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Orgie der Gewalt: Die Qualen dauern Stunden

Bad Eilsen/Bückeburg / Vor Gericht Orgie der Gewalt: Die Qualen dauern Stunden

Zum Auftakt des Prozesses um den mutmaßlichen Mord im Kurpark von Bad Eilsen haben sich die zwei Angeklagten gestern gegenseitig beschuldigt. Den Großteil der Verantwortung für den Tod eines 48-Jährigen will keiner von ihnen übernehmen.

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Nach dem Betreten des Gerichtssaals verbirgt der ältere Mann sein Gesicht hinter einem Aktendeckel.

Quelle: tol

Bad Eilsen/Bückeburg (ly).  Beide geben zu, das Opfer geschlagen und getreten zu haben. Sie wollen den Bad Eilser für einen Kinderschänder gehalten haben. Der jüngere Mann (20) behauptet, wenige Wochen vor der Bluttat in den frühen Morgenstunden des 30. September von diesem sexuell bedrängt worden zu sein.

 Eine Orgie der Gewalt: Etwa zwei Stunden sollen die Qualen des Opfers gedauert haben, wie der 20-Jährige schätzt. Immer wieder war der Verletzte Schlägen und Tritten ausgesetzt. Wenn er sich am Boden krümmte, sollen die Täter ihn zurück auf den Rücken gedreht haben.

 Zum Schluss hatte einer der Männer den Sterbenden mit einem Ast vergewaltigt. Vor dem Bückeburger Schwurgericht behaupten beide Bad Eilser, dies sei der jeweils andere gewesen. Fest steht, dass das Opfer schwerste innere Blutungen erlitten hat, der Kehlkopf zertrümmert war, die Leber zerfetzt, zahlreiche Rippen gebrochen.

 „Wie im Blutrausch“ will sich der ältere Mann (44) in jener Nacht gefühlt und „blindlings drauflos geschlagen“ haben. „Ich wollte ihm mal eine richtige Lektion erteilen.“ Viel Alkohol war im Spiel, laut Anklageschrift von Oberstaatsanwalt Klaus Jochen Schmidt mehrere Flaschen Schnaps. Und sobald der 20-Jährige zu viel Schnaps trinkt, hat er sich nach eigener Einschätzung überhaupt nicht mehr im Griff.

 „Wenn das erst mal anfängt in meinem Kopf...“, sagt er. „Mich dann zu stoppen, das fällt schwer. Ich bin sonst ein lieber Kerl.“ Nach der Bluttat will er „das Gefühl“ gehabt haben, „diese ganze Wut, die in mir saß, könne sich lösen, und ich könne frei sein“, wie es in einer von Verteidiger Volkmar Wissgott verlesenen Erklärung heißt. Wissgotts Mandant war zeitweise obdachlos und hielt sich nach eigenen Angaben mit Straftaten über Wasser.

 Zunächst hatten die drei Männer am Abend in der Bad Eilser Wohnung des heute 20-Jährigen getrunken. Dort wurde das Opfer offenbar zum ersten Mal misshandelt. Auf dem Weg zum Kurpark soll der 48-Jährige in Höhe der Landesfinanzschule gestürzt sein, worauf es weitere Schläge und Tritte setzte. Dann ging es zu einer Bank im Kurpark, wo der Eilser langsam zu Tode gequält wurde.

 „Ich ließ mich anstecken“, behauptet der jüngere Angeklagte. „Es ist mir bewusst, dass ich schwerste Schuld auf mich geladen habe.“ Während der Heranwachsende seine Aussage macht, wird der zweite Mann auf der Anklagebank zunehmend unruhig. Immer wieder schüttelt der 44-Jährige den Kopf.

 Dann ist er an der Reihe und erzählt den Sachverhalt anders. In der Wohnung will er den jungen Mann beschwichtigt, auf dem Weg zum Kurpark dem gestürzten Opfer hochgeholfen haben. Erst an der Bank will dann auch er „einen Wahn gekriegt, getreten und geschlagen“ haben.

 Für Erwachsene heißt die Strafe bei Mord „Lebenslänglich“. Diese kann jedoch gemildert werden, etwa bei verminderter Schuldfähigkeit. Weil der jüngere Mann derzeit noch ein Heranwachsender ist, drohen ihm im Fall eines Schuldspruchs höchstens zehn Jahre Haft, wenn das Gericht von Reifeverzögerungen ausgeht. Als Mordmerkmal gilt Grausamkeit. Die Angeklagten, so heißt es, hätten dem Opfer „in gefühlloser und unbarmherziger Gesinnung besondere Schmerzen und Qualen zugefügt“.

 Für den Prozess hat die Vorsitzende Richterin Birgit Brüninghaus insgesamt sieben Sitzungstage anberaumt, 27 Zeugen und vier Gutachter sind geladen. Die Hauptverhandlung wird fortgesetzt.

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