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Heeßen Zufall: Bagger fördert Mammut-Stoßzahn zutage
Schaumburg Eilsen Heeßen Zufall: Bagger fördert Mammut-Stoßzahn zutage
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06:18 25.03.2012
Der Backenzahn des Urtiers: Besonders gut erhalten sind die sogenannten Lamellen, mit deren Hilfe das Mammut seine Nahrung aus Pflanzen zerkleinerte. Quelle: möh
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Heeßen (möh)

Der Beweis wurde in diesen Tagen auf dem Hof des Landwirts Gerd Hasse gefunden. Auf dem Betrieb sollte eine Grube ausgehoben werden, um eine Fahrzeugwaage zu installieren. Der Bagger beförderte schließlich aus einer Tiefe von knapp vier Metern ein Teil eines Mammuthornes und einen kompletten Backenzahn des Urtiers ans Tageslicht.

 Die Familie Hasse informierte umgehend die Abteilung Archäologie in der Schaumburger Landschaft, die sich auch sofort um die Relikte aus der Vorzeit kümmerte. Allerdings steht bis jetzt noch nicht fest, was aus Stoßzahn und Backenzahn des Urtiers werden soll. Diese befinden sich derzeit noch im Hause Hasse und werden in einer Wanne Wasser verwahrt, damit das Elfenbein nicht austrocknet und dann möglicherweise zu Staub zerfällt.

 Da staunte der Baggerführer nicht schlecht, als er einen zuerst vermuteten „armdicken Holzstamm“ mit seiner Schaufel ans Tageslicht förderte. Erst auf den zweiten Blick stellte sich dann heraus, dass es irgendein Teil eines Tieres sein musste. Nun wurde genauer hingeschaut – und das unerwartete Fundstück stellte sich als Teil eines Stoßzahnes eines Mammuts heraus, das aber immerhin noch über sechs Kilo wiegt. Vorsichtig wurde dann weiter die Grube untersucht – und ein kompletter Backenzahn kam ebenfalls ans Licht. Bestens erhalten sind auch die sogenannten Lamellen auf dem Zahn, mit dem die Mammute als Pflanzenfresser ihre Nahrung zerkleinerten. Sie vertilgten immerhin pro Tag etwa 200 Kilogramm an Gras, Sträuchern, Zweigen, Baumrinde und Früchten. Diese Tiere konnten immerhin ein Lebendgewicht von bis zu acht Tonnen erreichen. Die Tiere verfügten aber nur über 14 Zähne.

 Erste Untersuchungen auf dem Hof Hasse ergaben, dass das Horn und der Zahn des Mammuts in einem Bereich des landwirtschaftlichen Betriebes gefunden wurden, in dem irgendwann einmal ein stehendes Gewässer vorhanden gewesen sein musste. Der Chef Gerd Hasse sagt, dass man bereits vor Jahren, als eine Halle gebaut werden sollte, auf Fließsand gestoßen sei.

 Der Stoßzahn des Mammuts weist zwei Bruchstellen, eine alte und eine neuere, auf. Vermutet wird, dass der Bagger bei seiner Arbeit das Horn abgerissen hat – und noch ein weiteres Teilstück im Boden vorhanden sein müsste. Aber da der Fundort in einer äußersten Ecke der Baugrube für die geplante Fahrzeugwaage liegt, haben die Experten auf dem Hof Hasse keinen Baustopp verfügt. Gerd Hasse: „Wenn die Fachleute nach weiteren Exponaten suchen sollen, ist das weiter möglich, auch wenn unsere derzeitigen Arbeiten abgeschlossen sind.“

 Für die Experten war es nicht ganz abwegig (auch wenn bis jetzt keine Beweise gefunden werden konnten), dass im heimischen Bereich Mammute lebten. Im heimischen Bereich dürfte die Art des Wollhaarmammuts gelebt haben, die vor etwa 300000 Jahren in Sibirien erstmals auftauchte. Andere Arten waren das Steppenmammut und der Südelefant, die allerdings südlichere Lebensräume besiedelten. Das dichte braune Fell der Wollhaarmammute schützte sie vor den niedrigen Temperaturen der Eiszeit. Dabei wechselten sie aber zwischen Sommer- und Winterkleid. Im Winter konnte die Behaarung bis zu einem Meter lang werden. Aus Kälteschutzgründen waren die Ohren und der Schwanz des Mammuts sehr klein, sodass diese Körperteile nicht erfrieren konnten.

 Mammute waren wichtige Jagdtiere der Menschen. Ursprünglich wurde angenommen, dass die Mammutherden nachts mit Hilfe von Fackeln in Abgründe oder tiefe Fallen getrieben wurden, wo sie zu Tode stürzten. Belegt werden diese Szenen aus zahlreichen Höhlenzeichnungen der Eiszeit. Viel wahrscheinlicher, weil einfacher, haben die Menschen, so die Experten, die Tiere mit Holzlanzen in sumpfigen Gebieten, wo die schweren Mammute sehr unbeweglich waren, erlegt. Neben dem Fleisch, das als Nahrung diente, wurden die Stoßzähne auch als Grundgerüst zum Bau von Zelten genutzt. Ihr Fell verwendeten die Menschen für Kleidung und Zeltdächer. Knochen dienten als Waffen und Werkzeuge, die Sehnen wurden als Schnüre verwendet. Aus den Stoßzähnen wurden zudem Waffen sowie eindrucksvolle Schmuck- und Kunstgegenstände angefertigt.

 Die Mammute verschwanden gemeinsam mit anderen ehemaligen Großtieren vor etwa 10000 Jahren von der Erdoberfläche. Ob diese Tiere eine der ersten Arten waren, die vom Menschen ausgerottet wurden, ist bis heute nicht endgültig geklärt. Sicher scheint jedoch, dass ihr Aussterben auch im Zusammenhang mit dem Ende der Eiszeit und der darauf folgenden Klimaerwärmung zu sehen ist.

 Gespannt ist die Familie Hasse nun, was die weiteren Untersuchungen der historischen Fundstücke ergeben und wo Stoß- und Backenzahn letztlich landen werden. Sie bleiben auf keinen Fall im Besitz der Hasses, denn, so Gerd Hasse, was in einer bestimmten Tiefe in der Erde gefunden werde, gehöre zunächst einmal dem Land Niedersachsen. Sehr zum Leidwesen des zehnjährigen Justus, der sich derzeit noch intensiv um das Wässern des Fundes kümmert, damit vor allem das Elfenbein nach mehr als 100000 Jahren in der Erde nicht jetzt an der trockenen Luft ausbleicht – und zu Staub zerfällt.

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