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Unsichere Querungshilfen?

Bückebergstraße in Buchholz Unsichere Querungshilfen?

Vor Kurzem hatte unsere Zeitung gefragt, ob die drei an sich in bester Absicht in die Bückebergstraße in Buchholz eingebauten Querungshilfen in der Praxis nicht vielleicht doch zu gefährlich sind – und zwar für Kinder, die an diesen Stellen über die Straße wollen.

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Eine Fußgängerampel könnte – zusätzlich zu der bereits vorhandenen Querungshilfe – dazu dienen, das Überqueren der Bückebergstraße für Kinder sicherer zu machen.

Quelle: wk

BUCHHOLZ. Anlass dafür hatte ein mit einem Buchholzer Bürger geführtes Gespräch gegeben, in dem der Familienvater berichtet hatte, dass es an der nahe dem Dorfgemeinschaftshaus gelegenen Querungshilfe schon mehrfach zu Beinahe-Unfällen gekommen sei.

Unter anderem deshalb, weil sich Kinder an solchen Querungshilfen fälschlicherweise so verhalten, als handele es sich um einen Zebrastreifen. Das bedeutet: Wenn beispielsweise ein von links kommender Autofahrer wohlmeinend anhält, um den am Straßenrand wartenden Kindern freie Bahn einzuräumen, laufen diese mitunter gleich über beide Fahrstreifen – in der Annahme, dass automatisch auch der von rechts kommende Verkehr anhalten wird.

Viele Ideen für die Querungshilfen

Inzwischen haben sich mehrere Leser zu diesem Thema geäußert. So schreibt Natascha Mühlhan, dass die Querungshilfen „bei korrektem Verhalten von Kindern und vorausschauendem Fahren von Erwachsenen“ nicht gefährlich seien. Gleiches gelte ihrer Meinung nach für die Benutzung eines Zebrastreifens oder einer Fußgängerampel. Allerdings könne man nicht davon ausgehen, dass sich Kinder im Straßenverkehr richtig („verkehrssicher“) verhalten, so Mühlhan, denn „eine solche Verantwortung können manche Kinder noch nicht voll tragen“. Daher obliege es ihrer Ansicht nach den Kraftfahrern, entsprechend vorausschauend zu fahren.

Hinsichtlich der – ebenfalls von dem eingangs erwähnten Buchholzer Familienvater monierten – Verkehrszeichen, die etwaige auf der Verkehrsinsel der Querungshilfe wartende Kinder verdecken, empfiehlt Mühlhan, diese Verkehrszeichen abzumontieren. Autofahrer sollten nämlich „wissen, wie man zu fahren hat“.

„Grundsätzlich hätte ein Zebrastreifen wohl letztlich weniger gekostet, aber dann hätte man ja den Autoverkehr ausgebremst“, kommentiert Michael Köllner die Situation, und fragt: „Warum nicht in dem Bereich Tempo 30?“ Sinnvoll wäre es seiner Meinung nach auch, Schwellen in die Bückebergstraße einzubauen, um dadurch die dort gefahrenen Geschwindigkeiten zu senken.

Und Andreas Paul Schöniger schlägt vor, die Querungshilfen mit einer Bedarfsampel (Fußgängerampel) oder einem Zebrastreifen zu kombinieren, um so die Sicherheit für die Kinder zu erhöhen. Dies wäre eine Lösung, die „fast ideal“ sei.

"Tückisches" Problem bei Zebrastreifen

„Zebrastreifen, Ampel, Tempo 30 – alles gut und schön. Aber da das eine Landesstraße ist, war es schon ein Wahnsinnsakt, überhaupt Querungshilfen genehmigt zu bekommen“, schreibt Gundi Loda. „Ursprünglich hatte Buchholz versucht, den Verkehr etwas zu beruhigen – nur leider darf der Verkehrsfluss der Landesstraße nicht verringert werden. Die genauen Formulierungen kenne ich jetzt nicht, ich weiß aber, dass das ein Riesentheater war, überhaupt etwas in der Art hier bauen zu dürfen. Zebrastreifen darf man halt nicht einfach so auf Landesstraßen malen.“

Vier Kommentare, zu denen wir, da es sich bei der Bückebergstraße um eine Landesstraße handelt, den Leiter der Geschäftsstelle Hameln der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Markus Brockmann, um eine Stellungnahme gebeten haben.

Mit dem Einbau der Querungshilfen habe die Gemeinde Buchholz schon eine Menge getan, um die Sicherheit der Fußgänger zu verbessern, betont der Experte. Bei den Querungshilfen müssen sich diese nämlich nur auf eine Fahrspur konzentrieren, da sie ja einen Zwischenstopp auf der Verkehrsinsel einlegen können. Dass Kinder, je nachdem wie alt sie sind, auch damit überfordert sein können, sei allerdings nicht auszuschließen, räumt er ein. So gebe es eine wissenschaftliche Studie, im Rahmen derer festgestellt worden sei: „Kinder sind erst mit 14 Jahren langsam in der Lage, Entfernungen und Geschwindigkeiten richtig einzuschätzen.“ Das Gehirn sei einfach noch nicht so weit.

„Um das Überqueren von Straßen sicherer zu machen, werden oftmals Zebrastreifen gefordert“, führt Brockmann weiter aus. Jedoch bestehe bei Zebrastreifen das „tückische“ Problem, dass diese Sicherheit versprächen, die aber nur dann gegeben sei, wenn die „Randbedingungen“ stimmten. Das bedeutet: Wenn ein Zebrastreifen von zu wenigen Fußgängern benutzt wird, ist dieser – belegt durch entsprechende Untersuchungen – für an dieser Stelle regelmäßig vorbeikommende Autofahrer irgendwann „nicht mehr präsent“. Mit der Folge, dass dort dann so gefahren wird, als sei der Zebrastreifen nicht vorhanden. Daher werden Zebrastreifen mitsamt zwingend dazugehörender orange-roter Straßenbeleuchtung gezielt nur dort eingerichtet, wo diese täglich von zahlreichen Fußgängern frequentiert werden.

Chance für Tempo-30 "äußerst gering"

Beides zusammen – also ein Zebrastreifen plus Straßenbeleuchtung – kostet laut Brockmann, abhängig davon, ob bereits ein Stromanschluss vorhanden ist oder ob dieser noch gelegt werden muss, ungefähr so viel, wie eine moderne Fußgängerampel: circa 20000 bis 50000 Euro. Damit das Land Niedersachsen die Investition bezahlt, sind zudem „bestimmte Querungszahlen“ die Voraussetzung – und zwar zwischen 30 und 50 Fußgänger pro Stunde. Wird die Querungsstelle als Schulweg ausgewiesen, reichen auch schon 30 Kinder pro „Spitzenstunde“, damit das Land die Kosten übernimmt. In allen anderen Fällen müsse dagegen die Gemeinde die Installation der Fußgängerampel finanzieren, so Brockmann.

Dabei stehe dem Aufstellen einer Fußgängerampel nicht entgegen, dass es sich bei der Bückebergstraße um eine Landesstraße handelt. Erforderlich sei indes, dass auch der Landkreis Schaumburg und die Polizei deren Installation befürworten, sagt Brockmann.

Apropos: Wenn auf der Verkehrsinsel wartende Kinder von dortigen Verkehrszeichen verdeckt werden können, wäre dies auf jeden Fall ein Thema für die sogenannte „Verkehrsbesprechung“, an der Vertreter des Landkreises, der Polizei und der Landesstraßenbaubehörde teilnehmen.

Die Chance, dass die Bückebergstraße zur Tempo-30-Zone erklärt werden könnte, hält Brockmann für „äußerst gering“; ebenso, dass dort Bodenschwellen in die Fahrbahn eingebaut werden. Solche Schwellen gehören in Wohngebiete mit wenig Straßenverkehr, aber nicht auf eine Hauptverkehrsstraße, auf der bis zu 50 Stundenkilometer erlaubt sind, erklärt er. „Zumal da es laut rappelt, wenn Lastwagen über solche Schwellen fahren.“ wk

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