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Vermieter völlig schockiert

Ferienwohnung verwahrlost Vermieter völlig schockiert

„Wir wurden mit einer grauenvollen Wohnung allein zurückgelassen – verwüstet, kaputt und desolat. Niemand fühlt sich zuständig.“ Es sind deutliche Worte, mit denen die Eheleute Ralf und Tina Bichtemann ihrem Ärger Luft machen. Was ist passiert? Berührt vom Schicksal der vielen Flüchtlinge, hatten sie ihre Ferienwohnung in Heeßen von März bis November an ein syrisches Paar vermietet. Doch dieses ist offenbar nicht allzu pfleglich mit der möblierten Wohnung umgegangen.

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Mit ihrer Kamera haben die Vermieter die Schimmelflecke dokumentiert.

Quelle: pr

HEESSEN. Bei der Übergabe Ende November habe sich die Mietwohnung in einem Zustand befunden, „wie wir ihn noch nie gesehen haben“, berichten die beiden Bad Eilser. „Wir waren völlig schockiert“, ergänzt Tina Bichtemann. Und in einem an diese Zeitung gerichteten Schreiben zählen sie die Mängel auf. „In Küche, Bad, Schlafzimmer, Wohnzimmer und Flur befindet sich eine starke Schimmelbildung, die auf eine Nichtlüftung schließen lässt. Diverse Gegenstände wurden durch mutwilliges Handeln zerstört.“ Dazu gehören unter anderem ein bei Einzug „absolut neuwertiges“ Sofa, die Fliesen, ein Küchenfenster, ein Kühlschrank, Stöpsel in den Abflüssen und eine Badlampe. Beschädigt worden sei zudem ein Thermostat des Heizkörpers im Badezimmer, das diesen nun „durchgehend auf heiß laufen“ lasse. Des Weiteren würden diverse Einrichtungsgegenstände fehlen, so etwa ein Wäscheständer, Energiesparlampen, Batterien aus Feuermeldern, ein Wasserkocher, ein Toaster, Töpfe, Pfannen, Geschirr, Besteck, Putzutensilien und ein Eimer. Überdies seien Tischdecken als Putzlappen zweckentfremdet worden, sodass sie ebenso nicht mehr zu gebrauchen seien.

Wie hoch der Gesamtschaden ist, vermögen Ralf und Tina Bichtemann noch nicht genau abzuschätzen. Sie gehen jedoch davon aus, dass sich das Ganze im vierstelligen Euro-Bereich bewegt. Wobei auch noch die fällige Monatsmiete für November (450 Euro) ausstehe.

Niemand fühlt sich zuständig

Denn da das syrische Paar im November bereits in eine andere Mietwohnung in Bückeburg gezogen sei, habe der Landkreis Schaumburg für jenen Monat keine Miete mehr für die Wohnung in Heeßen gezahlt, erklären die Vermieter. Strom und GEZ seien ebenfalls nicht bezahlt worden. Und da die (Ferien-)Wohnung in dem jetzigen Zustand bis zu der erforderlichen Renovierung nicht mehr vermietbar sei, habe man in dieser Zeit einen zusätzlichen Mietausfall.

Wer für die entstandenen Schäden aufkommt, fragen sich die Bichtemanns nun. Die Mietkaution reiche jedenfalls „nicht einmal für ein Viertel der Kosten“. Inzwischen haben sie bei der Polizei zwar Strafanzeige wegen Sachbeschädigung und Diebstahl gestellt, doch ob bei dem syrischen Paar etwas zu holen ist, ist fraglich.

Hinzu kommt die persönliche Enttäuschung: „Wir haben mit gutem Gewissen die Wohnung an ein junges syrisches Pärchen, das in ihrem Land Not erlitten hat und flüchten musste, vermietet, um zu helfen.“

Doch dieses habe sich „überhaupt nicht geschämt“, als es bei der Wohnungsübergabe auf den Zustand der Mietwohnung angesprochen worden sei, moniert Tina Bichtemann. „That’s not my problem“ (auf Deutsch: „Das ist nicht mein Problem“), habe der Syrer ihnen vielmehr als Antwort gegeben.

Vorwürfe adressieren Ralf und Tina Bichtemann zudem an den in der Flüchtlingshilfe aktiven Kreisverband Schaumburg der Arbeiterwohlfahrt (Awo) sowie in Richtung des Bückeburger Immobilienmaklers Helmut Weghorst. Letzterer hatte ihnen die Mieter im Frühjahr 2016 vermittelt. Dies allerdings lediglich in seiner Funktion als ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer und somit provisionsfrei, so Weghorst auf Nachfrage.

Schadensregulierung soll besprochen werden

Von dem Paar sei ihnen bei der Wohnungsübergabe mitgeteilt worden, die Awo und Weghorst „wüssten seit Langem von diesen Zuständen“, berichtet Tina Bichtemann und betont: „Hätte man uns rechtzeitig informiert, wäre der eine oder andere Schaden sicherlich im Vorfeld zu stoppen gewesen.“ Zumindest die Awo sollte „als Organisation ein Gewissen zeigen und solche Schadensfälle nicht einfach von sich weisen“.

Auf Nachfrage stellt Weghorst klar, dass es bedauerlicherweise ein „generelles Problem“ sei, dass viele Mieter nicht pfleglich mit fremdem Eigentum umgehen. Dies sei „nicht flüchtlingsspezifisch“. Das gelte auch für falsches Heizen und Lüften, das zur Schimmelbildung führen könne.

Allerdings, ergänzt Weghorst, sei Menschen aus dem arabischen Raum die hiesige Lüftungsproblematik nicht bekannt, weil die klimatischen Verhältnisse in deren Heimat anders seien. Daher habe er den beiden Syrern im März oder April 2016, nachdem diese ihm eine kleine stockige Stelle im Schlafzimmer gezeigt hatten, auch genau erläutert, dass und wie die Mietwohnung regelmäßig zu lüften sei. Danach habe er das Paar zwar noch ein- oder zweimal besucht, über Schimmelflecke sei dabei indes nicht gesprochen worden.

Über die von Ralf und Tina Bichtemann beklagte Situation habe er nun mit der Awo-Kreisgeschäftsführerin Heidemarie Hanauske gesprochen, berichtet Weghorst. Angedacht sei, dass sich alle Beteiligten – also die Bichtemanns, das syrische Paar, ein Awo-Mitarbeiter und er selbst – zusammensetzen, um über das Fehlverhalten der Mieter zu sprechen. Mit dem Ziel, dies für die Zukunft abzustellen. Außerdem sei er mit Hanauske übereingekommen, dass man versuchen wolle, den Eheleuten Bichtemann den entstandenen Schaden zumindest zu einem Teil zu regulieren.

Zuvor hatte Hanauske auf Nachfrage erklärt, dass die Awo das syrische Paar bei deren Einzug in die Heeßer Wohnung noch nicht gekannt hatte. Lediglich im Sommer sei einmal ein Awo-Mitarbeiter dort gewesen, um für die Mieter auf deren Wunsch hin ein Kündigungsschreiben aufzusetzen. Dabei sei dem Awo-Mitarbeiter jedoch „nichts Extremes“ in der Wohnung aufgefallen. wk

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