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Zurück ins Leben

Sven Seher kämpft – und behält gegen die Schulmedizin recht Zurück ins Leben

Der 3. November 2014 ist der Tag gewesen, an dem sich für Sven Seher und seine Frau Andrea alles geändert hat: Der 48-jährige Zahntechniker aus Heeßen stürzte in der Dusche auf den Hinterkopf und erlitt dabei schwerste Hirnverletzungen.

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Ärzte hatten Sven Seher bereits aufgegeben, doch Ehefrau Andrea Seher hat wie eine Löwin um das Leben ihres Mannes gekämpft.

Quelle: jp

Heeßen. Schädelhirntrauma dritten Grades lautete die Diagnose der inneren Verletzung, die dafür sorgte, dass die gesamte Bewegungssteuerung seines Körpers außer Kraft gesetzt wurde.

Aus dem Familienvater und leidenschaftlichen Hobbyfotografen, der zuvor zwar aufgrund der Spätfolgen einer Krebsbehandlung unter einer teilweisen Lähmung gelitten, aber völlig selbstständig und beschwerdefrei hatte leben können, wurde über Nacht ein Schwerstpflegefall. Plötzlich war er selbst zu den einfachsten Dingen des Lebens nicht mehr in der Lage – und musste rund um die Uhr betreut werden.

Schlimmer noch: Als Sven Seher im Januar 2015 nach rund sechs Wochen Krankenhausaufenthalt nach Hause geschickt wurde, schienen die Mediziner jede Hoffnung auf eine Überlebenschance aufgegeben zu haben. Ehefrau Andrea Seher: „Ärzte und Therapeuten haben meinen Mann aufgegeben und zum Sterben nach Hause geschickt.“ Doch die 41-jährige Hebamme wollte und konnte nicht an die Prognose der Schulmedizin glauben und begann, wie eine wahre Löwin um das Leben ihres Mannes zu kämpfen.

Schritt für Schritt zurück ins Leben

Mit beeindruckenden Erfolgen: Binnen weniger Monate konnte Sven Seher so weit mobilisiert werden, um im Rollstuhl sitzen zu können. Eine Schmerztherapie wurde dank seines unbeugsamen Willens zum Leben erfolgreich durchgeführt. Schritt für Schritt begann der Zahntechniker, den Körper, in dem er nach dem Schädelhirntrauma zunächst völlig hilflos gefangen war, wieder zu benutzen. Erste Sprachfähigkeiten stellten sich ein. Auch auf die Ernährungssonde (PEG) konnte noch im Laufe des Jahres 2015 verzichtet werden, sodass der 48-Jährige mittlerweile mit Unterstützung selbst essen und trinken kann.

Inzwischen bekommt der Heeßer, dem ein Arzt bereits einmal allen Ernstes den Gang ins Hospiz empfehlen wollte, unterschiedliche Therapien, um die verloren gegangene Bewegungssteuerung des eigenen Körpers immer weiter zurückzuerlangen. Regelmäßig absolviert Sven Seher Steh- und Lauftraining, eine sogenannte Locomat-Therapie, bei der der Patient sich mit der Unterstützung von Robotik auf einer Art Laufband bewegt. Indem der Apparat das normale Gangbild des menschlichen Körpers vorgibt, werden Gehirn und Nervensystem animiert, diese Bewegung irgendwann wieder selbstständig auszuführen, eine Methode, die auch bei Schlaganfallpatienten vielfach Verwendung findet.

Erklärtes Ziel des tapfer und unermüdlich gegen die Folgen dieses harten Schicksalsschlages ankämpfenden Ehepaares ist es, Sven Seher die Fähigkeit zu einem selbstbestimmten Leben so weit wie nur irgendwie möglich zurückzugeben.

Krankenkasse lehnt Intensivtherapie ab

Doch Ehefrau Andrea ist überzeugt, dass es dazu noch wesentlich stärkerer Therapiebemühungen bedarf: „Sven benötigt eine intensive, mehrwöchige Therapie mit bis zu sechs Stunden Training pro Tag.“ So etwas gibt es, beispielsweise am Zentrum für Rehabilitation in Pforzheim. Doch der Antrag auf Übernahme der Kosten wurde von der Krankenkasse abgelehnt: Die Intensivtherapie sei keine Kassenleistung, so die Begründung. Was Andrea Seher nicht versteht: Denn bei Erfolg der Maßnahme würden sich langfristig nicht nur der Betreuungsaufwand und damit die dafür aufzuwendenden Kosten deutlich reduzieren, auch einige besonders teure Medikamente wären nicht mehr erforderlich. Mittlerweile läuft der Widerspruch der beiden gegen die Ablehnung der Krankenkasse. Eine Entscheidung steht bislang aus.

 „Da capo al fine – Mein Weg zurück ins Leben nach Schädelhirntrauma“

Doch die Sehers wollen nicht auf das Mahlen der bürokratischen Mühlen warten und haben über das Internet ein Crowdfunding-Projekt ins Leben gerufen, um Sven Sehers Schicksal einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen und um Spenden für seine Therapie zu bitten. „Da capo al fine – Mein Weg zurück ins Leben nach Schädelhirntrauma“ lautet der Titel des Internet-Blogs sowie der Facebook-Seite, über die sich Sven Seher und seine Frau an die Öffentlichkeit wenden.

Dabei geht es den beiden nicht nur darum, auf die eigene Situation aufmerksam zu machen. Ganz bewusst wollen sie auch anderen, die von einem ähnlichen Schicksal betroffen sind, Mut machen, weiter zu kämpfen: „Hört nie auf, anzufangen, und fangt nie an, aufzuhören“, so ihr Appell. Bewusst haben sie als Titel für Blog und Facebookseite „Da capo al fine“ verwendet. Die in der Musik beheimatete Formulierung bedeutet übersetzt „Vom Anfang bis zum Ende und wieder vorne“. Das steht nämlich auch als Leitspruch in den Eheringen der beiden und seit dem 3. November 2014 für Svens zweites Leben. jp

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