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Tod im Kurpark: Zwei Männer ohne Mitleid

Bad Eilsen/Bückeburg / Urteil Tod im Kurpark: Zwei Männer ohne Mitleid

Totschlag, nicht Mord: Im Prozess um das Gewaltverbrechen im Kurpark von Bad Eilsen sind gestern die Urteile verkündet worden. Gegen den älteren Angeklagten (44) hat die 1. Große Jugendkammer am Bückeburger Landgericht neun Jahre und zehn Monate Haft verhängt, gegen den jüngeren Mann (20) eine Jugendstrafe von sechs Jahren und neun Monaten.

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Der 44-Jährige (Zweiter von links) und der 20-Jährige (Fünfter von links) besprechen sich im Saal des Bückeburger Landgerichts mit ihren Verteidigern.

Quelle: tol

Bad Eilsen/Bückeburg. Bad Eilsen (ly). „So sollte niemand sterben“, sagte die Vorsitzende Richterin Birgit Brüninghaus zum qualvollen Tod des Opfers, eines 48-Jährigen aus Bad Eilsen. „Er war kein Kinderschänder“, betonte Brüninghaus ausdrücklich. Und selbst wenn: Die Täter hätten nicht das Recht gehabt, den Mann anzurühren. Sie haben ihn aber so lange geschlagen und getreten, bis er tot war.

 Über sechs Verhandlungstage hat das Gericht die Tat in den frühen Morgenstunden des 30. September rekonstruiert. Die Vorgeschichte beginnt bereits einige Wochen früher. Nach dem Lichterfest geht das spätere Opfer mit in die Wohnung des jüngeren Mannes und macht dem damals 19-Jährigen „sexuelle Avancen“, wie es im Urteil heißt. Weil die Polizei nicht ermittelt, begeht der Heranwachsende später Selbstjustiz. Wiederholt schikaniert er den älteren Mann und verprügelt ihn schließlich am 26. September auf offener Straße.

 Drei Tage später klingeln das Opfer und der zweite Täter abends an der Tür, um die Sache aus der Welt zu schaffen. Alkohol getrunken haben sie bereits seit dem Mittag. In der Wohnung wird der Streit handgreiflich und immer lauter. Man beschließt, zu dritt in den Kurpark zu gehen. In Höhe der Landesfinanzschule stürzt der 48-Jährige zu Boden. Offenbar wird er daraufhin weiter misshandelt. Die Schläger haken ihn unter und steuern eine Bank an, wo das Grauen seinen Lauf nimmt.

 Während sie das Opfer langsam totschlagen, mit Tritten malträtieren, den Eilser am Ende mit einem Ast vergewaltigen, während sie all dies tun, gönnen sich beide Männer Pausen, sie rauchen und trinken Schnaps. „Blutend, stöhnend und röchelnd liegt Herr (...) vor ihren Füßen“, so Richterin Brüninghaus. Wenn er sich vor Schmerzen krümmt, drehen die Männer ihn auf den Rücken, um ihr Ziel leichter zu treffen.

 Irgendwann richtet sich der Sterbende ein letztes Mal halb auf, er hockt auf allen Vieren vor seinen Peinigern, blutend aus mehreren Kopfwunden, das Gesicht angeschwollen bis zur Unkenntlichkeit. Ob er stirbt, ist den Tätern egal. Mitleid empfinden sie nicht, eher Abscheu. Und das ist zum Teil angeboren, eine dissoziale Persönlichkeitsstörung, attestiert von Psychiatern. Alkohol macht es schlimmer.

 Weil die Täter extrem hohe Alkoholwerte hatten, in einem Fall bis zu 5,2 Promille, geht das Gericht von erheblich verminderter Steuerungsfähigkeit aus und mildert die Strafe. Geständnisse hatten beide abgelegt. Zugunsten der Angeklagten nimmt das Gericht außerdem an, dass die Schmerzen und Qualen des Opfers nur von kurzer Dauer waren. Aus einem rechtsmedizinischen Gutachten lässt sich ableiten, dass der 48-Jährige bereits recht früh bewusstlos geworden ist. Sicher gilt dies für die Vergewaltigung mit dem Ast.

 „Ich hoffe sehr, dass diese entsetzliche Tat die beiden Angeklagten aufgerüttelt hat“, sagt Richterin Brüninghaus. Den Tätern bescheinigt sie, rücksichtslos und extrem kaltherzig gehandelt zu haben. Gestorben ist der Eilser an Atem- und Kreislaufversagen. Die Leber war zerfetzt, der Kehlkopf zertrümmert. „Niemand“, sagt Brüninghaus, „hat so einen Tod verdient.“ Allein und ungetröstet sei das Opfer gestorben. Gegen das Urteil ist noch Revision möglich.

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