auch die Außenanlagen seien gelungen. Von dem vor den Neubauten angelegten und erheblich erweiterten Konzertgarten biete sich ein wunderbarer Ausblick in den herrlichen alten Kurpark. „Die ganze Anlage ist eine Sehenswürdigkeit und es lohnt sich, Eilsen, das jetzt mit seinen Einrichtungen unter den deutschen Bädern mit an erster Stelle steht, zu besuchen“.

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