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Wie sich der Pastor um die Moral sorgte

Plattdeutscher Abend Wie sich der Pastor um die Moral sorgte

Es gibt im Schaumburger Land nur wenige Gemeinschaften, die noch die plattdeutsche Sprache pflegen. Dazu gehört der Eilser Heimat- und Kulturverein, der jetzt wieder zu einem „Plattdeutschen Abend“ eingeladen hatte.

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In dieser Runde auf der Bauerndiele der Familie Dreves wird nur Platt gesprochen.

Quelle: sig

Bad Eilsen. Dafür ausgewählt hatte man einen dazu passenden urigen Ort – die große Bauernhaus-Diele der Familie Dreves in Bad Eilsen. Wie zu erwarten war, nahmen an diesem Treffen nur Besucher jenseits der ersten Lebenshälfte teil. Die Jugend kümmert sich wenig um den Erhalt und die Pflege jener einst auf dem Lande im bäuerlichen Bereich üblichen Umgangssprache. Sie klingt irgendwie gemütlich, stressfrei und harmonischer als das mehr auf Abstand bedachte Hochdeutsch.

Wer die beiden Sprachen vergleicht, dem wird schnell auffallen, dass selbst ein Schimpfwort auf Platt milder klingt. Man kann in dieser Mundart auch leichter ein Späßchen miteinander treiben. Da klingt alles gemütlicher und friedfertiger.

Neckische Geschichten

Auf die Gespräche in der Diele hatten sich einige Teilnehmer besonders vorbereitet. Sie brachten schriftliche Aufzeichnungen von fast durchweg neckischen Geschichten mit. Diese konnte man sich früher am Gartenzaun erzählen oder beim Bierchen in der Dorfkneipe. Im Mittelpunkt standen häufig der Dorfgendarm oder der Pastor. Der eine sorgte sich um die Ordnung, der andere um die Moral seiner Mitbürger.

Beispiel: Einem Schäfer war die Frau gestorben. Nach einer Weile wurde ihm die anfallende Arbeit zuviel. Deshalb schaffte er sich eine Haushälterin an. Der um das sittliche Leben seines Mitbürgers besorgte Geistliche fragte den Schäfer, wo denn die Haushälterin schlafe. Die etwas verschämt klingende Antwort lautete: „In meiner Kammer.“ Es befinde sich aber ein Brett zwischen der einst ehelichen Lagerstätte. Und wenn die Versuchung zu groß würde, käme ein zweites Brett hinzu. Als der Pastor noch eindringlicher fragte, ob der Schäfer wirklich jeder Versuchung widerstehen würde, bekannte dieser: „Ganz so hoch ist die Bretterwand dann doch nicht.“ Auf diese Weise ersparte er sich den Gang zum Beichtstuhl.

Ehrlicher als Hochdeutsch

Es gab noch eine Fülle von Geschichten, die zum Beispiel vom Wochenmarkt in Bückeburg handelten und auch von den Erinnerungen an die Kriegsjahre und an die Zeit danach. Friedrich Winkelhake gab einige Dönekens zum Besten, und Willi Dreves übersetzte etliche Redensarten ins Plattdeutsche. Erstaunlicherweise klangen die dann ehrlicher und konkreter als die unpräzisen Umschreibungen auf Hochdeutsch. Die Lachmuskeln wurden stark strapaziert, und die Stimmung war prächtig.

Auch wenn diesmal die plattdeutsche Rezitatorin aus dem Auetal, die schon mehrfach in Bad Eilsen war, aus gesundheitlichen Gründen ausfiel, konnten sich die Besucher auch so gut gegenseitig unterhalten. Der Heimat- und Kulturverein will diese Brauchtumspflege fortsetzen. Die Familie Dreves verdient ein Dankeschön für die Gastfreundschaft. sig

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