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Langfingern das Handwerk erschwert

Heeßen / Fahrräder Langfingern das Handwerk erschwert

Ein Auto hielt bei der Grundschule an. Auf dem Heckträger hatte der Fahrer zwei Stahlrösser deponiert. Mit polizeilicher Hilfe wurden die blank geputzten, recht modernen Räder abgeladen und zu der Stelle gebracht, an der sie codiert werden sollten.

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Polizeioberkommisssarin Swintha Buhrmester bei der Arbeit.

Quelle: sig

Heeßen. Sofort zur Tat zu schreiten war nicht möglich, denn da waren vorab ein paar Dinge zu klären. Per Unterschrift musste das Einverständnis zu dieser Sicherheitsmaßnahme erteilt werden. Zudem hatte sich jeder Besitzer eines Fahrrades auszuweisen. Danach wurde eine Schablone mit der Kombination von Buchstaben und Zahlen festgelegt, die „man“ in das Sattelrohr einfräste.

 „Man“ war in diesem Fall eine fachkundige Frau, die Oberkommissarin Swintha Buhrmester. Sie brachte mit wenigen Handgriffen jenes sinnvoll konstruierte Gerät am Fahrrad an, mit dem die Daten aus der Schablone verkleinert übertragen werden können. In der Fachsprache wird das Pantograf genannt.

 Die in diesem Fall eingefräste Codierung hatte 16 Stellen. Dazu gehörten die Initialen des Eigentümers, die Kennung für das Bundesland, den Landkreis, den Wohnsitz, Straße und Hausnummer. Buhrmester: „So ist es für uns kein Problem, in kürzester Zeit den Besitzer eines gestohlenen oder einfach nur herrenlos aufgefundenen Rades zu ermitteln. Alle Codierungen werden per PC in einer Datei erfasst, und wir haben auch einen Zugriff auf die Daten aus anderen Bundesländern.“

 Die Polizeibeamtin erinnerte sich an einen Fall, bei dem einem Eigentümer sein Rad zurückgegeben werden konnte, das aus einem Stall gestohlen worden war und dessen Verschwinden er noch gar nicht bemerkt hatte.

 Die Codierung habe, wie sie uns versicherte, zu einem spürbaren Rückgang von Fahrraddiebstählen geführt. Solche Stahlrösser ließen sich auch schlecht verkaufen. Natürlich sei es der allerbeste Schutz, sein Rad immer so abzustellen und anzuketten, dass es sich nicht problemlos entfernen lässt. Nach uns vorliegenden Informationen sind zum Beispiel in Berlin solche Diebstähle um 30 Prozent zurückgegangen.

 Und falls ein Langfinger die eingefräste und mit einem Aufkleber gegen Korrosion geschützte Kennung entfernt, dürfte das immer den Argwohn eines aufmerksamen Käufers auslösen und ihm zum Verzicht auf ein solches Geschäft veranlassen. Ein Hinweis bei der Polizei könnte da zusätzlich sehr nützlich sein.

 Swintha Buhrmester berichtete, dass sie im Bereich des Polizeikommissariats Bückeburg, zu dem die Samtgemeinde Eilsen, Obernkirchen und Nienstädt gehören, in diesem Jahr an die 300 Codierungen vorgenommen hat. In Heeßen waren es immerhin innerhalb der ersten Stunde schon zehn.

 Es fiel auf, dass sich darunter vor allem neuwertige Räder und sogar etliche E-Bikes befanden, die offensichtlich zahlenmäßig stark zunehmen. Stolz berichtete uns ein Besitzer, dass er mit seinem Bike ohne Anstrengung die stark ansteigende Harrl-Allee in Bad Eilsen hochfahren könne. Er schaffe unterwegs auch Tempo 25, und der Strom in seinem Akku reiche durchaus für hundert Kilometer.

 Aber diese Entwicklung führe auch zunehmend zu schwereren Verkehrsunfällen, gab die Oberkommissarin zu bedenken. Sie selbst sei einmal erschrocken gewesen, als sie von einem schnellen E-Biker unvermittelt überholt worden sei, „weil man ihn ja nicht kommen hört“. sig

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