Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 4 ° Regenschauer

Navigation:
Totschlag: Staatsanwalt fordert 13,5 und acht Jahre Haft

Bad Eilsen/Bückeburg / Prozess Totschlag: Staatsanwalt fordert 13,5 und acht Jahre Haft

Von Mord spricht fast keiner mehr: Im Prozess um den gewaltsamen Tod eines 48-Jährigen im Kurpark von Bad Eilsen haben Staatsanwaltschaft und Verteidigung gestern auf Totschlag plädiert.

Bad Eilsen/Bückeburg. Bad Eilsen (ly). Für den älteren Angeklagten (44) forderte Oberstaatsanwalt Klaus Jochen Schmidt 13 Jahre und sechs Monate Haft, für den jüngeren Mann (20) acht Jahre nach Jugendstrafrecht. Wie es in einem Bericht des Jugendamtes hieß, lägen Reifeverzögerungen im Fall des Heranwachsenden „auf der Hand“.

 Dessen Verteidiger Volkmar Wissgott beantragte gestern vor dem Landgericht eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Dieter Adler, der den erwachsenen Angeklagten verteidigt, stellte keinen konkreten Antrag. Nur Rechtsanwalt Philipp Gerigk (Hamburg), der den Sohn des Opfers vertritt, befürwortet noch eine Verurteilung wegen Mordes. Morgen, Mittwoch, um 9 Uhr wird die Entscheidung des Bückeburger Schwurgerichts verkündet.

 Von der ursprünglichen Anklage – grausamer Mord – ist Staatsanwalt Klaus Jochen Schmidt unter Hinweis auf die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes zwischenzeitlich abgerückt. Qualen, die Opfer erleiden, müssen demnach erheblich über jenes Maß hinausgehen, das zur Tötung eines Menschen nötig ist. Gedauert hat das Martyrium nach Erkenntnissen des Staatsanwaltes mit Pausen etwa zwei Stunden. Einem rechtsmedizinischen Gutachten, vorgetragen in dem Prozess, zufolge kann es jedoch sein, dass der 48-Jährige vor dem Tod bewusstlos geworden ist.

 „Vieles bleibt im Dunkeln in diesem Prozess“, sagte Schmidt. So lasse sich nicht sicher feststellen, ob die betrunkenen Männer bereits zu Beginn einen Tötungsvorsatz gehabt hätten. „Ich gehe nicht davon aus, dass sie Herrn (...) in den Park gelockt haben, um ihn dort bestialisch zu töten“, so der Oberstaatsanwalt. Wer den Sterbenden mit einem Ast vergewaltigt hat, bleibt ebenfalls offen, weil an dem Stock kein DNA-Material zu finden war.

 Einfühlsam beschrieb Schmidt das Leiden des Opfers. Wenn auch nicht nach juristischem Verständnis: „Im Wortsinn“ sei der Bad Eilser grausam getötet worden, ein beispielloser Gewaltexzess. „Er konnte den Angeklagten nicht entkommen.“ Schmidt kann „nicht einmal erahnen, was in den letzten Stunden seines Lebens in ihm vorging“. Den Tätern attestiert der Staatsanwalt „große Gefühlskälte“.

 Noch nie ist Verteidiger Volkmar Wissgott „der Begriff des Totschlagens so bewusst geworden wie hier“. Das Gesicht des Toten war durch Tritte und Schläge völlig entstellt, der Kehlkopf zertrümmert, die Leber zerfetzt, diverse Rippen gebrochen. Ein Vergleich mit Fotos zur Identifizierung der Leiche erschien Polizisten nicht sinnvoll. Lieber verließen sich die Beamten auf eine DNA-Untersuchung.

 Wenige Tage vor dem Verbrechen war der jüngere Mann schon einmal auf das Opfer losgegangen, weil er sich von dem deutlich älteren Mann sexuell bedrängt gefühlt hatte.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Schaumburg