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Für die „Schinkenkruse“ hebt keiner die Hand

Luhden/Schermbeck / Zwangsversteigerung Für die „Schinkenkruse“ hebt keiner die Hand

Erneut gibt’s keinen Käufer für „Schinkenkruse“: Zum wiederholten Mal ist jetzt in Saal 3033 des Amtsgerichts Bückeburg der Versuch gescheitert, für das leer stehende Landgasthaus samt Ländereien (Verkehrswert: 850.000 Euro) im Zuge der Zwangsversteigerung einen Käufer zu finden.

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Die verwaiste „Schinkenkruse“ in Luhden/Schermbeck: Sie ist seit 2008 geschlossen. Der Verkehrswert der Immobilie samt Grund und Boden beträgt 850 000 Euro. Ein Gutachten bescheinigt ihr eine Restnutzungsdauer von jetzt noch 23 Jahren. © tw

Luhden/Schermbeck (tw). Auch dass der Zuschlag auf ein Gebot hätte erteilt werden können, das weniger als die Hälfte des Grundstückswertes beträgt, nutzte nichts. Als Rechtspflegerin Mandy Noll um 9.12 Uhr nach 30 Minuten Bietzeit das Verfahren beendet, hat sich nicht ein Finger gerührt.

Damit ist das Verfahren einstweilen eingestellt – soweit es von der Samtgemeinde Eilsen als Mitgläubigerin betrieben wird. Die Beschlagnahme des Grundbesitzes bleibt gleichwohl bestehen. Fortgesetzt wird das Verfahren nur auf Antrag; der muss spätestens binnen sechs Monaten beim Insolvenzgericht eingegangen sein.

Geht er dagegen nicht ein, muss das Verfahren aufgehoben werden. Bereits jetzt aufgehoben ist sowohl das Verfahren als auch die Beschlagnahme, soweit sie die Sparkasse Schaumburg als Hauptgläubigerin betrifft; denn bereits der zweite Versteigerungstermin war ergebnislos verlaufen.

Doch: „Auch wir werden wieder einsteigen“, sagt Eckhard Warschewski von der Sparkasse Schaumburg nach dem jüngsten Termin auf Nachfrage dieser Zeitung. Der Banker: „Wir treten dem Verfahren erneut bei und bleiben dran – bis sich ein Käufer findet.“

Rückblende: In Saal 3033 ist es am Dienstagmorgen vor allem ein Wiedersehen mit alten Bekannten. „Der harte Kern?“, lächelt Rechtspflegerin Mandy Noll mit Blick auf zwei ältere „Zaungäste“ aus dem Umfeld der Schinkenkruse, die als Erste in den Stuhlreihen Platz nehmen. „Jau, wir sind wieder da“, lächeln die beiden zurück. An Unterhaltung indes soll ihnen auch an diesem Morgen im Gerichtsaal nicht allzu viel geboten werden – sieht man von ein, zwei Momenten ab, in denen zumindest so etwas wie Spannung aufkommt.

Außer Michael Schüte von der Sparkasse, Kassenleiter Thomas Reichelt von der Samtgemeinde und den beiden Zaungästen sind es noch zwei Zuschauer und eine Zuschauerin, die sich zum Termin eingefunden haben. Auf die Frage Nolls „Bietinteressenten?“, gibt’s indes drei Mal die lakonische Antwort: „Keine Beteiligten.“

Nur Augenblicke, nachdem die Rechtspflegerin um 8.40 Uhr zur Abgabe von Geboten auffordert, bittet der eine Zuschauer, ein Mindener, den Repräsentanten der Sparkasse zu einem Gespräch nach draußen. Im Saal keimt Hoffnung auf. Acht Minuten später ist der Banker wieder zurück – ohne den Gesprächspartner. Doch kaum hat Schüte Platz genommen, wird er ein weiteres mal konsultiert – diesmal ist es der zweite Zuschauer, der den Schaumburger Banker vor die Tür bittet.

„Der Erste ist immer noch nicht wieder drin“, raunt es derweil im Saal. Gefolgt von der Frage: „Ist das nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?“ Ein Schlechtes, aber das weiß zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Erneut erhellen sich dann die Mienen, als der zweite Zuschauer zurückkehrt. „Sie schauen mich so erwartungsvoll an – ich gebe aber kein Gebot ab“, lächelt der irritiert. Dabei bleibt’s dann auch bis zum Schluss.

Zur Erinnerung: Die 1896 erbaute und 2008 geschlossene Schinkenkruse, einst Gastromomie-Aushängeschild der Region, bot Gästen 220 Innen- und 80 Terrassenplätze. Der Verkehrswert von Land-, Wohn- und Wirtschaftshaus: zusammen 810.000 Euro.

Ebenfalls losgeschlagen werden sollen drei zugehörige Wald- und Grünflächen, deren Verkehrswert zwischen 10.000 und 15.000 Euro taxiert wird. Zur Schinkenkruse gehören 25 Stellplätze und eine separate Parkfläche. In der Summe sollen 42.500 Quadratmeter Grund und Boden im Paket unter den Hammer kommen.

Die Gaststätte wurde nachweislich 1957 (Gasträume), 1960 (Terrasse), 1964 (Gasträume) und zuletzt nochmals 2004 (Backstube) umgebaut. Die Restnutzungsdauer gab der Mindener Gutachter Burkhard Panzer vor zwei Jahren mit „25 Jahre“ an. Den Zustand des Gebäudes stufte er damals mit „noch zufriedenstellend“ ein.

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