Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Ein Dorf im Visier von Extremisten

Ein Dorf im Visier von Extremisten

Die Gemeinde hat ein massives Problem mit „Spuckies“. Der Begriff kommt aus dem Graffiti-Jargon, meint Spucken und bezeichnet gummierte Papieraufkleber, die nach dem Anfeuchten kleben bleiben. Das taten und tun die Spuckies in Luhden zuhauf auf Buswartehäuschen, Schildern, Laternenpfählen und Papierkörben. Was diese Papieraufkleber indes noch fieser macht, ist, dass sie fast immer Träger von neonazistischen oder linksextremen Parolen sind. Derweil sind jüngst an der Sporthalle Luhden – ähnlich wie zuvor bereits in Obernkirchen – auch großflächige Graffiti der „Autonomen Nationalisten Bückeburg“ aufgetaucht.

Voriger Artikel
Bauen am Golfplatz: Jetzt wird’s noch attraktiver
Nächster Artikel
Kein Extra-Parkplatz für Wanderer

Dieser Nazi-Papieraufkleber prangt auf einem Willkommensschild am Ortseingang von Luhden – und nicht nur dort.

Quelle: tw

Luhden (tw). Der erste Fall hat den Rat beschäftigt: „Im Dorf sind Spuckies mit Neonazi-Parolen unter anderem in Buswartehäuschen und sogar mitten auf dem Begrüßungsschild vor ,Blumen-Tofall‘ geklebt worden“, ärgert sich Bürgermeister Peter Zabold (CDU). „Wir haben Strafanzeige gestellt“, sagt Gemeindedirektor Andreas Kunde. Der Fall ist jetzt beim Fachkommissariat 4, Staatsschutz, der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg anhängig. Die Beamten seien draußen gewesen, hätten die von „Blut“ triefenden Aufkleber mit der Gleichung „BRD = Volkstod“ und dem Verweis auf eine Webseite namens www.freies-netz.com fotografiert. Die Ermittlungen dauerten an.

Wer diese Seite anklickt, kann die Propaganda-Aufkleber im Format DIN-A7 bei einem „Nordsachsen-Versand“ kaufen – 50 Stück kosten 1,50 Euro. Ein Preis, der die massenweise Verbreitung dieser Hetz-Spuckies erklärt. Wie ein Luhdener Ratsherr, der seinen Namen in der Presse nicht lesen möchte, sagt, soll es sich bei den Tätern um Jugendliche handeln.

Kunde: „Wir haben die Mitarbeiter des Bauhofes umgehend angewiesen, diese Aufkleber zu entfernen.“ Erschreckend ist dabei aber, dass sie nach Aussage des Gemeindedirektors auf der Rückseite mit einer Säure beschichtet sein sollen, die beim Loslösen die Finger verätzt.

Polizeihauptkommissar Uwe Schröder von der Bad Eilser Dienststelle des Kommissariats Bückeburg weiß um die Spuckie-Problematik: „Das Gros wurde allerdings bereits im zurückliegenden Jahr geklebt.“ Die meisten der Papieraufkleber sollen dabei keine rechts-, sondern linksradikale Symbole tragen respektive entsprechende Inhalte transportieren. Mögliche Straftatbestände seien Landfriedensbruch und Sachbeschädigung, denn die Spuckies lassen sich in der Regel nicht rückstandsfrei entfernen.

Eine besonders „preiswerte“ Variante des Klebens haben Linksautonome entdeckt: „Sie zweckentfremden Paketaufkleber der Deutschen Post, die sie massenhaft aus den Filialen mitgehen lassen und handschriftlich mit ,Antifa SHG‘ beschreiben“, ärgert sich Erwin Sengebusch. Der Vizechef des Kur- und Verkehrsvereins Eilsen hat solche Spuckies in großer Zahl in den Gartenanlagen des Badeortes ausmachen müssen.

Schröder: „Nach dem erfolgreichen Kampf gegen Graffiti in Bad Eilsen werden wir in Kürze denjenigen gegen die Spuckies zu einem Schwerpunkt unserer polizeilichen Arbeit machen.“ Dazu sei es nötig, zunächst alle Altaufkleber in der Samtgemeinde zu beseitigen – um dann zweifelsfrei nachweisen zu können, wo neu geklebt wird.

Doch nicht nur Spuckies sind ein Ärgernis. Gleiches gilt für Graffiti mit rechtsextremistischen Parolen der sogenannten Autonomen Nationalisten Bückeburg, wie sie kürzlich in Luhden aufgetaucht sind. Zabold: „Ich bin von Gerhard Akemann aus Luhden, Dorfstraße 20, telefonisch informiert worden, dass an der Sporthalle und am Aushangkasten des LSV vor der Sporthalle Schmierereien mit radikalen Parolen angebracht wurden.“ Am Parkplatz vor der Sporthalle habe ein Kleinbus gestanden, der möglicherweise damit in Zusammenhang gebracht werden könne. Zabold hat noch am selben Tag Anzeige wegen Volksverhetzung und Sachbeschädigung erstattet.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Eine gute Tradition findet regelmäßig ihre Fortsetzung – die „Aktion Weihnachtshilfe“. In der Vorweihnachtszeit rufen die Schaumburger Nachrichten unter dem Motto „Schaumburger helfen Schaumburgern“ jedes Jahr zu Spenden für bedürftige Menschen im Landkreis auf. mehr

Schaumburg