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„Kippt der Schornstein, knallt er bis in den Keller“

Heeßen / Altbau der Grundschule wird zur Gefahrenquelle „Kippt der Schornstein, knallt er bis in den Keller“

An der Grundschule in Heeßen drängt die Zeit, Rektor Joachim Preuß und Hausmeister Dieter Wittkowski schlagen Alarm, denn: Das Dach des 1928/29 errichteten Altbaus muss dringend erneuert werden.

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Der Schein trügt – wie so oft, so auch hier: Das Dach des Altbaus der Grundschule ist völlig marode. Insbesondere der Schornstein ist eine Gefahrenquelle.

Quelle: tw

Heeßen (tw). „Ich würde damit kein Jahr mehr warten“, betont Helmut Göbel. Der Stadthäger Planer: „Der große Schornstein gleicht inzwischen einem Steinbruch, seine vier Stützen drohen durchzurosten. Wenn der fällt, dann knallt er durch bis in den Keller.“ Zudem bröckele das Mauerwerk im Dachbereich, dem die jüngsten Minustemperaturen von 18 Grad böse zugesetzt hätten. Das Dach arbeite und schiebe. Ab und an lösten sich bereits Ziegel und stürzten in die Tiefe.

 Der Eilser Bauausschuss, der unter Regie von Christel Bergmann im TSV-Vereinsheim tagt, erkennt das Gebot der Stunde: „Eine Neueindeckung des Daches muss für uns alle mit Blick auf die Sicherheit der Kinder absolute Priorität haben“, erklärt Hartmut Krause (CDU). Das sehen die Kollegen der Gruppe SPD/Grüne ebenso. Ihre einstimmige Empfehlung: Im aktuellen Etat eine Summe von 150000 Euro für ein neues Dach bereitstellen. Eile ist aber auch noch aus einem anderen Grund geboten: Denn die Kosten für die mögliche Maßnahme sind gegenüber den ersten Berechnungen zu einem früheren Zeitpunkt bereits um 15 Prozent gestiegen – und steigen munter weiter. Ob der Samtgemeinderat dem Fingerzeig des Bauausschusses folgt, entscheidet er bei seiner Zusammenkunft am Donnerstag, 22. März, um 19 Uhr im „Heeßer Krug“.

 Dass die Politiker handeln müssen – das hatten sie bereits Ende Mai 2010 bei einem Ortstermin erkannt. Zwischenzeitlich hat Göbel eine nach Gewerken aufgeteilte Kostenschätzung vorgelegt – vom Baugerüst bis zum Maler. Danach wird das Neueindecken Eilsen 142000 Euro brutto kosten. Da das Dach unter Denkmalschutz steht, sind ein Bauantrag und eine Baugenehmigung sowie eine öffentliche Ausschreibung nötig. Der Planer zu den Kosten im Einzelnen: „Der Gerüstbau schlägt mit 6700 Euro zu Buche, die Abbrucharbeiten mit 9000 Euro.“ Für die Dachdecker-Vorarbeiten wären 15800 Euro zu zahlen, für die Leistungen des Klempners müsste die Samtgemeinde mit 23250 Euro rechnen. Mit 20000 Euro steht die Dacheindeckung in der Kostenschätzung, mit 4000 Euro die Dachfenster in den Abseiten. Den Blitzschutz muss sich Eilsen 2700 Euro kosten lassen, die Maurerarbeiten 3500 Euro. Ein Tischler soll zehn neue Fenster einbauen; dafür wären 14000 Euro fällig. Am billigsten weg käme die Gemeinde noch bei den Malerarbeiten, für die Göbel 930 Euro einkalkuliert hat.

 „Bei dieser Kostenermittlung habe ich vor Ort das Aufmaß genommen und hautnah gerechnet“, betont der Planer. Das habe ähnlich bereits bei den Kitas gut geklappt. Die Kosten nach der DIN-Norm DIN 276 zu ermitteln, wie es zuvor Ratsmitglieder der SPD angeregt hatten – das hält Göbel in Heeßen dagegen nicht für machbar. Samtgemeindebürgermeister Bernd Schönemann gibt ihm recht: „Bei dem DIN-Fall, der von Ratsmitgliedern ins Feld geführt worden ist, ging es nicht um das Dach einer Schule, sondern um den Neubau einer Feuerwehrtechnischen Zentrale.“ Den Fall auf Heeßen anzuwenden, sei absurd. Beispiel: Wenn in der DIN-Norm, die beim Neubau jener Zentrale Anwendung fand, der Posten „Kunstwerke“ auftauche, dann könne er, Schönemann, nur sagen: „Kunstwerke sind auf dem Dach der Grundschule Heeßen nicht vorgesehen.“

 Derweil hat Gerhard Hasse gut aufgepasst. Dem Ratsherrn der Gruppe CDU/Hasse ist aufgefallen, dass in Göbels Rechnung keine Kosten für die Dämmung des Daches auftauchen: „Soll das Dach denn nicht gedämmt werden?“, will er wissen. „Es wird keine Dämmung geben“, macht Göbel deutlich. Der Planer: „Das Dach wird aber beim Neueindecken so vorbereitet, dass später eine Unterdämmung erfolgen kann.“ Aktuell verzichtet Göbel darauf, weil „eine Dämmung weitere 40000 bis 50000 Euro kosten würde“. Preistreiber sei dabei die neue Wärmeschutzverordnung, die einen Auftrag von 16 Zentimetern Mineralwolle und acht Zentimetern Unterdämmung fordere.

 Planer wie Politiker glauben indes, auf diese Dämmung und damit auf die Kosten guten Gewissens verzichten zu können. Denn das Dachgeschoss werde von der Schule nicht genutzt, die ohnehin nicht ausgebauten Räume stünden mit Masse leer respektive würden allenfalls als Abstellkammern genutzt.

 Willy Dreves (CDU) möchte weitere Kosten sparen: „Ist der Einbau von Velux-Dachfenstern nötig?“ Wenn es nur um Lichteinfall auf den Dachboden gehe, täten es doch vielleicht auch günstigere Glasziegel. „Leider nein“, winkt der Planer ab. Glasziegel in einem Baudenkmal würden die Denkmalschützer nicht goutieren, „wir müssten sie im Zuge der Bauabnahme wieder rausreißen“.

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