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„Du kommst mit – das ist dein Ding“

Buchholz „Du kommst mit – das ist dein Ding“

Es ist ja immer ein schwerer Schritt, seiner Heimat den Rücken zu kehren, um in der Fremde eine gedeihliche Zukunft zu finden. Wenn dieser Weg dann auch noch Staatsgrenzen überwindet, kommen fast immer bürokratischen Hemmnisse dazu, manches Mal sogar Klippen, die sich gar nicht umschiffen lassen. Und dann gibt’s die Fälle, da geht alles ganz leicht…

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Steve Smith: Die Probleme wollten und wollten nicht kommen.

Quelle: thm

Buchholz. Steve Smith (56) ist in der Stadt eines berüchtigten Sheriffs und eines legendären Wegelagerers und Wohltäters der Armen geboren worden: in Nottingham. 1976 hatte er in seiner alten Heimat bei der British Army eine Anstellung gefunden, genauer beim Infanterieregiment „Royal Green Jackets“, und zwar als Saxofonist und Klarinettist. „So kam im Oktober 1980 nach Minden“, erzählt Smith, der zunächst an der unteren Portastraße in den heute verschwundenen Clifton Barracks stationiert war.

 Wie hat der Militärmusiker Kontakt zu Deutschen bekommen? Ein Bekannter sei mutiger gewesen als er selbst zu der Zeit, erinnert sich Smith. Der habe viele deutsche Musiker damaligen ,Szene‘ gekannt und ihn – „Du kommst jetzt mal mit, das ist genau dein Ding“ – regelrecht an die Hand genommen. „Für mich war das der Wendepunkt. Ich habe ganz viele Leute kennengelernt und sofort Anschluss gefunden.“

 Als Großbritanniens Regierung Anfang der 80er-Jahre die Army aus Kostengründen umstrukturierte, fielen dem Rotstift auch etliche der Militärmusikkapellen zum Opfer. „Sie fragten uns: Wer geht freiwillig, bevor wir aussortieren? Da habe ich mich gemeldet.“

 Zwar noch ohne Arbeit, aber mit seiner Army-Abfindung und dem Nachweis einer Wohnung, die er schon als Soldat gemietet hatte, im Rücken, erhielt Steve Smith eine auf ein Jahr befristete Aufenthaltserlaubnis für Deutschland. Damit startete er durch. „Zunächst habe ich in Kneipen gejobbt“, erinnert sich Smith. Schnell fand der Hobby-Rockmusiker eine Anstellung als Fachverkäufer in einem Musikalienhandel. Die Tätigkeit bei Wilczek und Gaul im Petershagener Ortsteil Döhren war, wenn man so will, die Eintrittskarte für eine länger als nur zwölf Monate dauernde Zukunft in Deutschland.

 Die Europäische Union gab es damals noch nicht, deren Gründung wurde erst 1992 beschlossen. Naturgemäß gab es deshalb auch deren Freizügigkeitsgesetz noch nicht. Dieses Gesetz erlaubt heutzutage jedem EU-Bürger, in einen Mitgliedsstaat einzureisen und sich dort aufzuhalten, dort zu arbeiten oder Arbeit zu suchen.

 Und dennoch: „Große Probleme gab’s nicht“, sagt Smith. Wurde sein Führerschein anerkannt? „Ja, sofort. Mit meinem britischen Führerschein bin ich zum Straßenverkehrsamt gegangen, und die haben mir sofort einen neuen ausgestellt; das war’s“, erinnert er sich noch an den in Deutschland damals üblichen „grauen Lappen“. Gab es andere Hemmnisse? Für den Fall der Fälle habe er damals ein Buch über das deutsche Ausländerrecht gekauft. „Da hatte ich nun dieses Buch – aber die Probleme wollten und wollten nicht kommen“, lacht Smith. „Schwierigkeiten? Diese ganze ,Ausländerproblematik‘ kenne ich nicht.“

 Und dann fällt ihm doch noch eine Gegebenheit ein, an der er zum ersten und auch einzigen Mal gemerkt hat, dass die Dinge nicht jederzeit glatt laufen können. Als er 1985 seine deutsche Freundin Heike heiraten wollte, da brauchte er dazu die Erlaubnis einer Behörde – einer britischen Behörde. thm

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