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Wichtigster Lernstoff: Der Alltag

Flüchtlinge lernen Deutsch in Eilsen Wichtigster Lernstoff: Der Alltag

„Wie heißen die Wörter?“, fragt Elke von Lukowicz die in der zurückliegenden Woche aufgegebene Hausaufgabe ab. Sechs Flüchtlinge sitzen an diesem Morgen vor ihr.

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Das Motto beim Sprachkurs: Keine Scheu an der Tafel.

Quelle: thm

Eilsen. Alle sind vorbereitet. Die deutsche Sprache zu erlernen, das wissen sie, ist für sie sehr wichtig. Je besser sie Deutsch können, desto leichter werden sie sich bei uns zurechtfinden.

Als wäre ein Wirbelwind übers Papier gefegt, finden sich auf dem Blatt, das vor den Schülern liegt, einige zerrupfte Wörter: „meNa“, „ileiFma“, „lEtren“, „dreKni“, „Shcewtsre“, „urBred“, „Nachmena“ und „aeVrt“. Wie leicht es den Flüchtlingen gefallen ist, die Buchstaben in die richtige Reihenfolge zu bringen, lässt sich nicht beobachten, denn dafür hatten sie in ihrem neuen Zuhause in der Samtgemeinde Eilsen eine Woche lang Zeit. Aber die richtigen Lösungen haben sie alle aufs Papier geschrieben: Name, Familie, Eltern, Kinder, Schwester, Bruder, Nachname und Vater.

Vor vier Monaten hat dieser Kursus begonnen. In zwei Wochen läuft er aus. „Deutsch als Fremdsprache“ heißt das Fach, das die Volkshochschullehrerin von Lukowicz studiert hat. Ihre Schüler bringen in der Regel keinerlei Vorkenntnisse mit, lernen unsere Sprache also von der Pike auf. Das Unterrichtsmittel erster Wahl ist ein 48 Seiten umfassendes Arbeitsheft nach dem „Thannhauser Modell“. Zwei pensionierte Schulleiter aus dem Landkreis Günzburg (Bayern) haben diesen Kursus entwickelt. Ziel: Anhand illustrierter und zweisprachig beschrifteter Arbeitsblätter sollen sich die Menschen möglichst schnell zurechtfinden können. Dem entspricht die Auswahl der Themen, die übersichtlich in Kapiteln all das versammeln, was Menschen an sprachlichem Rüstzeug benötigen, um ihren Alltag unter uns, mit uns meistern zu können.

Die Ziffern null bis neun sind wichtig, denn aus ihnen werden die Zahlen gebildet, auch die für fremde Ohren so ähnlich klingenden Zahlenpärchen wie „zwei – zwölf – zwanzig“ oder „sieben – siebzehn – siebzig“. Oder die in der Reihenfolge scheinbar verdrehten Zahlen wie 45 (also fünfundvierzig) oder 73 (also dreiundsiebzig). Die Zuwanderer beherrschen das in Deutsch bereits aus dem Effeff, und zwar rauf bis zur 100. Wochentage und Tageslauf, Tageszeit und Uhrzeit, Haushalt und Wohnen, Einkaufen, Körper und Gesundheit, Arbeiten und Lernen, Medien und Freizeit, Kleidung und Wetter, Verkehr und Orientierung, Religion und Brauchtum und natürlich das unvermeidliche Thema Behörden bringt von Lukowicz ihren Schützlingen näher.

Behörden – nicht nur für Flüchtlinge, sondern für uns alle ist das Wort oft bedeutungsgleich mit dem Begriff „Formulare“. Allein bei dem Gedanken daran graust es einen schon, jedenfalls die meisten. Wie wird es da wohl den Flüchtlingen gehen? Ihre Sprachtrainerin bringt es ihnen bei. Wort für Wort. Zeile für Zeile. Nachname, Vorname, Heimatland, das klingt noch einfach. Aber Adresse? Also das Nebeneinander von Postleitzahl, Straße, Wohnort und Hausnummer – aber in der richtigen Reihenfolge, bitteschön. Sicher ist: Die von den Weltläuften hierhergespülten Menschen werden Formulare ausfüllen müssen. Viele Formulare. Da kann man gar nicht früh genug zu üben beginnen.

„All das ist Überlebensdeutsch“, nennt von Lukowicz den Stoff, den sie ihren Schützlingen aus Albanien, Mazedonien, Palästina, Syrien, Afghanistan und dem Kosovo vermittelt. Mit dem Lernbuch nach dem „Thannhauser Modell“ seien sie jetzt, wo das Kursusende naht, bereits durch. „Jetzt wiederholen wir das eine oder andere, um das Erlernte zu vertiefen“, so die Lehrerin. Außerdem würden die inzwischen aufgebauten Kenntnisse nun erweitert, beispielsweise um wichtige Grammatikregeln.

Für diejenigen, die auch in ihrer Heimat des Lesens und Schreibens nicht kundig waren, gibt es ein auf diesen Kursus vorbereitendes Angebot. Organisiert wird das von dem Eilser Unterstützerkreis.

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