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Buchholz ,,Es war alles voller Blut“
Schaumburg Eilsen Buchholz ,,Es war alles voller Blut“
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18:15 09.11.2018
Buchholz/Bückeburg

Am Abend des 16. Mai geht bei der Polizei ein Notruf ein. „Ich habe meine Frau niedergestochen und mich auch gestochen“, sagt ein Mann aus Buchholz und nennt seine Adresse. „Warum machen Sie denn so was?“, fragt der Beamte am anderen Ende der Leitung. Antwort: „Ich bin bekloppt.“

Zum Auftakt des Prozesses gegen den heute 57-Jährigen, dem versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen werden, hat das Gericht diesen Anruf am Freitag vorgespielt. Richter Thorsten Garbe, Vorsitzender der zuständigen Großen Strafkammer am Bückeburger Landgericht, fragte den Angeklagten daraufhin: „Kommt Ihnen jetzt die Erinnerung? Hand aufs Herz.“

Hintergrund: Der Buchholzer will an die insgesamt 13 Messerstiche keine Erinnerung mehr haben. Dabei bleibt es. Nach der Tat habe er allein neben dem Bett gelegen. „Das Bett, es war alles voller Blut“, erklärte er. An dem Tag will er „ganz komisch drauf“ gewesen sein.

Fest steht, dass sich der 57-Jährige die Klinge nach der Bluttat in den Bauch gerammt hat. „Als mir klar wurde, was ich getan habe, habe ich mir das Messer selber reingemacht“, so der Angeklagte. Bei der Frau waren mehrere Organe getroffen worden. Die Schwerverletzte und ihr Mann kamen in verschiedene Krankenhäuser, beide wurden gerettet. Dem Opfer war es gelungen, blutüberströmt zum Nachbarhaus zu flüchten.

Zuvor in der Psychiatrie vorstellig

Fest steht außerdem, dass der Mann im Krankenhaus und in einer psychiatrischen Klinik vorstellig geworden war, einmal zwei Monate, einmal drei Wochen vor dem blutigen Ehedrama. Der Buchholzer soll Suizidgedanken geäußert und die Gefahr gesehen haben, er könne eines Tages seine Frau und sich selbst umbringen. Eigenen Angaben zufolge litt er unter starken Kopfschmerzen, will zeitweise Stimmen gehört und „geistige Aussetzer“ gehabt haben. „Ich habe meine Frau geliebt und liebe sie noch immer“, versicherte der 57-Jährige.

Nach Erkenntnissen von Klaus Jochen Schmidt, Leitender Oberstaatsanwalt in Bückeburg, wollte sich das Ehepaar am Tatabend gegen 20 Uhr schlafen legen. Der Mann soll jedoch auf seine Frau eingeredet und schließlich im Streit gesagt haben: „Du willst es ja nicht anders. Jetzt bekommst du, was du willst.“ Mit dem Anglermesser, das der 57-Jährige laut Anklage zwischenzeitlich geholt hatte, soll er dann immer wieder zugestochen haben. Die Frau habe versucht, mit einer Hand nach der 20 Zentimeter langen Klinge zu greifen. Vor der Tat sollen die Eheleute einige Flaschen Bier getrunken haben, jedoch keine größeren Mengen.

Am nächsten Prozesstag berichtet die Frau, was damals passiert ist. Richter Garbe hat fünf Sitzungen anberaumt, 13 Zeugen und zwei Gutachter geladen. Einer der Sachverständigen soll unter anderem die Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten beurteilen, der früher bereits in der Psychiatrie war. Das Urteil wird für Anfang Dezember erwartet.

ly