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Das eigene Leben völlig zerstört

Heeßen/Bückeburg / Prozess Das eigene Leben völlig zerstört

Hohe Schulden, das Haus zwangsversteigert, der Ehemann gestorben, monatelang in Erzwingungshaft gesessen: Mit 58 Jahren steht eine Heeßerin vor dem Trümmerfeld ihres Lebens. „Und seit 2009 schwebt auch noch dieses Strafverfahren über ihr“, fügt Richterin Birgit Brüninghaus hinzu, die Vorsitzende der 1. Großen Strafkammer am Bückeburger Landgericht. „Eine lange, belastende Zeit.“

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Wenigstens weitere Haft bleibt der Witwe erspart. Wegen gewerbsmäßiger Untreue in 64 Fällen ist sie zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten verurteilt worden, deren Vollstreckung aber zur Bewährung ausgesetzt wird. Eine der Auflagen: 500 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

 Eine Firma, die ihr zwischenzeitlich verstorbener Mann 2001 von einem Bekannten gekauft hatte, betreute zeitweise 21 Wohnungseigentümergemeinschaften, etwa in Bückeburg, Stadthagen, Obernkirchen oder der Samtgemeinde Eilsen. Inhaberin der Kommanditgesellschaft mit Sitz Heeßen war die Frau. In den meisten Fällen, um die es im Prozess ging, hatten die Hausverwalter Geld von Gemeinschaftskonten verschoben, um damit eigene private Verbindlichkeiten zu begleichen.

 Der Mann hatte von seiner Frau Generalvollmacht bekommen. Er soll jedoch chaotisch gearbeitet und Konten nicht ordnungsgemäß geführt haben. „Die Trennung von eigenem und fremdem Vermögen erfolgte nicht mehr“, so Richterin Brüninghaus. Als Verwalter habe der Ehemann versagt. „Die Angeklagte hätte ihn unverzüglich seines Amtes entheben müssen.“ Sie habe eine Vielzahl von Menschen geschädigt und sich leichtfertig über deren Vermögensinteressen hinweggesetzt.

 „Grundsätzlich ist sie gesetzestreu“, spielte Brüninghaus darauf an, dass die Heeßerin keine Vorstrafen hat. „Meiner Mandantin ist die Situation über den Kopf gewachsen“, erklärte Verteidiger Oliver Theiß. Für ihr Verhalten zahlt die frühere Gesellschafterin auch privat einen hohen Preis: „Sie ist finanziell und sozial ruiniert“, hieß es in der Urteilsbegründung.

 Staatsanwalt André Lüth hatte eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren gefordert. „Viele Geschädigte hatten Angst um ihr Geld und mussten Zivilprozesse führen“, betonte er. Dass die Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird, war klar, nachdem die Beteiligten am ersten Verhandlungstag eine entsprechende Absprache getroffen hatten.

 Ursprünglich war die Heeßerin in 147 Fällen (Schaden: fast 300000 Euro) angeklagt. Mehr als die Hälfte davon hat das Gericht eingestellt, weil eine zusätzliche Verurteilung in diesen Punkten kaum weiter ins Gewicht gefallen wäre. Außerdem hätten sich die Vorwürfe nur schwer aufklären lassen. Allein die Unterlagen füllen etwa zehn Umzugskartons.

 „Das Verfahren“, so Richterin Brüninghaus, „war schwer zu durchschauen.“ Für die Ermittler sei es reinste Puzzlearbeit gewesen, Transaktionen nachzuvollziehen. „In einem solchen Prozess ist eine Absprache mehr als gerechtfertigt.“  ly

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