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Familie zieht Rehkitz „Bosse“ groß

Bambi außer Rand und Band Familie zieht Rehkitz „Bosse“ groß

Fast jeder kennt den Walt Disney Film „Bambi“, und den meisten Zuschauern geht die Geschichte dieses Rehkitzes wirklich ans Herz: die verzweifelte Suche nach der toten Mutter, die Angst alleine im Wald. Auch im realen Leben gibt es jedes Jahr Rehkitze, die aus unterschiedlichen Gründen ihre Mutter verlieren.

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Gut behütet: Rehkitz Bosse mit Friderike Tecklenburg.

Quelle: hil

Luhden.  Ihre Schicksale sind ungewiss, und meist geht es nicht gut aus. Rehkitze sind extrem leichte Beute. In den ersten Tagen nach der Geburt laufen sie bei Gefahr nicht weg, sondern pressen sich instinktiv an die Erde, um so „unsichtbar“ zu erscheinen.

 

 Auch die Rehmutter weiß um die Gefahren für ihr Junges. Um die Aufmerksamkeit der Feinde abzulenken, verlässt sie ihr Kitz nach dem Säugen und kommt nur alle zwei bis drei Stunden zurück. Deswegen sollte man nicht sofort annehmen, dass ein Rehkitz verwaist ist, wenn es irgendwo alleine liegt. Ist ein Kitz jedoch wirklich verlassen, sind die Überlebenschancen in der freien Natur fast gleich null.

 Bei „Bosse“, wie der kleine Rehbock inzwischen getauft wurde, war die Sache zunächst auch nicht eindeutig. „Als mein Bruder Christoph anrief und die Situation erklärte, haben wir überlegt, was wir tun können“, erzählt Friderike Tecklenburg. Ein Rehkitz lag in einem Garten in Ahnsen, dem Wohnhaus recht nah. Die Rehmama hatte sich stundenlang nicht mehr blicken lassen, sodass bereits Krähen und ein Bussard lauernd in der Nähe kreisten. „Wir warteten noch bis zum Abend, dann holte mein Bruder das Rehkitz zu uns nach Hause, denn uns war allen klar, wenn wir es liegen lassen, würde es die Nacht nicht überleben“, so die Luhdenerin weiter.

 Ihr 26-jähriger Freund Ulrich Koller, Student im Agrarbereich, und die 24-jährige Landwirtin sind beide passionierte Jäger und kennen sich mit Wildtieren gut aus. Deshalb erkannten sie am hell getupften Fell, dass ihr Findlingskitz noch sehr jung sein musste. Um nichts falsch zu machen, erkundigten sie sich an mehreren Stellen, was zu tun war und welche Nahrung und Pflege ein Rehkitz braucht. „Auf Rehkitzhilfe.de findet man wirklich alles, was man wissen muss“, sagt Friderike Tecklenburg lachend.

 So besorgten die beiden Pflegeeltern Lämmer-Aufzuchtsmilch und eine Welpenaufzuchtsflasche. Alle zwei Stunden musste „Bosse“ gefüttert werden – auch nachts. Ein Segen für das Rehkitz war und ist „Joker“, einer der drei Australian Shepherds, die ebenfalls auf dem Bauernhof leben. Die Hündin adoptierte den Mini-Rehbock sofort und schleckt ihn seither bei jeder Gelegenheit ab – rundherum. Die Aufgabe der Mutter, nämlich das Hinterteil des jungen Tieres abzulecken, übernahm sie sofort instinktiv. Für ein Rehkitz ist diese Handlung lebensnotwendig, denn erst so wird die Verdauung angeregt.

 Trotz regelmäßiger Fütterung unter bester Betreuung kam dann, nach gut einer Woche, die Krise – zunächst in Form von Durchfall. Ein entzündeter Darm folgte, begleitet von einer bakteriellen Infektion, die auf eines der Sprunggelenke überging. Der Tierarzt musste kommen. Antibiotika und ein fiebersenkendes Mittel wurden verabreicht. In dieser doch sehr stressigen Zeit stand Marina Tecklenburg helfend zur Seite und unterstützt seither die beiden bei der Betreuung. Mittlerweile ist alles wieder überstanden, und „Bosse“ erfreut sich bester Gesundheit. Rehe sind Feinschmecker. Deshalb verwundert es nicht, dass Rosenblätter inzwischen zu „Bosses“ Lieblingsleckerlis zählen. Die ersten Bocksprünge im Garten und kleine Sprints mit den Hunden zeigen, dass dieses Rehkitz auf einem guten Weg ist, groß zu werden.

 Wie es weiter geht, wissen Friderike Tecklenburg und Ulrich Koller noch nicht. Einen Rehbock zahm zu halten, ist kritisch, denn häufig werden sie irgendwann aggressiv. Es gibt aber die Chance, dass „Bosse“ wieder in die „Freiheit“ entlassen werden kann. Bis zu einem Alter von einem Jahr konnten bereits viele, durch Menschhand aufgezogene Jungrehe wieder ausgewildert werden. „Dann wird ,Bosse‘ aber ein Halsband tragen, damit jeder sofort erkennt, dass dieses Tier nicht geschossen werden darf“, so der junge Jäger, Koller. hil

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