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Todesfahrer von Heeßen geht freiwillig ins Gefängnis

Berufung zurückgezogen Todesfahrer von Heeßen geht freiwillig ins Gefängnis

Der Todesfahrer von Heeßen steht jetzt doch zu seiner Schuld und geht ins Gefängnis. In zweiter Instanz hat der Rintelner gestern seine Berufung gegen eine Entscheidung des Bückeburger Amtsgerichts zurückgezogen, das den 24-Jährigen wegen fahrlässiger Tötung und Gefährdung des Straßenverkehrs zu 15 Monaten Haft verurteilt hatte.

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Quelle: dpa

Heeßen/Bückeburg. Der tödliche Unfall liegt fast anderthalb Jahre zurück: Mit mindestens 0,74 Promille Alkohol im Blut hatte der Verursacher am Abend des 19. September 2013 auf der Bundesstraße 83 von hinten den Golf einer Hamelnerin gerammt, die daraufhin gegen einen Baum am rechten Fahrbahnrand prallte und noch am Unglücksort an einem Genickbruch starb. Das Opfer trifft keinerlei Schuld.

 Bevor der Angeklagte seine Berufung gestern zurücknahm, hatte Richter Thorsten Garbe, Vorsitzender der Berufungskammer am Bückeburger Landgericht, an die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes erinnert. Bei tödlichen Unfällen, die auf Alkohol zurückzuführen sind, ist Bewährung demnach nur in Ausnahmefällen möglich.

 Nach Einschätzung der Berufungskammer kann der Rintelner jedoch weder mit einer günstigen Sozialprognose punkten, noch liegen jene besonderen Umstände vor, die außerdem nötig wären, um die Vollstreckung einer Strafe in dieser Höhe noch aussetzen zu können. Der Angeklagte ist arbeitslos, verschuldet, steht in anderer Sache unter Bewährung und möchte „endlich wieder Fuß fassen“.

 „Sie sind kein Verbrecher“, beruhigte Richter Garbe den 24-Jährigen, und riet ihm zugleich, sich der Verantwortung zu stellen. „Ich glaube, dass es Ihnen leidtut.“ Der Angeklagte selbst hatte erklärt: „Ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe, den ich auch bereue.“

 Nach dem ersten Prozess im vergangenen Juli will er den Eltern der Frau einen Brief geschrieben haben, der nach Angaben von deren Anwalt Thomas Kock jedoch nie angekommen ist. Die Eltern leiden sehr unter dem tragischen Tod ihrer Tochter, die nur 27 Jahre alt wurde. Beide sind in Therapie, um den Alltag einigermaßen bewältigen zu können.

 Am Abend ihres Todes war die 27-Jährige aus Heeßen gekommen und auf die Bundesstraße83 in Richtung Hameln eingebogen. Hinter ihr fuhr der angetrunkene Mann, der bis zu zehn Sekunden lang abgelenkt war, weil er gerade den Tempomaten seines Autos auf 100 Stundenkilometer einstellte. Die Frau fuhr 70, der Rintelner mindestens 100, als es zur Kollision kam. Wie unsinnig das Fummeln am Tempomaten war, zeigt dies: Der Baum, gegen den der Golf prallte, steht kurz hinter einem Tempo-70-Schild.

 Gegen Bewährung hatte auch das Verhalten des Rintelners nach der Tat gesprochen. Unter anderem war er am nächsten Morgen zur Polizei gegangen und hatte behauptet, am Auto der Frau sei ein Rücklicht defekt gewesen. Später bewies ein Gutachten, dass dies nicht stimmte. Heute steht der Rintelner nahezu allein da. „Ich habe viele Freunde verloren“, sagt er und fügt hinzu: „Eigentlich fast alle.“ ly

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Heeßen / Bückeburg

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