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Die Angst bleibt

Hunde-Attacke in Buchholz Die Angst bleibt

Es fällt Melanie B. (Name von der Redaktion geändert) auch nach einem halben Jahr noch schwer, über den grausigen Vorfall zu sprechen. Anfang Februar attackierten zwei große Hunde die Buchholzerin und deren Zwergpinscher. Der kleine Hund wurde regelrecht zerfleischt, Melanie B. an den Händen schwer verletzt.

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Buchholz. Sie ist bis heute krankgeschrieben, leidet psychisch unter der Attacke, hofft auf eine baldige Wiedereingliederung.

Eigentlich wollte sie – genau wie ihre Nachbarn und Freunde aus dem Dorf – den Vorfall nicht an die die große Glocke hängen, schon allein aus Selbstschutz. Darum wurde der Fall im Winter auch nicht publik gemacht. Doch inzwischen treibt sie die Angst um, dass die gefährlichen Hunde erneut auf kleinere Tiere oder sogar Menschen losgehen könnten.

Und die Frage ist: Was haben offizielle Stellen eigentlich inzwischen unternommen, damit sich so etwas nicht wiederholen kann? „Wir haben mit Verweis auf das noch immer laufende Verfahren keine Auskunft bekommen“, sagt Melanie B. verärgert.

Das ist geschehen: Am 2. Februar waren Melanie B. und eine Nachbarin unterwegs, um ihre Hunde auszuführen. Auf dem Verbindungsweg Richtung Rolfshagen, der vom Buchenring abzweigt, trafen sie auf die Besitzer von drei großen Hunden, die ebenfalls mit ihren Tieren unterwegs waren.

„Wir haben die erst nicht gesehen, sonst hätten wir einen großen Bogen gemacht“, erinnert sich B. Die großen Hunde seien nämlich als aggressiv gegenüber kleineren Tieren bekannt gewesen, schon zuvor habe es zwei Zwischenfälle gegeben.

Doch für ein Ausweichen war es schon zu spät. Die großen Hunde waren zwar angeleint, trugen aber keine Maulkörbe und konnten von den Besitzern nicht gehalten werden. Einer ging auf den Zwergpinscher los, ein zweiter kam dazu. Melanie B. wollte dazwischen gehen, wurde zu Boden gerissen. Ein Hund biss sich an ihrer Hand fest, der andere tötete den Pinscher, riss dessen Eingeweide heraus.

In B.s Erinnerung zieht sich der Vorfall über mehrere Minuten hin, ohne dass die Besitzer der Angreifer dazwischengehen. Erst als ihre Nachbarin dem einen Tier mit der flachen Hand auf die Schnauze schlug, ließ dieses von Melanie B. ab.

Die Geschädigte erstattete Strafanzeige, die Bückeburger Polizei ermittelte, die Staatsanwaltschaft und das Veterinäramt wurden eingeschaltet. B. beauftragte einen Anwalt mit der Wahrnehmung ihrer Interessen.

Doch auch nach einem halben Jahr ist der Fall immer noch nicht abgeschlossen. Den Hundehaltern sei zwar von der Staatsanwaltschaft eine Geldbuße auferlegt worden, die auf ihre Schmerzensgeld-Ansprüche angerechnet werden soll, sagt die Geschädigte. Das Geld sei aber bisher nur zum Teil geflossen.

Noch mehr ist sie verbittert darüber, dass die Besitzer der gefährlichen Hunde nie den persönlichen Kontakt zu ihr gesucht, geschweige denn sich entschuldigt hätten. „Wenn die sich nicht persönlich trauen, könnten sie ja wenigstens einen Brief schreiben“, sagt das Opfer. Auch mit der Versicherung der Hundehalter gibt es noch keine Einigung: Das sei „ganz schlimm“, man wolle ihr eine Teilschuld anhängen.

Und dann die allgemeine Verunsicherung im Dorf: „Wir wissen überhaupt nicht, woran wir sind“, beklagt sich eine Buchholzerin, die für viele Nachbarn, Eltern von kleinen Kindern und Haltern von kleinen Hunden spricht, im Gespräch mit dieser Zeitung. Die zuständigen Behörden schwiegen sich aus, sagt sie. Ihre brennenden Fragen: Besteht noch eine akute Gefahr? Hat es Auflagen der Behörden gegeben? Und wie werden diese überwacht?

Es sei nämlich beobachtet worden, dass die Besitzer der aggressiven Tiere nun mit ihren Hunden täglich davonfahren. Die Hunde sollen jetzt in Ahe und Hessisch Oldendorf an der Weser gesehen worden sein – ohne Leine, ohne Maulkorb. „Da weiß doch niemand Bescheid“, sorgt sich auch Melanie B.: „Ich will doch nur, dass nie wieder so etwas passiert.“

Andrea Stüdemann könnte Licht ins Dunkel bringen. Die Kreisverwaltungsdirektorin ist als Dezernentin auch für das Veterinäramt des Landkreises zuständig. Aber: „Der Fall läuft noch“, sagt sie auf Anfrage. Deshalb – und aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes – dürfe sie nur allgemein über solche Verfahren Auskunft geben, nicht aber auf den konkreten Fall bezogen. Zudem laufe noch ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht gegen den Landkreis, begründet sie ihr Schweigen.

Nach Bekundungen von Melanie B. und der Nachbarn haben diese jedoch nicht gegen den Kreis geklagt. Nach dem Niedersächsischen Gesetz über das Halten von Hunden (NHundG) kann die Behörde nach Prüfung des jeweiligen Falls die „Gefährlichkeit“ des Tieres feststellen. Das geschehe in der Regel sehr schnell, so Stüdemann.

Das Gesetz erlaubt das Halten eines gefährlichen Hundes nur nach Bewilligung eines entsprechenden Antrags. Außerhalb ausbruchsicherer Grundstücke müssen solche Hunde angeleint werden und haben einen Beißkorb zu tragen. Die Erlaubnis wird nur erteilt, wenn die Halter einen Sachkundenachweis erbracht haben und „die Fähigkeit des Hundes zu sozialverträglichem Verhalten durch einen Wesenstest nachgewiesen ist“, heißt es im NHundG.

Normalerweise müsse ein solches Verfahren nach drei Monaten abgeschlossen sein, sagt Stüdemann. Allerdings könne diese Frist verlängert werden. Grund für die Verlängerung könnte beispielsweise sein, dass man auf den Termin für einen Wesenstest des Hundes an der Tierärztlichen Hochschule länger warten muss. Sofort erteilte Auflagen wie Leinen- oder Maulkorbzwang würden auch durch die Ordnungsämter der Gemeinden überwacht. Ebenso würden die örtlichen Polizeidienstellen informiert. Ansprechpartner bei Problemen sei das Veterinäramt. Dort seien allerdings keine konkreten Hinweise darauf eingegangen, dass es erneut Probleme mit den betreffenden Buchholzer Hunden gegeben hat.

kk

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