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Weil: Flüchtlingshelfer sind wahre Helden

Bad Eilsen Weil: Flüchtlingshelfer sind wahre Helden

Von den „wahren Helden des Jahres 2015“ hat Ministerpräsident Stephan Weil gesprochen, als er beim Festlichen Bürgermahl der Bürgerstiftung Schaumburg auf die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer zu sprechen kam.

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Ministerpräsident Stephan Weil spricht zum Thema Ehrenamt und Flüchtlingsnot.

Quelle: bus

Bad Eilsen. „Denen können wir gar nicht genug danken.“ Manchmal würde er sich wünschen, dass die Medien ein wenig mehr über diese stillen Helfer berichten würden, „als irgendwelchen Prahlhälsen großartige Auftritte in Talkshows zu ermöglichen“.

Weil sprach im Julianen-Saal des Palais im Park vor rund 140 Gästen zum selbst gewählten Thema „Ehrenamt und Flüchtlingsnot“. „Wir erleben gerade eine ganz ungewöhnliche Situation“, führte der Festredner aus. „Ich behaupte, dass wir das zweite Halbjahr des Jahres 2015 alle miteinander wahrscheinlich nicht vergessen werden.“ Es sei gegenwärtig eine Gesellschaft mit ungewöhnlich hohem Maß an Hilfsbereitschaft und Engagement zu erleben, mit Menschen, die nicht in erster Linie nur fragten, ob der Staat alles richtig mache, sondern die anpackten.

Andererseits könne inzwischen auch eine deutliche Ernüchterung beobachtet werden. „Wir Deutschen“, sagte der Ministerpräsident, „geben uns derzeit wirklich alle Mühe, Mitgefühl und Mitmenschlichkeit walten zu lassen, aber wir stehen damit einigermaßen allein.“ Die Hoffnung der Bundesregierung auf das Mittun der europäischen Nachbarn habe getrogen. „Deutschland, Österreich und Schweden sind unter den vielen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union die Einzigen, die sich an dieser Stelle einer Verantwortung stellen.“

Viele andere täten so, als ob sie das Problem nichts anginge; wieder andere ächzten unter gewaltigen Lasten, betrachteten ihre Länder aber lediglich als Transiträume, von denen aus Menschen dann insbesondere nach Deutschland kommen könnten. „Unsere Herzen sind weit, aber unsere Möglichkeiten begrenzt“, zitierte das Landesoberhaupt aus einer am Tag der Deutschen Einheit von Bundespräsident Joachim Gauck gehaltenen Rede.

Perspektivisch vertrat Weil die Auffassung, den gegenwärtigen Zustand nicht unbeschränkt fortschreiben können. „Wir stoßen an unsere Grenzen, das spüren wir täglich mehr.“ Er hoffe indes darauf, seitens der Bundespolitik und vor allem seitens der europäischen Politik stärkere Fortschritte und ein stärker erkennbares Konzept präsentiert zu bekommen, als es derzeit der Fall sei.

Gleichwohl müsse man deutlich machen, dass Zuwanderung Deutschland erhalten bleiben wird. „Die Annahme, wir könnten gewissermaßen das Zugtor hochziehen, ist eine Illusion, das wird nicht gelingen“, sagte der Ministerpräsident. Jetzt stehe ein anstrengender Prozess bevor. Integration werde niemandem geschenkt, betonte der Referent – nicht der Gesellschaft, die Menschen aufnehmen soll, und auch nicht den Menschen, die in einer anderen Gesellschaft eine neue Heimat finden wollen. Anstrengungen seien etwa beim Wohnungsbau angezeigt. „Weil wir es nicht so weit kommen lassen dürfen, eine Konkurrenz entstehen zu lassen zwischen Menschen, die sich in unserer Gesellschaft sowieso benachteiligt fühlen.“

Darüber hinaus müsse sehr viel im Bildungswesen getan werden. Aus der Flüchtlingswelle der neunziger Jahre könne gelernt werden, „dass man sich von Anfang an insbesondere um Bildung und Qualifizierung bemühen muss“.

Allerdings sei die große Aufgabe der Integration nicht ohne bürgerschaftliches Engagement zu bewältigen. Weil: „Wir leben nicht in einem Staat, der alles regeln könnte, und wir wollen einen solchen Staat auch nicht haben.“ Benötigt würden unverändert Menschen, die mit anpackten und die sich mit zuständig fühlten. „Auf der anderen Seite“, meinte der Gast mit Blick auf die Asylsuchenden, „brauchen wir Menschen, die genau wissen: Um in einer neuen Heimat wirklich anzukommen, müssen sie selber hart anpacken.“

Er würde es gerne haben wollen, „dass Sie alle, wenn Sie in den nächsten Tagen Menschen begegnen, gut über die reden, die als Flüchtlingshelfer unterwegs sind, und dass diesen überall eine Anerkennung entgegenschlägt“. Ohne Ehrenamt sei in der Bundesrepublik kein Staat zu machen. Dessen ungeachtet müsse die richtige Relation zwischen Hauptamt und Ehrenamt gefunden werden.

Weil lobte die Bürgerstiftung als ein besonders gutes Beispiel dafür, was er meine: „Dass sich Menschen auf den Weg gemacht haben, die sagen, mein Beitrag zum Gemeinwohl besteht darin, dass ich versuche, es anderen zu ermöglichen, aktive Beiträge zu leisten.“ Abschließend appellierte er an die Besucher der Wohltätigkeitsveranstaltung: „Öffnen Sie Ihre Herzen für die Situation, [...], für die Menschen, die zu uns kommen und für die Menschen, die mit ihnen arbeiten, und – Sie ahnen es – öffnen sie auch ihren Geldbeutel für die Bürgerstiftung Schaumburg.“

Der Besuch des Ministerpräsidenten stelle „für uns eine gute Motivation zum Weitermachen“ dar, meinte Stiftungsratsvorsitzender Gebhard Hitzemann, der Weil gemeinsam mit Rolf Watermann, Vorsitzender des Stiftungsvorstandes, verabschiedete. bus

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