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Bad Eilsen Tempo 30 auf Bückeburger Straße
Schaumburg Eilsen Bad Eilsen Tempo 30 auf Bückeburger Straße
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12:58 29.09.2018
Der von den Kraftfahrzeugen auf der Bückeburger Straße verursachte Verkehrslärm nervt manche der im „Brunnenhof“ (hinten) einquartierten Rehapatienten. Quelle: wk
Bad Eilsen

Fahren die Fahrzeuge langsamer, reduziert dies die Geräuschemissionen, so die Überlegung (wir berichteten). Wir haben bei Markus Brockmann, dem Leiter der Hamelner Geschäftsstelle der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, nachgefragt, ob das tatsächlich die Lösung des Problems wäre.

„Da ist zunächst die Verkehrsbehörde des Landkreises Schaumburg gefragt“, sagt Brockmann. Denn diese sei dort für die verkehrsbehördlichen Anordnungen zuständig. Wenn das Straßenverkehrsamt des Landkreises zwecks Prüfung aber eine Berechnung der Lärmbelastung benötigt, würde man dieser Behörde im Rahmen der Amtshilfe eine entsprechende Berechnung erstellen. Konkret würde es sich dabei um eine Vergleichsrechnung zwischen der aktuellen und der zukünftigen Verkehrssituation handeln. Fraglich sei allerdings, ob in diesem Fall ein Tempolimit von 30 Stundenkilometern überhaupt eine spürbare Reduzierung des Straßenlärms ergeben würde.

Brockmann zweifelt an Wirkung

Aufgrund der Erfahrungen, die er mit derlei Berechnungen hat, glaubt Brockmann nicht, dass der von der Bückeburger Straße ausgehende Verkehrslärm durch solch eine verkehrsberuhigende Maßnahme um mindestens drei Dezibel leiser werden würde. So viel müsste bei einer zu hohen Lärmbelastung nämlich als Verbesserung im Sinne des Lärmschutzes wenigstens herauskommen, um eine Absenkung des Tempo-Limits zu rechtfertigen. Und zwar während der Nachtstunden, da dies ja die Zeit des Tages ist, zu der sich die im „Brunnenhof“ und „Quellenhof“ untergebrachten Rehapatienten vor allem gestört fühlen (Stichwort: Schlafen bei offenem Fenster). Lärm, der von etwaigen nachts vorbeifahrenden Lastwagen verursacht wird, würde jedoch nicht berücksichtigt werden, da Lastwagen nachts nicht in Bad Eilsen unterwegs sein dürfen.

„Wenn wir die Lärmminderung berechnen, dann selbstverständlich ohne den Lkw-Verkehr“, betont Brockmann. Denn hinsichtlich dieser Berechnung sei „nur der legale Zustand maßgeblich“. Ob sich Lkw-Fahrer mitunter über das in dem Kurort geltende zeitlich beschränkte Fahrverbot hinwegsetzen, spiele da keine Rolle.

Nur zwei Dezibel weniger

Wobei es aber auch bei einer Einbeziehung des Lkw-Verkehrs in die Berechnung fraglich wäre, ob die mindestens erforderliche Lärmminderung von drei Dezibel erreicht werden würde, so der Fachmann. Vielmehr dürfte selbst bei diesem Szenario durch eine Absenkung des Tempo-Limits von 50 auf 30 Stundenkilometern lediglich eine Reduzierung der Geräuschemissionen um rund zwei Dezibel erzielt werden. Ein Beispiel aus einem anderen Bereich soll die Größenordnung drei Dezibel veranschaulichen: Ein Laubbläser, wie er etwa in Gärten eingesetzt wird, lärmt mit ungefähr 70 Dezibel. Bei zwei zur gleichen Zeit nebeneinander betriebenen Laubbläsern summieren sich die Emissionen dagegen auf insgesamt circa 73 Dezibel.

Den Patienten des Rehazentrums Bad Eilsen wäre also nach seiner Einschätzung sicher mehr damit geholfen, wenn auch der „Brunnenhof“ zur Straßenseite hin mit Schallschutzfenstern ausgestattet werden würde, wie dies bereits beim „Quellenhof“ der Fall sei, sagt Brockmann. Wobei diese Fenster dann allerdings auch geschlossen gehalten werden müssten, um die entsprechende Wirkung zu entfalten.

Von Michael Werk

Grenzwerte für Lärmbelastung

Zum „Schutz der Allgemeinheit und der Nachbarschaft vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Geräusche sowie der Vorsorge gegen schädliche Umwelteinwirkungen durch Geräusche“ hat der Gesetzgeber einzuhaltende Grenzwerte für bestimmte Lärmbelastungen festgelegt. Zu entnehmen sind diese der zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) erlassenen Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm). Demnach gelten folgende „Immissionsrichtwerte für den Beurteilungspegel für Immissionsorte außerhalb von Gebäuden“: in Industriegebieten 70 Dezibel; in Gewerbegebieten tagsüber 65 Dezibel und nachts 50 Dezibel; in Kern- und Mischgebieten am Tag über 60 Dezibel und in der Nacht 45 Dezibel; in allgemeinen Wohngebieten und Kleinsiedlungsgebieten tagsüber 55 Dezibel und nachts 40 Dezibel; in reinen Wohngebieten tagsüber 50 Dezibel und nachts 35 Dezibel; in Kurgebieten, für Krankenhäuser und Pflegeanstalten tagsüber 45 Dezibel und nachts 35 Dezibel. Einzelne kurzzeitige Geräuschspitzen dürfen die Immissionsrichtwerte am Tag um nicht mehr als 30 Dezibel und in der Nacht um nicht mehr als 20 Dezibel überschreiten. wk