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Mammutzahn-Fund wird zum Medienspektakel

Heeßen / Trubel Mammutzahn-Fund wird zum Medienspektakel

Der Fund eines Stoß- und eines Mammut-Backenzahns auf dem Hof Hasse (wir berichteten) hat sich mittlerweile zu einem Medienspektakel entwickelt.

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Stolz trägt der zehnjährige Justus Hasse den Stoß- und den Backenzahn des Mammuts.  

Quelle: möh

Heeßen (möh). Der Norddeutsche Rundfunk berichtete bereits mit einem zehnminütigen Beitrag im Rundfunk und auch im Fernsehen. Ihr Interesse haben ebenfalls die privaten Fernsehsender SAT1 und RTL angemeldet. Sie werden in den nächsten Tagen erwartet, um ihren Zuschauern Einzelheiten über den nicht alltäglichen Fund zu berichten.

 Stinksauer über die momentane Popularität des Hofes und der Familie Hasse ist jedoch Baggerfahrer André Libor, der mit seiner Schaufel sehr vorsichtig umging und damit erst dafür sorgte, dass der Fund unbeschadet das „Licht der neuen Welt erblickte“. Wenigstens, so klagt er Hasse an, habe er erwartet, dass er als Finder mit seinem Namen erwähnt worden wäre. Ein archäologischer Experte bezeichnet den Knochenfund hingegen „als toll, aber nicht unbedingt als Sensation“. Das Thema sei einfach „deutlich zu hoch aufgehängt“.

 Baggerfahrer Libor erinnert sich genau, wie und wann er mit seinem Arbeitsgerät die Zähne an die frische Luft beförderte. Er habe am ersten Tag die Grube für die Fahrzeugwaage auf dem Hof Hasse ausgebaggert. In der Nacht sei Regen gefallen, und am nächsten Morgen habe er daher die Schicht Schlamm, mit der kein Fundament möglich gewesen wäre, noch vorsichtig abgetragen. Ein Helfer habe darauf geachtet, dass er nicht zu viel Erde aus der Grube geholt habe.

 Plötzlich habe dieser Mitarbeiter den Stoßzahn in der Hand gehabt – und wollte ihn als vermeintlichen Ast eines Baumes schon wegwerfen. Er, so Libor, habe sofort gesehen, dass es sich um etwas anderes handeln musste. Gleichzeitig mit dem Stoß- sei auch der Backenzahn aufgetaucht. Libor: „Beide Stücke habe ich dann an die Seite gelegt. Meine Kollegen haben mich ausgelacht, als ich meinte, es müsse sich um Knochen eines uralten Tieres handeln.“

 Am nächsten Morgen habe der „Schatz“ dann immer noch unbeachtet neben der Grube gelegen, bis sich dann schließlich die Familie Hasse um die Zähne gekümmert habe. Sie mussten ins Wasser gelegt werden, damit das Elfenbein nicht vertrocknet und zu Staub zerbröselt.

 André Libor kennt sich nach eigenen Angaben mit alten Knochen aus, da er mit seinem Bagger immer in der Erde wühle. Kürzlich noch habe er einen verschlammten Teich, der um 1920 angelegt worden sei, wieder auf vier Meter ausgebaggert und sei dabei auf viele Knochen gestoßen. Zudem seien alte Knochen „eine Art Hobby“ von ihm. Regelmäßig informiere er sich zudem im Internet über dieses Thema. Er empfinde es einfach als traurig, so habe er es auch der zuständigen Behörde in Hannover telefonisch mitgeteilt, dass er als Finder nicht einmal mit seinem Namen genannt werde. Daher: Wenn er in Zukunft mit seiner Baggerschaufel noch einmal auf uralte Knochen stoße, werde er sie sicherlich nicht noch einmal sorglos aus seinen Händen geben.

 Zunächst einmal sind die Experten davon ausgegangen, dass die Zähne 100000 Jahre alt sein dürften. Es wurden jedoch Bodenproben genommen, um das Alter noch exakter bestimmen zu können. Das Ergebnis steht noch aus, wie Gerhard Hasse auf Anfrage mitteilte. Fest steht aber, dass zuvor noch kein Beweis darüber existierte, dass in der heimischen Gegend neben den Sauriern auch Mammuts lebten. Der jetzige Hof Hasse steht auf einer Fläche, die vormals ein stehendes Gewässer war, wie Fachleute feststellten. Gerd Hasse ergänzt: „Vor Jahren haben wir ein Fundament für eine Halle ausgehoben und sind damals zu unserem Erstaunen auf Fließsand gestoßen.“

 Was geschieht mit den Zähnen? Richtig ist, dass das Land Niedersachsen keinen Anspruch auf den Fund erhebt. Die Zähne bleiben daher weiterhin im Besitz der Familie Hasse. Sie hat jedoch nach den Buchstaben des Gesetzes dafür zu sorgen, dass die Funde der Nachwelt weiterhin erhalten bleiben. Hasse hat bereits verkündet, man werde Stoß- und Backenzahn des Urtieres einem Museum stiften. Allerdings habe man sich noch nicht entschieden, wer denn nun Stoß- und Backenzahn erhalten solle.

 In Norddeutschland und auch im heimischen Bereich, wie die Fundstücke beweisen, lebten die sogenannten Wollhaar-Mammuts, die vor etwa 300000 Jahren erstmals in Sibirien auftauchten. Das dichte braune Fell schützte die Tiere vor den niedrigen Temperaturen in der Eiszeit. Dabei wechselten sie aber zwischen Sommer- und Winterkleid. Im Winter konnte die Behaarung sogar bis zu einem Meter lang werden. Aus Kälteschutzgründen waren zudem die Ohren und der Schwanz des Mammuts sehr klein, sodass diese Teile nicht erfrieren konnten.

 Mammuts waren damals auch wichtige Jagdtiere für die Menschen. Außer dem Fleisch, das als Nahrung diente, wurden die Stoßzähne auch als Grundgerüst zum Bau von Zelten genutzt. Das Fell der Tiere verwendeten die Menschen für Kleidung und Zeltdächer. Die Knochen dienten als Waffen und Werkzeuge. Aus den Elfenbeinstoßzähnen wurden Kunst- und Schmuckgegenstände angefertigt. Die Mammuts verschwanden vor etwa 10000 Jahren von der Erde. Ungeklärt ist bis heute, ob diese Tiere eine der ersten Arten waren, die von den Menschen ausgerottet wurden oder aber das Aussterben auch im Zusammenhang mit dem Ende der Eiszeit und der darauf folgenden Klimaerwärmung zu sehen ist.

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