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„Keinen Kaviar gegessen“

Heeßen/Bückeburg / Gerichtsprozess „Keinen Kaviar gegessen“

„Darf ich sitzen bleiben?“, fragt Staatsanwalt André Lüth. „Brauchen Sie ein Wasser?“, antwortet Richterin Birgit Brüninghaus mit einer Gegenfrage. Nicht nötig. Nach einer halben Stunde hat es der Staatsanwalt geschafft. Die Anklageschrift, bestehend aus mutmaßlich 147 Fällen von Untreue, ist verlesen.

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Quelle: dpa

Heeßen/Bückeburg. Lüths Vorwürfe richten sich gegen eine 58-Jährige aus Heeßen, die als Gesellschafterin einer Kommanditgesellschaft mit Sitz in Heeßen Geld verschoben haben soll, um entweder eigene Verpflichtungen oder Verbindlichkeiten von Wohnungseigentümergemeinschaften auf diversen Konten zu tilgen.

 „Wir haben ganz normal gelebt, keinen Kaviar gegessen und keinen Luxusschlitten gefahren“, betont die Frau, die sich seit gestern vor der 1. Großen Strafkammer am Bückeburger Landgericht verantworten muss. Schaden: laut Anklage fast 300000 Euro.

 Gekauft hatte das Unternehmen ihr Mann. Die KG befasste sich mit Hausverwaltung und wohl auch Immobilienvermittlung. Sie betreute fast zwei Dutzend Eigentümergemeinschaften, zum Beispiel in Bückeburg, Obernkirchen, Stadthagen und der Samtgemeinde Eilsen. Um 2005 hatte die Gesellschaft regen Zulauf. Begonnen haben die Unregelmäßigkeiten im Dezember 2006.

 Ursprünglich war auch der Mann angeklagt, ein früherer Immobilienmakler. Dieser ist jedoch zwischenzeitlich verstorben. Nach Angaben seiner Frau hatte er Schulden in Millionenhöhe. Hinzu kommt, dass die KG nach Darstellung der Witwe bereits bei der Übernahme im Jahr 2001 marode war. „Die Firma hat sich überhaupt nicht gelohnt“, erklärt die Angeklagte, die für ihre Mitarbeit „weder Gehalt bekommen, noch Geld aus der Firma gezogen“ haben will.

 Denkbares Motiv für die Taten: Das Ehepaar könnte den Überblick verloren und die Köpfe in den Sand gesteckt haben, um nach außen den Schein zu wahren. Schon jetzt steht so gut wie fest, dass die Heeßerin Bewährung bekommt. In einem Rechtsgespräch haben sich die beteiligten Juristen zum Auftakt auf eine Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren verständigt, deren Vollstreckung ausgesetzt werden soll.

 Voraussetzung ist ein Geständnis, mit dem die 58-Jährige am ersten Verhandlungstag begonnen hat. Falls dabei völlig andere Erkenntnisse herauskommen als jene, welche die Kammer erwartet, fühlt sich das Gericht an die Absprache nicht gebunden. Bleibt es dabei, soll die Angeklagte außerdem 500 Stunden gemeinnützig arbeiten. Vor dem Strafprozess saß sie in Erzwingungshaft, nachdem Gläubiger mit Versäumnisurteilen Titel erwirkt hatten. ly

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